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28.05.2008 10:41

Konzert- und Vortragsreihe "Physiologie des Klaviers" am MPIWG beendet zweite Saison

Dr. des. Hansjakob Ziemer Kooperationen und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte

    Am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte wird der Zusammenhang von menschlichem Körper, Technologie, Sinneswahrnehmung und Ästhetik anhand der Geschichte des Klavierspiels erforscht.

    Seit 2006 befassen sich Wissenschaftshistoriker, Künstler, Musikwissenschaftler, Biologie- und Physiologiehistoriker am MPIWG mit der Frage, wie und warum das Klavierspiel zu einem Paradigma für die Erforschung des Menschen geworden ist. Ausgangspunkt dieser innovativen Reihe von Konzerten, Gesprächen und Vorträgen ist die Erfolgsgeschichte des Hammerklaviers bzw. Pianofortes. Das Klavier, das die Konzertsäle ebenso eroberte wie den bürgerlichen Salon und die Unterrichtszimmer der Konservatorien, machte auch vor den Laboratorien nicht Halt: Die Physiologie, die im Laufe des 19. Jahrhunderts zum Vorbild für eine experimentelle Erforschung von Lebenszusammenhängen geworden war, fragte auch nach der Funktionsweise des menschlichen Körpers, der Klavier spielt, sie untersuchte den Stoffwechsel von Pianisten beim Spiel von Tonleitern und Etüden, prüfte die Beweglichkeit der Finger und stellt Messungen über die Sensibilität des Anschlags an. Die eigentümliche Konstellation von Mensch, Instrument und Klang im Klavierspiel rief eine unglaubliche Produktion von Wissen, körperlichen und technologischen Fähigkeiten und nicht zuletzt hinreißender Musik hervor, die bis heute anhält und vielerorts Anlaß für Laborstudien von Musikmedizinern, Neurologen oder Kognitionsforschern geblieben ist.

    Nach einer Folge von acht Vorträgen in der Saison 2006/2007 zu historischen Problemstellungen aus vier Jahrhunderten, worin Pianisten wie Robert Hill, Markus Hinterhäuser oder Nicolas Hodges teilnahmen, fanden in der Saison 2007/2008 bislang vier Veranstaltungen statt: Hans-Jörg Rheinberger (Direktor des MPIWG und Wissenschaftshistoriker) und Joseph Vogl (Germanist an der HU-Berlin) diskutierten mit dem Komponisten Bernhard Lang und der Pianistin Heather O'Donnell über Differenz und Wiederholung in der Musik und im Experiment; der Direktor des Staatlichen Instituts für Musikforschung Thomas Ertelt sprach mit dem Komponist Bernhard Gál und der Pianistin Xenia Hu über die räumliche Dimension des Klavierklangs; der Musikwissenschaftler Martin Zenck (Univ. Würzburg) und die Cembalistin Natalia Solotych stellten gemeinsam die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach in den Kontext der Geschmacksästhetik des 18. Jahrhunderts, und die Komponisten Sebastian Claren und Enno Poppe loteten unterstützt von dem Pianisten und Keyboarder Ernst Surberg die motorischen Grenzen des Klavierspiels aus.

    Die Reihe geht in dieser Saison mit einem Abend über elektroakustische Klaviermusik zu Ende. Die elektroakustische Musik stand - seit ihrem Entstehen in den 1950er Jahren - stets in engem Kontakt mit der Hörforschung, der Phonetik und der Entwicklung neuer akustischer Medientechnologien. Für die Koppelung von Instrument, Körper und Klang im Klavierspiel, die im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe steht, wirft dies eine Reihe von interessanten Fragen auf: Pianist und Komponist werden mit Klangschichten konfrontiert, die über eigene Klangeigenschaften, Speicherfunktionen, Reaktionsmechanismen verfügen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die aus dieser Konfrontation hervorgehen, wirken ihrerseits zurück auf den Umgang mit dem Instrument, wie dies an diesem Abend vorgeführt werden wird. Der Pianist Florian Hoelscher, der auch das Eröffnungskonzert der Reihe im Oktober 2006 gespielt und moderiert hatte und zur Zeit als "Pianist in Residence" am MPIWG arbeitet, wird gemeinsam mit den Komponisten Oliver Schneller und Marco Stroppa am 11.6.2008 um 19.00 Uhr im MPIWG über diese Fragen diskutieren und dazu deren eigene Kompositionen sowie Werke von Luigi Nono und Jonathan Harvey aufführen.

    Die Reihe wird 2009 fortgesetzt.

    Verantwortlich für die Konzeption und Organisation der Reihe:

    Dr. Julia Kursell
    Research Scholar
    Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin
    Boltzmannstr. 22
    14195 Berlin
    Tel. (+4930) 22667 240
    Fax. (+4930) 22667 299
    e-mail: kursell@mpiwg-berlin.mpg.de


    Weitere Informationen:

    http://www.mpiwg-berlin.mpg.de/en/staff/stafflist/members/kursell - Zu Dr. Julia Kursell
    http://vlp.mpiwg-berlin.mpg.de/exp/kursell/concerts.html - zu der Konzertserie insgesamt
    http://www.mpiwg-berlin.mpg.de/de/institut/events.html - zum Abschlusskonzert 2007/08


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Geschichte / Archäologie, Informationstechnik, Kunst / Design, Medizin, Musik / Theater, Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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