idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Teilen: 
10.04.2008 17:27

Symposium in Heidelberg: Diaspora und Identität

Dr. Michael Schwarz Pressestelle
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

    Hochkarätig und international besetztes Symposium zur Geschichte des Judentums in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg vom 13. bis 16. April 2008 - Thema: "The Judeans in the Achaemenid Age: Negotiating Identity in an International Context"

    Die Konferenz widmet sich einer in der gegenwärtigen religionswissenschaftlichen Forschung zentralen Fragestellung: Wie entstehen in einer (religiösen) Gemeinschaft verbindliche Normen? Wie werden kultische und ethische Standards stabilisiert und verbreitet, auch wenn die Glaubens- bzw. Volksgruppe in einem internationalen Kontext verstreut in der Diasporasituation leben muss?

    Das Leben im Exil gehört bis heute zu den Grunderfahrungen des Judentums, zumeist geprägt durch soziale Ausgrenzung und Verfolgung. Und es besteht kein Zweifel daran, dass solche Formen erlittener Heimatlosigkeit einen immensen Einfluss bei der Ausbildung einer eigenen Identität ausgeübt haben und noch immer ausüben. In der historischen Erforschung dieser Zusammenhänge rückt derzeit zunehmend das Persische Zeitalter (etwa zwischen dem 6. und dem 4. Jahrhundert vor Christus) in den Fokus der Wissenschaftler: zahlreiche Exilanten aus Juda lebten damals verstreut im weiträumigen Perserreich - in ganz unterschiedlichen kulturellen und ökonomischen Kontexten. Viele Entdeckungen in der Archäologie, der Epigraphie, der historischen Linguistik, der Numismatik und den Keilschriftstudien verleihen dieser Epoche gegenwärtig neue Konturen. Ein Heidelberger Symposion will diese Einzelbefunde nun vernetzen und somit insbesondere auf die Entstehung des Judentums in dieser Zeit eine neues Licht werfen.

    "Wir wollen ein rätselhaftes Phänomen aufklären: dass sich ausgerechnet in der Situation des Untergangs und der Zerstreuung die an 'ewigen' Werten orientierte stabile Religionsgemeinschaft der Juden herausgebildet hat. Auf der Grundlage neu erschlossener Quellen wollen wir danach fragen, wie sich das Judentum in der Perserzeit ausdifferenziert hat und unter welchen Bedingungen es angesichts seiner divergierenden Lebensumstände dennoch zur Ausbildung einer an strengen Normen orientierten Identität kommen konnte", formuliert der Heidelberger Theologe Prof. Dr. Manfred Oeming die zentrale Fragestellung der von ihm organisierten Konferenz im Internationalen Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg.

    Entscheidend, so der Wissenschaftler, ist dabei insbesondere die interdisziplinäre Perspektive: Altorientalisten, Ägyptologen, Althistoriker, Archäologen, Iranisten und Alttestamentler werden gemeinsam versuchen, das Profil der im Perserreich weit zerstreuten Judäer zu schärfen, ohne zugleich die anderen Gemeinschaften sowie die religiöse Gesamtsituation aus dem Auge zu verlieren.

    Zu den Themen des Symposions mit 26 Referaten gehören das Selbstverständnis und die Gruppenidentität unter den Judäern in den unterschiedlichen internationalen Kontexten, die Beziehungen der Judäer zu den anderen Gruppen in Ägypten, Mesopotamien und der südlichen Levante, die Differenzen des Selbstbildes in größeren Städten und in ländlichen Randregionen, der Wandel des Selbstverständnisses in der Judäischen Geschichtsschreibung und Prophetie oder auch die Bedeutung der materiellen Hinterlassenschaft, die den internationalen Handel mit der gesamten Mittelmeerwelt bezeugt. Zudem wird zu untersuchen sein, ob es ein einheitliches Recht für alle Juden des Reiches gab.

    Journalisten sind als Zuhörer willkommen und wenden sich bitte vorab an Prof. Dr. Manfred Oeming. Einzelinterviews mit den Wissenschaftlern können auf Wunsch vereinbart werden.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Manfred Oeming
    Wissenschaftlich-Theologisches Seminar
    der Universität Heidelberg
    Kisselgasse 1, 69117 Heidelberg
    Tel. 06221 543305
    manfred.oeming@wts.uni-heidelberg.de

    Dr. Ellen Peerenboom
    Geschäftsführerin
    Internationales Wissenschaftsforum der Universität Heidelberg
    Hauptstraße 242, 69117 Heidelberg
    Tel. 06221 543690, Fax 165896
    iwh@uni-hd.de

    Allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
    Dr. Michael Schwarz
    Pressesprecher der Universität Heidelberg
    michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

    Irene Thewalt
    presse@rektorat.uni-heidelberg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Politik, Recht, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).