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14.02.2008 11:38

Dem Outing folgt das Karriereaus

Stephanie Borchers Pressestelle
Hochschule Vechta

    Homosexualität ist im Sport eines der letzten großen Tabuthemen. "Je ,männlicher' eine Sportart ist, desto mehr wird darüber geschwiegen", sagt Sportpsychologe Professor Dr. Martin Schweer. Im Profifußball oder Motorsport könnte ein Outing schnell mal das Karriereaus bedeuten. Kürzlich hat Philip Lahm in einem Interview in der Zeitschrift "Front" von einem Outing abgeraten - er selbst kenne niemanden in der Bundesliga, der schwul sei.

    Martin Schweer nähert sich dem vermeintlichen Tabuthema von wissenschaftlicher Seite. "Auch die Wissenschaft hat sich dieser Thematik bislang kaum gestellt", sagt der Professor der Hochschule Vechta. "Aus diesem Grund wissen wir noch viel zu wenig über die tatsächlichen Probleme von homosexuellen Sportlern." Mit welchen Schwierigkeiten homosexuelle Sportler tatsächlich kämpfen müssen, wird auch im neuen Weiterbildungsstudiengang Sportpsychologie an der Hochschule Vechta thematisiert werden, für den Schweer verantwortlich zeichnet.
    Wie viele Sportler beenden vorzeitig ihre Karriere, um Diskriminierungen zu entgehen? Wie häufig ringen sie sich zu einem Doppelleben durch? Welchem Druck aus dem sozialen Umfeld müssen sie standhalten? Gerade bei Mannschaftssportarten wie Fußball sei Homosexualität nicht selten Anlass für Witze, Spott und Abwertung in den Umkleidekabinen der Spieler, erläutert Schweer.
    Eine Tendenz, die sich auch immer wieder bei den Fans zeige - "schwul" gilt als ein durchaus beliebtes Schimpfwort, und das nicht nur auf dem Trainingsplatz von Kindern und pubertierenden Jugendlichen.
    Auch die Funktion homophober Reaktionen auf Seiten der Fans ist bislang wissenschaftlich kaum beleuchtet. "Der augenblicklichen Situation ist aber auf jeden Fall zu entnehmen, dass homosexuelle männliche Sportler komplett aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden", kritisiert Schweer.
    Die derzeit anlaufende Diskussion biete die Chance, konstruktiv über Möglichkeiten der Anti-Diskriminierung nachzudenken, sie biete aber auch gesellschaftlich die Chance zu einer kritischen Selbstreflektion - warum sind homosexuelle Lebensentwürfe immer noch so bedrohlich für weite Teile der Bevölkerung?
    "Homosexualität steht nach wie vor zu sehr im Widerspruch zu unserer gewohnten Sicht auf die Welt, das von uns in klare Schubladen geordnete Leben wird durcheinander geworfen, verursacht deshalb Unsicherheit für das eigene Verhalten - Vorurteile und zum Teil aggressive Tendenzen sind typische Folgeerscheinungen", erklärt der Psychologe.
    Der Sport - und damit meint Schweer Sportler, Trainer und Funktionäre - wird sich zunehmend diesem Thema stellen müssen.
    Fragen zum Thema beantwortet Prof. Dr. Martin Schweer unter Telefon 04441/15-534 oder per Mail: martin.schweer@uni-vechta.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Psychologie, Sportwissenschaft
    regional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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