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06.03.2008 17:43

Mannheim als Schaltstelle der Schlaganfallforschung

Klaus Wingen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Mannheim

    Große Anerkennung für die Neurologen am Mannheimer Universitätsklinikum: Sie bilden eine zentrale Anlaufstelle im Rahmen des bislang größten europäischen Schlaganfallprojektes. Mit über 21 Millionen Euro fördert die Europäische Union fünf Jahre lang Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des Schlaganfalls. Beteiligt daran sind etwa 30 Partner aus vielen europäischen Ländern, die Fäden dieser übergreifenden Zusammenarbeit laufen zu etwa gleichen Teilen im Universitätsklinikum Mannheim und in der Charité, Universitätsmedizin Berlin, zusammen.

    "In den Staaten der Europäischen Union erleiden pro Jahr etwa eine Million Menschen einen Schlaganfall," sagt Professor Dr. Stephen Meairs, Geschäftsführender Oberarzt der Neurologischen Universitätsklinik in Mannheim, der mit "Eustroke" eines der beiden großen Teilprojekte verantwortet. "Diese Erkrankung ist eine häufige Todesursache, vor allem aber werden viele Patienten zu Pflegefällen. Und weil die Anzahl älterer Menschen in der EU rasch steigt, wird auch die Zahl der Schlaganfall-Patienten in den kommenden zwei Jahrzehnten ständig zunehmen. Grund genug also, Vorbeugung, Therapie und Rehabilitation im Zuammenhang mit dem Schlaganfall weiter zu verbessern." Gemeinsam mit Professor Ulrich Dirnagl von der Abteilung für Experimentelle Neurologie an der Charité hat er deswegen ein genau aufeinander abgestimmtes Forschungskonzept vorgelegt, mit dem beide die Gesundheitsexperten der Europäischen Union von der Einrichtung des European Stroke Network (ESN) überzeugten - also eines europaweiten Schlaganfall-Netzwerkes. In ihm arbeiten führende Wissenschaftler und erfahrene Kliniker aus 12 Ländern zusammen, um Europa zu einem Vorreiter in der Schlaganfall-Forschung zu machen.

    Zu den Forschungsschwerpunkten gehören Fragen wie diese: Welche neuartigen Methoden lassen sich entwickeln, um Blutgerinsel im Gehirn auf möglichst schonende Art aufzulösen? Welche Faktoren beeinflussen das Entstehen und den Verlauf eines Schlaganfalls? Welche Therapieansätze können dazu beitragen, dass sich geschädigte Bereiche im Gehirn wieder regenerieren? Allein auf das Mannheimer Universitätsklinikum entfallen von den Forschungsmitteln rund 2,5 Millionen Euro.

    Der Startschuss für das Projekt soll bei einem Treffen der beteiligten Einrichtungen fallen, das vom 9. bis 11. März in Berlin stattfindet. Im Mai wird der Leiter der EU-Gesundheitsforschung, Dr. Manuel Hallen, das Netzwerk rund 3.000 Schlaganfall-Forschern vorstellen, die im französischen Nizza an der "European Stroke Conference" teilnehmen.

    Die von Professor Dr. Michael Hennerici geleitete Neurologische Universitätsklinik in Mannheim hat bereits 1998 als eines der ersten Krankenhäuser in Baden-Württemberg eine sogenannte stroke unit eingerichtet, also eine Spezialstation zur Behandlung von Schlaganfällen. Ziel der Arbeit dort ist es, die Folgen eines Schlaganfalls beim Patienten möglichst gering zu halten und Komplikationen zu vermeiden. Den hohen Nutzen solch einer Spezialstation konnten die Mannheimer Ärzte in einer Studie nachweisen, die 2004 mit dem baden-württembergischen "Qualitätsförderpreis Gesundheit" ausgezeichnet wurde. Für seine Arbeit auf dem Gebiet der Schlaganfallforschung erhielt Klinikdirektor Professor Hennerici 2006 den "Karolinska Stroke Award" des renommierten Stockholmer Karolinska Instituts, der Medizinhochschule in der schwedischen Hauptstadt. Professor Meairs koordinierte bereits zwischen in den Jahren 2002 bis 2006 ein wichtiges EU-Projekt mit dem Ziel, neuartige Methoden zur frühen Diagnose und Behandlung des Schlaganfalls zu entwickeln. Darüber hinaus organisierte er 2005 für die Europäische Kommission eine Expertentagung, um zukünftige Forschungsziele im Bereich der Schlaganfallforschung festzulegen.

    Zu der Mehrzahl der Schlaganfälle kommt es, weil ein zum Gehirn führendes Blutgefäß plötzlich verstopft. Dadurch erhalten die Nervenzellen im Gehirn zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, sie sterben ab. Je schneller diese Durchblutungsstörung wieder behoben werden kann, desto geringer sind die zu erwartenden Folgeschäden. Darauf zielt die umfassende medikamentöse und gelegentlich auch operative Sofortbehandlung ab. Schon früh werden in der Therapie außerdem Logopädie und Krankengymnastik eingesetzt, um Sprachstörungen und Lähmungserscheinungen rasch zu bekämpfen. Die seltenere Form des Schlaganfalls beruht darauf, dass ein Blutgefäß im Gehirn platzt. Auch solch eine Hirnblutung führt im davon betroffenen Gebiet zu Funktionsstörungen und zum Absterben von Gewebe.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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