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07.05.2008 10:17

Glutenfrei, ein Leben lang - Weltzöliakie-Tag am 17. Mai 2008

Rita Wilp Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V.

    Am Samstag, den 17. Mai 2008 wird der weltweite Zöliakie-Tag begangen. Menschen, die an Zöliakie (im Erwachsenenalter auch einheimische Sprue genannt) oder Glutenunverträglichkeit leiden, müssen sich ihr Leben lang glutenfrei ernähren. Das bedeutet, sie dürfen keine Produkte zu sich nehmen, in denen das so genannte Klebeeiweiß aus Getreide vorkommt. Die Zahlen der an Zöliakie erkrankten Menschen wird aufgrund neuer Screeningstudien europaweit auf etwa 1 auf 150 geschätzt. "Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarmes, und es werden immer häufiger auch von der Zöliakie betroffene Erwachsene diagnostiziert," sagt Prof. Dr. Berthold Koletzko von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM). Früher sei die Krankheit vor allem bei Kleinkindern festgestellt worden, wenn von der Ernährung mit Muttermilch oder Flaschennahrung auf glutenhaltige Beikost umgestellt wurde. Heute wird auch für viele Erwachsene erstmals die Diagnose Zöliakie gestellt. In jedem Fall bedeutet es eine lebenslange glutenfreie Ernährung für die Betroffenen, das heißt eine Ernährung ohne Weizen, Roggen und Gerste, also ohne normales Brot, normale Nudeln oder reguläres Bier. Am weltweiten Zöliakie-Tag gibt es in Magdeburg eine große Auftaktveranstaltung der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft. In ganz Deutschland finden unterschiedliche Informationsveranstaltungen zu dem Thema statt.

    Der Darm verfügt über so genannte Zotten, die die Nährstoffe aus der Nahrung aufnehmen. Diese fingerförmigen Ausstülpungen der Darmschleimhaut sind bei Zöliakiekranken geschädigt, wenn sie Gluten, ein Getreideeiweiß, aufnehmen sollen. Es entsteht eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Das bedeutet, die Nährstoffaufnahme ist empfindlich gestört, die Nährstoffe werden kaum aufgenommen und verbleiben unverdaut im Darm. Die auftretenden Beschwerden sind außerordentlich vielfältig und können niedriges Gewicht, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blutarmut durch Eisenmangel sowie eine Verringerung des Kalkgehalts im Knochen (Osteopenie) und Gelenkentzündungen umfassen, bei Kindern auch eine verzögerte Entwicklung. Gluten sind nicht nur in Getreide enthalten, sondern auch in vielen Fertigprodukten.

    Mehrere Faktoren sind an der Erkrankung beteiligt. Es gibt eine genetische Komponente: Rund zehn bis 20 Prozent der engsten Verwandten sind ebenfalls betroffen. Die Krankheit hat auch einen allergischen Anteil: Im Blut können Antikörper gegen das schädigende Eiweiß nachgewiesen werden. Es gibt zudem Hinweise auf einen Autoimmun-Defekt, da die Betroffenen Antikörper gegen eigenes Gewebe (die Zotten) bilden. Zöliakie tritt zudem gehäuft bei anderen Autoimmunkrankheiten und atopischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis, Asthma oder Down-Syndrom auf.
    Mit einem einfachen Bluttest mit Bestimmung der so genannten Transglutaminase-Antikörper kann nach einer Zöliakie gefahndet werden. Um eine Zöliakie eindeutig zu sichern, wird eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus dem Dünndarm im Rahmen einer Magen-Dünndarmspiegelung durchgeführt. Eine rechtzeitige Diagnose und Therapie ist entscheidend, um negative Auswirkungen von Mangelerkrankungen wie Anämie (Blutarmut) oder Osteoporose (Schwund des festen Knochengewebes) zu vermeiden. Bei Frauen drohen auch eine gestörte Fruchtbarkeit und gehäufte Komplikationen in der Schwangerschaft.
    Wird die glutenfreie Ernährung konsequent durchgehalten, so bessern sich die Schäden an der Darmschleimhaut rasch, und die Nährstoffe können wieder regelrecht aufgenommen werden. Gluten sind nicht lebensnotwendig, daher sind durch eine glutenfreie Ernährung keine Nebenwirkungen oder Mangelerscheinungen zu befürchten. Zöliakie-Patienten müssen nicht nur bei Getreideprodukten auf Gluten achten, auch in vielen Fertigprodukten sind Gluten in mehr oder weniger geringer Form enthalten.
    Ansprechpartner:

    Prof. Berthold Koletzko
    Dr. v. Haunersches Kinderspital - Universität München
    berthold.koletzko@med.uni-muenchen.de


    Weitere Informationen:

    http://www.dzg-online.de
    http://www.dgem.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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