Abendvortrag am Mittwoch, 14.05.08 um 20.00 Uhr. Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben den Wert der Biodiversität aufgezeigt und uns gleichzeitig ihre Verletzlichkeit und ihr Schutzbedürfnis bewusst gemacht. Dies hat in verschiedenen Kreisen dazu geführt, dass ein Konflikt zwischen Schutz und Nutzung impliziert wurde. Die neueren Forschungsergebnisse zeigen , dass das Gegenteil möglich wäre. Eine neue "grüne Revolution", in der die Biodiversität als Produktivkraft der Natur bewusst gefördert wird, ist kein träumerisch-idealistisches, nicht erreichbares Ziel sondern möglich und notwendig.
Umfragen zeigen, dass wir eine Vorliebe für vielfältige Landschaften und blumenreiche Wiesen haben. Hat diese sogenannte Biodiversität eine Bedeutung, die über das rein Ästhetische hinausgeht? Ist sie nur eine Extravaganz der Natur oder aber eine Notwendigkeit des Lebens an sich?
Die Entwicklung des Lebens ist untrennbar mit der Entwicklung der Biodiversität verbunden. Wenn wir ein Wirkungsmodell für die Biodiversität aufstellen wollen, müssen wir die Gesamtheit der unterschiedlichen Elemente in einem System und ihre Wechselwirkungen betrachten. Auf der zellbiologischen Ebene können diese Elemente Moleküle sein, auf der populationsbiologischen Ebene Individuen und auf der Ökosystemebene Arten. Die Frage ist nun, ob die Funktionsfähigkeit des Systems von der Anzahl, der Unterschiedlichkeit und dem Vernetzungsgrad der Elemente abhängt.
Versuche, in denen die Anzahl und die Kombination der Pflanzenarten im Ökosystem künstlich verändert wurden, zeigten zwar im Durchschnitt eine Mehrleistung in Mischbeständen, aber meistens konnten die besten Monokulturen ebenso hohe Erträge wie die besten Mischungen erzielen. Um jedoch für gegebene Umweltbedingungen solche Arten mit hohem Monokulturertrag verfügbar zu haben, sind wir auf eine grosse Auswahl von Arten angewiesen. Dies wird als "Versicherungswert" der Biodiversität bezeichnet.
Je grösser die Unterschiede zwischen den Arten in einem Ökosystem sind, desto eher treten auch Mehrleistungen von artenreichen Systemen auf, die von keiner Art im Alleingang übertroffen werden können. Dieser "Dienstleistungswert" der Biodiversität beruht auf der Arbeitsteilung zwischen den Arten. So sind zum Beispiel viele Nutzpflanzen auf die Zusammenarbeit mit bestäubenden Insekten oder stickstofffixierenden Bakterien angewiesen.
Aus der Sicht menschlicher Nutzungsansprüche sollten aber nicht nur landwirtschaftliche Versicherungs- und Dienstleistungswerte der Biodiversität betrachtet werden. Von vermutlich noch grösserer gesamtwirtschaftlicher Bedeutung dürften vielmehr die Optionen auf zukünftige Produkte wie neue Medikamente und die Ökosystemdienstleistungen wie Wasserfiltration, Bodenbildung, Erosionsvermeidung, Klimaregulation und die Regulation der Populationen von Krankheitserregern sein. Diese Aspekte werden zwar heute noch kaum berücksichtigt, aber entsprechende Märkte beginnen sich bereits auszubilden.
Eintritt frei
Vortrag von Bernhard Schmid, Institut für Umweltwissenschaften, Universität Zürich
Hörsaal, zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Adenauerallee 160, 53113 Bonn
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Geowissenschaften, Gesellschaft, Informationstechnik, Medizin, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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