Nr. 58
Neue Reihe "Rudolf-Carnap-Lecture" startete an der RUB
Graduiertenkongress mit Teilnehmern aus zehn Ländern
Mit einem Vortrag von Prof. Dr. Alva Noe aus Berkeley ist kürzlich die neue Vortragsreihe "Carnap-Lectures" an der Ruhr-Universität gestartet (Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Albert Newen, Institut für Philosophie). Bei diesem Anlass wurden auch die fünf Preise des internationalen Essay-Wettbewerbs für Doktorandinnen und Doktorandin im Fach Philosophie verliehen, den das Institut für Philosophie in Kooperation mit der Research School Bochum und der International Graduate School of Neuroscience in Bochum anlässlich der ersten "Graduate Conference in Philosophy" veranstaltet hatte. Die Promovierenden des Bochumer Instituts für Philosophie waren Gastgeber für eine ausgewählte Gruppe von 23 Provomierenden aus acht europäischen Ländern sowie Kanada und den USA.
Die Preisträger in alphabetischer Reihenfolge
Jochen Briesen (Humboldt-Universität Berlin): Ist es möglich, dass wir nicht Menschen in einer Umwelt sind, sondern bloß "Gehirne im Tank" (Gehirne in einer Nährlösung)? Das Gedankenexperiment geht davon aus, dass die Stimulation des Gehirns im Tank durch geeignete elektrochemische Sensoren stattfindet, die von einem Supercomputer gesteuert werden. Herr Briesen hat eine neue Strategie entwickelt, diese radikale Skepsis rational zurückzuweisen.
Florian Demont (University of Birmingham): Warum akzeptieren wir bestimmte Schlussfolgerungen als korrekt und weisen andere zurück? Was ist die Grundlage für unsere logischen Prinzipien? Wenn wir diese nicht als Teil eines platonischen Ideenhimmels betrachten wollen, die uns zugefallen sind, müssen wir versuchen, die Logik als Ergebnis eines Prozesses zu verstehen, der letztlich in unseren Alltagsurteilen über gute und schlechte Argumente gründet. Florian Demont schlägt eine solche pragmatische Fundierung der Logik vor.
Joachim Horvath (Universität Köln): Große Teile unseres Wissens stützen sich auf das, was andere Personen uns sagen ("Zeugnis anderer Personen"). Ist dies eine eigenständige Quelle des Wissens oder muss es in jedem Fall letztlich darauf zurückgeführt werden, dass eine Person, die am Anfang steht, eine verlässliche Erfahrung gemacht hat? Ist somit die direkte Erfahrung die Quelle allen Wissens? Wie viele Quellen des Wissens gibt es? Hier entwickelt Joachim Horvath eine neue Einordnung unseres Wissens aufgrund des Zeugnisses anderer Personen.
Dave Ward (University of Edinburgh): Wenn Sie eine Inversionsbrille aufsetzen, dann sehen sie alle Menschen und Objekte auf dem Kopf. Allerdings gewöhnt sich das Gehirn bald an diese neue Reizsituation und nach wenigen Tagen sehen wir wieder alles aufrecht. Wenn wir die Brille abnehmen, haben wir wieder für eine Übergangszeit dieselben Probleme: Alles steht auf dem Kopf. Wie sieht eine gute Wahrnehmungstheorie aus, die dieses Phänomen einfangen kann? Dave Ward präsentiert eine neue Theorie, die unsere Sinneserfahrungen mit den Handlungs- und den Unterscheidungsmöglichkeiten eines Menschen verknüpft.
Jenny Windt (Universität Mainz): Was ist das Wesen des Träumens? Ist Träumen eine Form von Wahrnehmen, nur mit dem Unterschied, dass die Steuerung durch die Sinneserfahrung fehlt? Oder ist Träumen näher an den Erlebnissen bei psychischen Störungen? Jenny Windt bringt eine Theorie des Träumens auf den Weg, bei der sie auch neuere Beobachtungen integriert, z.B. wir können träumen, dass wir aufwachen (ohne aufzuwachen), wir kennen das Phänomen von "Tagträumen"; auch können wir verschiedene Traumphasen mit Hilfe empirischer Forschung unterscheiden. Manchmal "argumentieren" wir sogar beim Träumen, aber es verschwimmt bzw. verschwindet das Einschätzungsvermögen wir den eigenen Standard. Eine gute Theorie des Träumens ist etwas, was mit Blick auf die Ergebnisse der Neurowissenschaft noch zu entwickeln ist.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Albert Newen, Institut für Philosophie, Ruhr-Universität Bochum, E-Mail: albert.newen@rub.de; http://www.ruhr-uni-bochum.de/philosophy/staff/newen/
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Philosophie / Ethik, Religion
regional
Studium und Lehre
Deutsch

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