- Studentenwerks-Verband kritisiert Gebühren-Länder: Noch immer fehlen Stipendienprogramme zur sozialen Abfederung
- DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde: "Von wirksamem Stipendiensystem weit entfernt"
- DSW befürchtet noch stärkere soziale Selektion
(Berlin, 25. Januar 2008) Das Deutsche Studentenwerk (DSW) kritisiert, dass in den sieben Bundesländern mit Studiengebühren noch immer keine Stipendienprogramme zur sozialen Abfederung aufgelegt worden sind. "Das Bundesverfassungsgericht hat den Ländern 2005 auferlegt, ihre Studiengebührenmodelle sozialverträglich zu gestalten", erläutert DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde, "die Antwort der Länder waren nur Studiengebühren-Darlehen, jedoch nicht die angekündigten Stipendienprogramme." Mit Blick auf die heutigen Studierenden-Demonstrationen gegen Studiengebühren erklärt Meyer auf der Heyde: "Die Studierenden sind darauf angewiesen, dass in jenen Ländern, in denen Studiengebühren eingeführt und nicht wieder abgeschafft werden, auch wirklich ausreichende Stipendienprogramm aufgelegt werden. Das ist bis heute nicht passiert, deshalb sind die Studiengebühren auch nicht sozialverträglich."
Von einem "wirksamen Stipendiensystem", wie es Bundespräsident Horst Köhler in einem ZEIT-Interview jüngst zur Voraussetzung von Studiengebühren gemacht hat, sei man in Deutschland "weit entfernt", sagte Meyer auf der Heyde. Laut der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erhielten im Jahr 2006 lediglich 2% der Studierenden ein Stipendium, genauso wenige wie 2003, als die vorherige Studierenden-Befragung durchgeführt worden war.
Meyer auf der Heyde sieht eine Reihe von "klaren Indizien", dass Studiengebühren, wie es das Deutsche Studentenwerk befürchtet, abschreckend wirken: "Die Zahl der Neuimmatrikulierten entfernt sich immer mehr von der steigenden Zahl der Schulabsolventen mit Hochschulzugangsberechtigung. Und in Ländern ohne Studiengebühren sind die Erstsemesterzahlen deutlich höher als in Ländern mit Gebühren angestiegen."
Studiengebühren können, befürchtet der DSW-Generalsekretär, insbesondere auf junge Menschen aus einkommensschwächeren und Mittelstands-Familien abschreckend wirken. "Gerade diese Schichten sind aber an unseren Hochschulen bereits jetzt deutlich unterrepräsentiert. Die soziale Ungleichheit, die in der Schule ihren Ausgang nimmt, würde durch Studiengebühren ins Hochschulsystem forciert", so Meyer auf der Heyde. Derzeit studieren von 100 Kindern aus Akademiker-Familien 83, aber nur 23 aus Familien ohne akademischen Hintergrund. Die Zahlen von 2003: Ebenfalls 83 von 100 Akademiker-Kindern studierten, 26 von Nicht-Akademikern.
Kontakt: Stefan Grob, Telefon 030/29 77 27 20, Mobil 0163/29 77 272, E-Mail: stefan.grob@studentenwerke.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
fachunabhängig
überregional
Studium und Lehre, Wissenschaftspolitik
Deutsch

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