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01.10.1997 00:00

Michael Succow erhält Alternativen Nobelpreis 1997

Dr. Edmund von Pechmann Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

    Stolze Pressemitteilung des Jahres 1997 Nr. 52

    Alternativer Nobelpreis fuer Michael Succow Seine Muehen fuer unser Weltnaturerbe sind belohnt

    Wir muessen etwas tun", ist einer der wichtigsten, wenn auch einfach klingenden Saetze von Prof. Dr. Michael Succow. Seit 1992 Direktor des Botanischen Instituts und des Botanischen Gartens der Universitaet Greifswald rastet er wohl keine Stunde, nutzt selbst seine Urlaubszeit, um "etwas zu tun". Heute hat ihm die von Jakob v. Uexkuell in's Leben gerufene "Stiftung fuer richtiges Leben" in Stockholm etwas Gutes getan und den "Right Livelihood Award", den sogenannten Alternativen Nobelpreis, zugesprochen. Neben Succow wurden Mycle Schneider aus Frankreich, Joseph Ki-Zerbo aus Burkina Faso, Jenzaburo Takagi aus Japan und Cindy Duehring aus den U.S.A. ausgezeichnet, die sich die 1.8 Millionen schwed. Kronen Preisgeld teilen. Nach Johannes Stark, dem Physiknobelpreistraeger von 1919, holt Michael Succow als zweiter solch hohe Ehre nach Greifswald.

    Michael Succow wurde am 21. April 1941 in Luedersdorf bei Bad Freienwalde geboren und schrieb bereits mit 14 Jahren seine ersten Veroeffentlichungen ueber die Vogelwelt. 1960-1965 Biologiestudium in Greifswald, danach eine Assistentenstelle am Botanischen Institut. 1969 Ausscheiden aus der Universitaet im Zusammenhang mit der Niederschlagung des "Prager Fruehlings". Bis 1973 "Standorterkunder" im Meliorationskombinat Frankfurt/Oder; 1970 Promotion zum Thema "Vegetation der nordmecklenburgischen Flusstalmoore und ihrer anthropogenen Umwandlung".

    Seither haben die Moore Michael Succow nicht mehr losgelassen. Seine Habilitationsschrift 1981 und sein bekanntes Buch ueber die Moore zeugen davon.

    1974 - 1989 war Michael Succow, 1987 zum Professor der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR ernannt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut fuer Bodenkunde dieser Akademie in Eberswalde. Seine facultas docendi, die Lehrbefugnis, erlangte er mit politischer Verzoegerung an der TU Dresden 1984 fuer das Fachgebiet "Landschaftsoekologie und Landnutzungsplanung". Einen Zugang zu einer Universitaet wurde ihm verwehrt.

    Schon 1973 hatte Prof. Succow seinen ersten grossen Spezialeinsatz, in der Mongolei. 1987 bis 1989 war er siebenmal in aethiopien. 1990 war er stellvertretender Umweltminister der DDR und hat in dieser Zeit mit seinen Freunden Dr. Matthias Freude, Dr. Lebrecht Jeschke und Dr. Hannes Knapp auf einen Schlag sechs Biosphaerenreservate und fuenf Nationalparks in der ausgehenden DDR geschaffen und festgezurrt.

    1990 wurde Succow Vizepraesident des Naturschutzbundes in Deutschland (NABU). 1990 - 1991 war er Gastprofessor fuer "Angewandte oekologie" an der TU Berlin.

    Danach begann erst der richtige Wirbel in seinem Leben:

    politisch:

    1991 wurde er fuer den Worldwide Fund for Nature (WWF) Projektleiter in Georgien und schuf dort mit seinen Freunden sieben Nationalparks, was einem Drittel der Landesflaeche entspricht (Bestaetigung 1992 durch Eduard Schewardnadse und seine Regierung) 1991 persoenlicher Berater des brandenburgischen Umweltministers Matthias Platzeck; Berufung in das Deutsche Nationalkommittee "Man and Biosphere'; Berufung als Ordentliches Mitglied des Deutschen Rates fuer Landespflege; Mitglied der Brandenburgischen Kommission fuer Hochschulen und Forschungseinrichtungen 1992 Deutscher Sprecher der International Mire Conservation Group, einem Beratungsorgan der EU; Schwerpunkt: Erarbeitung internationaler Moorschutzprogramme 1992 Initiierung eines Nationalparkprogramms in der Mongolei 1992 - 1996 Mitglied des Rates von Sachverstaendigen fuer Umweltfragen der deutschen Bundesregierung 1994 Konferenz zur Errichtung eines Biosphaerenreservats Zentraler Tien Schan in Kyrgistan ("Himmelsgebirge") 1994 Vorbereitung eines Biosphaerenprogramms fuer Kasachstan 1994 Gruendung des Naturschutzbeirats beim brandenburgischen Umweltminister 1994 Planung der Internationalen Biosphaerenakademie Bieszady im Dreilaendereck Polen-Ukraine-Slowakei 1995 Planung eines Biosphaerenreservats in der Westtuerkei; dadurch zunaechst Verhinderung eines naturgefaehrdenden Goldabbauprojekts 1995 Bereisung von Kamtschatka fuer die UNESCO - Siccherung von 4 Millionen Hektar Naturlandschaften als World Heritage Gebiet (Weltnaturerbe) 1996 Ausweisung Biosphaerenreservat Zentraler Tien Schan, Kyrgisien 1996 Konferenz in Kasachstan zur Errichtung von Biosphaerenreservaten 1996 Reise zur Ausweisung von Nationalparks an der Grenze Finnland-Karelien (world heritage program der UNESCO)

    in Forschung und Lehre

    1991 Lehrstuhlvertretung, 1992 Ordinarius fuer Geobotanik und Landschaftsoekologie an der Universitaet Greifswald

    1992 - 1994 ehrenamtlicher Gruendungsdekan des Fachbereichs Landschaftsnutzung an der Fachhochschule Eberswalde

    1992 Gruendung der Forschungrichtung Landschaftsoekologie-Naturschutz an der Universitaet Greifswald

    1994 Aufbau des Studiengangs Landschaftsoekologie und Naturschutz in Bischkek in Kirgisien 1995 Einwerbung der Stiftungsprofessur fuer Landschaftsoekonomie bei der Deutschen Umweltstiftung in Osnabrueck

    1996 Einwerbung der Stiftungsprofessur fuer Umweltethik bei der Michael Otto Stiftung fuer Umweltschutz in Hamburg (Besetzung am 17. Okt. 1997)

    1997 Einwerbung der Stiftungsprofessur fuer Internationalen Naturschutz beim Stifterverband der Deutschen Wissenschaft in Essen

    1996 Errichtung und Durchsetzung des Diplomstudienganges Landschaftsoekologie und Naturschutz

    1997 Reise an die Muendung der Lena zur Errichtung von zwei Weltnaturerbegebieten

    1997 Reise an die Pripjetsuempfe in Weissrussland zu deren Rettung als Weltnaturerbe

    wofuer er folgende Auszeichnungen erhielt:

    1990 Lina Haehnle Medaille des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)

    1991 Hans Klose-Preis der Stiftung F. v. S. in Hamburg

    1992 Bruno H. Schubert-Preis in der Paulskirche in Frankfurt/Main

    1992 Binding-Preis fuer Umweltschutz in Vaduz

    1. 10. 1997 Right Livelihood Award in Stockholm, uebergabe im Dez. 1997

    Die Right Livelihood Award Foundation wurde 1980 von Jakob v. Uexkuell gegruendet. Der Deutsch-Baltisch-Schwedisch Briefmarkenliebhaber finanzierte sie nach dem Verkauf seiner wertvollen Briefmarkensammlung. Alfred Nobel wollte die Arbeiten ehren, die der Menschheit den groessten Nutzen bringen. Jakob von Uexkuell weiss, dass damit viel nicht erfasst ist und stiftete diesen Preis fuer Wirken von Menschen, die praktische und beispielhafte Antworten auf die uns am meisten bedraengenden Fragen zu geben versuchen.

    Greifswald, Mongolei, Kasachstan, Kyrgisien, Kamtschatka, Karelien, Lenamuendung, Tuerkei, Unteres Odertal, Elbenaturschutzpark, Ruegen, Pripjet, Polen, Ukraine, Slowakei - Michael Succow hat bereits Wunderbares bewirkt und wird hoffentlich noch viel tun und viele Antworten geben duerfen.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Informationstechnik, Meer / Klima, Politik, Psychologie, Recht, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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