IÖR warnt vor einseitiger Kritik an Abrissmaßnahmen beim Stadtumbau Ost

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06.02.2008 15:37

IÖR warnt vor einseitiger Kritik an Abrissmaßnahmen beim Stadtumbau Ost

Anja Petkov Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V.

    In der Diskussion um den Abriss von Gebäuden im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost warnt das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) vor einseitiger Kritik am Abriss von Altbaubeständen. Ohne Abrissmaßnahmen droht vielen Städten und Gemeinden eine deutliche Steigerung der Wohnungsleerstandsquote - und das v. a. in Altbaubeständen. Darüber hinaus können hohe Nebenkosten und die energetisch schwierige Sanierung der Altbauten zu einer Erblast für kommende Generationen werden.

    Eine massive Kritik am Altbauabriss, wie kürzlich in einem offenen Brief verschiedener Interessengruppen an den sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt geäußert, verdrängt die reale Situation und trägt zu einer Fehlinformation der Öffentlichkeit bei. "Das vehemente Eintreten für den Erhalt der Gebäudebestände von vor 1945 hilft den von Leerstand und Bevölkerungsschrumpfung betroffenen Städten und Gemeinden nicht", sagt Professor Bernhard Müller, Direktor des IÖR. Besonders in Sachsen sei die Situation differenziert zu betrachten. "Sachsen ist das Bundesland mit den prozentual größten Wohnungsbeständen von vor 1918. Mit einem Anteil von fast 30 Prozent ist er mehr als doppelt so hoch wie in Westdeutschland", erklärt Müller. "Gleichzeitig ist der Leerstand in diesem Altbausegment mit über 26 Prozent am höchsten. Die Leerstände in den nach 1949 bis 1990 errichteten Gebäuden sind erheblich niedriger", so Müller weiter. Die hohen Altbaubestände seien nicht in gleichem Maß nachgefragt, wie das in westlichen Bundesländern der Fall ist. Auch angesichts zukünftig steigender Energiekosten würde ein überalternder Gebäudebestand, dessen energetische Sanierung oft schwierig ist, zu einer zusätzlichen Bürde.

    In Sachsen wurden von 2000 bis 2006 fast 74.000 Wohnungen abgerissen. Im Jahr 2003 wurde mit insgesamt 17.000 abgerissenen Wohnungen die höchste Zahl erreicht. Seitdem geht der Abriss jährlich zurück - im Jahr 2006 wurden insgesamt noch 9.000 Wohnungen abgerissen. "Man kann hier keinesfalls von einer Abrisshysterie sprechen", gibt Clemens Deilmann, Abteilungsleiter Wohnungswesen und Bauökologie im IÖR, zu bedenken. Vielmehr seien die Abrissquoten noch zu gering. Eine Studie des IÖR zu den Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Wohnungsmarkt ergab, dass ein Rückgang der Abrisszahlen auf nur 12.000 Wohnungen pro Jahr den Leerstand in Sachsen bis zum Jahr 2030 von bisher insgesamt 17 Prozent auf 23 Prozent ansteigen lassen würde.

    Der Stadtumbau ist in jeder Stadt mit einer eigenen Problematik behaftet. Ein Rückbau, der sich nur auf die Randlagen konzentriert, gestaltet sich stadträumlich oft schwierig. "In manchen Städten sind Plattenbaugebiete gut in das Raumgefüge eingebunden und die Wohnungen werden nachgefragt", urteilt Deilmann. Es käme vielmehr darauf an, dass Stadtplanungsentscheidungen auf Basis stichhaltiger Informationen erfolgen. "Abrissmaßnahmen können vor Innenstädten nicht Halt machen. Hier erfordert der Abriss von Altbaubeständen jedoch intensive Beteiligungsprozesse, bei denen eine Vielzahl von einzelnen Privateigentümern eingebunden werden müssen", meint Bernhard Müller. Sowohl beim Abriss von Plattenbauten als auch von Altbauten ist außerdem eine weitsichtige Grünplanung unerlässlich, die mit der Stadtplanung Hand in Hand geht und die Nutzung der frei gewordenen Flächen koordiniert. Solche Flächen können durch gezielte Planung für eine Verbesserung des Wohnumfeldes und der Wohnqualität genutzt werden.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Bauwesen / Architektur, Gesellschaft, Politik, Recht
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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