Studenten der Hochschule Konstanz gründen Ärzte-Portal
Konstanz (ac) Martin Drees hat keine Zeit. Er muss den Antrag für einen Wettbewerb abgeben. Die Frist läuft bald ab, sagt er, und verabschiedet sich ins Nebenzimmer, um an den Antragstext zu feilen. Sein Mitstreiter Felix Rademacher ist aber auskunftsbereit.
Die beiden Studenten der Hochschule Konstanz (HTWG) sind im Gründerfieber. Praktisch aus dem Nichts haben sie im letzten Jahr ihres Studiums die Internetplattform coliquio aufgebaut. In dem Portal tauschen mittlerweile über 1000 niedergelassene Mediziner ihr Expertenwissen untereinander aus.
Ungewöhnlich ist, dass die Gründer keine Informatik- sondern Maschinenbaustudenten sind. Sie studieren Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau und stehen kurz vor dem Abschluss. War das Studium also für die Katz, haben sie das Falsche studiert? Keineswegs, sagt Rademacher, die wirtschaftswissenschaftlichen Kenntnisse "sind für die kaufmännische Seite des Projektes sehr hilfreich". Außerdem haben die "Aufgeschlossenheit der Fakultät und unseres Betreuers Professor Guido Baltes entscheidend dazu beigetragen, dass wir den Schritt gewagt haben". Sie seinen "in jeder Hinsicht unterstützt" worden ,so Rademacher. Und was man als Ingenieur gelernt habe, sei gelernt.
Ihr Projekt findet mittlerweile bundesweit Resonanz in Ärztekreisen, denn die Mediziner schätzen Plattformen, die unabhängig, werbefrei und kostenlos sind und in denen nur approbierte Ärzte zugelassen sind - so wie coliquio. Durch den Austausch untereinander können sich Ärzte schnell und ohne Zwänge mit Kollegen über Fachliches austauschen, etwa über aktuelle Erfahrungswerte mit bestimmten Therapien und Verfahren.
Als bisher einzige Plattform in Deutschland hat coliquio auch ein anonymes Berichtssystem, das die systematische Erfassung kritischer Zwischenfälle bietet. Damit können Ärzte Schwachstellen von Prozessen in Praxen und Kliniken schnell erkennen und untereinander austauschen. Das soll zu einer höheren Patientensicherheit führen.
Mittlerweile hat das "Forum Patientensicherheit", eine Initiative der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, coliquio als "offizielle Lösung zur Erfassung, Diskussion und Vermeidung kritischer Zwischenfälle" anerkannt.
Die Plattform der beiden Studenten bietet aber auch Wissensmanagement. Durch die Speicherung von Beiträgen haben Ärzte ihr gesammeltes Wissen immer zur Hand.
Martin Drees schreibt immer noch an seinem Antrag. Felix Rademacher lehnt sich zurück und lächelt, als die Frage kommt, wie die beiden auf die Idee zu ihrem Ärzteportal gekommen sind. "Auf einem Fest bei meinen Eltern habe ich bemerkt, dass einige Ärzte, die dabei waren, etwas abseits standen und die Köpfe zusammengesteckt haben. Sie haben sich angeregt über Fachliches unterhalten und alles um sich herum vergessen. Da dachte ich, dass es besser wäre, ihnen eine Möglichkeit zu geben ständig und möglichst zahlreich miteinander zu kommunizieren".
Kontakt
felix.rademacher@coliquio.de
martin.drees@coliquio.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik, Medizin
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Studium und Lehre
Deutsch

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