München, 5. Mai 2008. Experten sehen noch deutliche Spielräume für Verbesserungen der Werk-stoffwissenschaften in Deutschland, das in diesem Bereich bereits zu den führenden Ländern ge-hört. Praxisnahe und interdisziplinäre Studiengänge sowie flexible Forschungsförderung und Priva-te Public Partnerships (PPP) sind dabei nach Einschätzung der Fachleute besonders wichtig. Die Analysen und Ergebnisse eines Experten-Workshops von acatech im Oktober 2007 liegen jetzt unter dem Titel "Werkstoffe als Motor für Innovationen" online und als Buch der Reihe "acatech DISKUTIERT" vor. Der Diskussionsband enthält auch ein Beispiel aus den Niederlanden, das zeigt, wie sich mit einem ausgeklügelten Finanzierungsmodell und einer langfristigen Strategie in weniger als einem Jahrzehnt ein erfolgreiches Forschungsinstitut aufbauen lässt. Basierend auf dem Dis-kussionsband und einer ergänzenden Umfrage unter Fachleuten für Werkstoffe will die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften nun ein Strategiepapier entwickeln, das konkrete Empfeh-lungen an Politik, Wissenschaft und Wirtschaft richtet.
Werkstofftechnologien sind Schlüsseltechnologien: Mehr als zwei Drittel aller neuen Produkte ba-sieren auf neuartigen Materialien. Rund eine Billion Euro jährlich setzen die werkstoffbasierten Branchen (ohne Bausektor) alleine in Deutschland um; fünf Millionen Menschen sind in diesem Industriezweig beschäftigt. Doch Werkstoffe sind im Produkt meist nicht sichtbar - einer der Grün-de für die von Experten oft beklagte mangelnde öffentliche Wahrnehmung. "Obwohl Werkstoffe im täglichen Umfeld eher unspektakulär erscheinen, sind sie die Voraussetzung für die Entwicklung unserer Welt", schreibt Herausgeber Hartwig Höcker, Leiter des acatech-Themennetzwerkes Werkstoffe und emeritierter Professor an der RWTH Aachen.
Hartwig Höcker fordert nicht nur eine bessere Vermittlung in der Öffentlichkeit, sondern konkrete Maßnahmen für die Disziplin selbst: "Werkstoffwissenschaftliche Studiengänge müssen interdiszi-plinär, produktorientiert, und attraktiv gestaltet werden." Flexible Forschungsförderungsmodelle und Private Public Partnerships (PPP) sollten darüber hinaus den Austausch zwischen Industrie und Wissenschaft verbessern.
Wie eine erfolgreiche Privat-Public-Partnership (PPP) zwischen Forschung, Politik und Wirtschaft aussehen kann, erläutert Pieter J. Lemstra, Professor für Polymertechnologie an der Technischen Universität Eindhoven und langjähriger wissenschaftlicher Leiter des niederländischen Dutch Po-lymer Institute (DPI): Unter Beteiligung von 30 Forschungseinrichtungen und 36 Firmen verbindet das erst 1997 gegründete DPI das Know-how der beteiligten Forschungsgruppen mit dem Innova-tionsbedarf der Industrie. Das DPI ist eines von vier "Leading Technological Institutes" (LTT's), die 1995 unter Beratung der niederländischen Akademie der Wissenschaften projektiert wurden. Den Erfolg dieser Institute ermöglichte ein Finanzierungsmodell, das für alle Partner attraktiv ist: Die Industrie und Forschungsinstitute beteiligen sich zu gleichen Teilen. Das Wirtschaftsministerium verdoppelt nochmals die Summe und gibt so einen starken Anreiz für Industriepartner, sich an den Forschungsprojekten zu beteiligen.
Im Diskussionsband berichtet Pieter J. Lemstra auch, wie ein Ausgleich zwischen der langfristig arbeitenden Forschung und den zuweilen plötzlichen Interessenumschwüngen der Wirtschaft ge-lingen kann: Um die Jahrtausendwende setzte die niederländische Industrie im Zuge von Umstruk-turierungen etwa bei Akzo-Nobel und Shell einige Forschungsaktivitäten im Bereich Polymerfor-schung aus. Längerfristige Projekte des Dutch Polymer Institutes standen ohne Partner da. Pieter J. Lemstra: "Die Industrie kann ihren Fokus über Nacht ändern, aber Universitäten können das nicht!" Neben der Suche nach weiteren Industriepartnern definierte das DPI deshalb ein "Kern-Programm", das mit einem Fünftel des Gesamtbudgets langfristige Forschung nach wissenschaftli-chen Kriterien betreibt. Dieser Kompromiss könnte möglicherweise auch für andere materialwis-senschaftliche Fachrichtungen wegweisend sein.
Der Diskussionsband, der in der Reihe "acatech diskutiert" erschienen ist, kann kostenlos auf den Seiten der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften herunter geladen oder direkt beim Fraunhofer IRB Verlag bestellt werden. Interessierte Journalisten können zudem Rezensionsex-emplare in der Geschäftsstelle der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften anfordern.
Höcker, Hartwig (Hrsg.):
Werkstoffe als Motor für Innovationen 95 S., zahlreiche Abbildungen und Tabellen, kartoniert
Fraunhofer IRB Verlag 2008.
ISBN 978-3-8167-7580-5
Link: http://intern.acatech.de/public_download.php?&fileid=663&type=news
Über acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften ist eine gemeinnützige Einrichtung mit wis-senschaftlichem Anspruch und hoher Unabhängigkeit. Sie finanziert sich durch eine institutionelle Förderung von Bund und Ländern sowie durch Spenden und projektbezogene Drittmittel und be-steht aus drei Organen: Die Mitglieder der Akademie sind in der Mitgliederversammlung organi-siert; der Vorstand, der von den Mitgliedern der Akademie bestimmt wird, lenkt die Arbeit; ein Se-nat mit namhaften Persönlichkeiten vor allem aus der Industrie, aus der Wissenschaft und aus der Politik berät in Fragen der strategischen Ausrichtung und sorgt für den Austausch mit der Wirt-schaft und anderen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland.
Die Geschäftsstelle der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften befindet sich in Mün-chen; zudem ist acatech mit einem Hauptstadtbüro in Berlin vertreten. Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften ist Prof. Dr.-Ing. Joachim Milberg; den Vorsitz des Senats hat Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog inne.
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Christoph Uhlhaas
Volontär Presse- und Öffentlichkeitsarbeit acatech
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80539 München
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Fax +49(0)89/5 20 30 99
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Werkstoffwissenschaften
überregional
Wissenschaftliche Publikationen, Wissenschaftspolitik
Deutsch

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