idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
06.06.2008 12:45

Wann kann einem Menschen das erste Schweineherz transplantiert werden? Bericht vom 11. Minisymposium Xenotransplantation

Susanne Glasmacher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

    Die Übertragung von Zellen und Organen von Tieren auf den Menschen, die Xeno-transplantation, soll helfen, den Mangel an Spenderorganen zu beheben. Die jüngsten Fortschritte auf diesem Weg diskutierten Experten am 6. Juni 2008 im Robert Koch-Institut auf einer Tagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation und der Deutschen Transplantationsgesellschaft. "Die Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen, dass die neue Technologie einmal eine wichtige Rolle spielen könnte, um mehr kranken Menschen mit Transplantationsbedarf zu helfen", sagte Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts, bei der Eröffnung des Treffens. "Aber die Übertragung krankmachender Erreger vom Tier auf den Menschen muss verhindert werden" unterstreicht Hacker.

    Schweine sind wegen ihres Stoffwechsels, der dem des Menschen ähnelt, die favorisierten Spendertiere. Um die Abstoßungsreaktionen zu verringern wurden in den vergangenen Jahren weltweit eine Reihe von gentechnisch veränderten Tiere gezüchtet und stetig verbessert. Die Tiere tragen auf ihren Zellen menschliche Immunregulatoren, das sind Eiweiße, die die Immunantwort beeinflussen. In zwei Forschungseinrichtungen in Deutschland, in Mariensee und in München, wurden sogar Tiere gewonnen, die mehrere dieser menschlichen Regulatoren gleichzeitig tragen.

    Im Robert Koch Institut forscht Joachim Denner zur Virussicherheit der Xenotrans-plantation. Zusammen mit Heiner Niemann vom Friedrich-Loeffler-Institut in Mariensee hat er gentechnisch veränderte Schweine gezüchtet, die keine so genannten porcinen endogenen Retroviren (PERV) freisetzen. PERV stellen ein besonderes Risiko für die Xenotransplantation dar, da sie im Erbgut aller Schweine vorhanden sind und menschliche Zellen infizieren können. Die Forscher wollen nun Schweine züchten, die menschliche Immunregulatoren tragen und gleichzeitig "PERV-sicher" sind.

    Fortschritte gab es weltweit auch bei der Entwicklung von neuen Behandlungsmethoden für Diabetes durch Insulin produzierende Inselzellen des Schweins. Pierre Gianello von der Katholischen Universität Brüssel berichtete in Berlin, dass er diabetische Affen durch die Transplantation Schweine-Inselzellen bis zu einer Dauer von sechs Monaten erfolgreich behandelte, ohne dass das Immunsystem der Affen unterdrückt werden musste. Ein neuseeländisches Unternehmen führt bereits Studien mit Inselzellen des Schweins beim Menschen durch.

    Die Transplantation eines Schweineherzens in einen Menschen hat Bruno Reichart vom Klinikum Großhadern im Blick. Reichart ist Sprecher der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Transregio-Forschergruppe Xenotransplanation. Voraussichtlich 2009 soll das Verfahren bei Affen erprobt werden. In den USA gab es 2006 erste Übertragungen von Schweineherzen auf Paviane mit beachtlichen Überlebenszeiten. Studien mit Menschen werden dort für das Jahr 2010 erwartet.

    Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation wird von Joachim Denner (RKI) und Ralf Tönjes (Paul-Ehrlich-Institut) geleitet. Dort arbeiten Transplantationsmediziner, Immunologen, Mikrobiologen, Virologen, Ethiker, Juristen und Vertreter von Zulassungsbehörden. Das DAX-Minisymposium findet zum elften Mal statt.

    Weitere Informationen: www.rki.de > Gesundheit A-Z > Xenotransplantation

    ***************************

    Herausgeber
    Robert Koch-Institut
    Nordufer 20
    D-13353 Berlin
    www.rki.de

    Das Robert Koch-Institut ist
    ein Bundesinstitut im
    Geschäftsbereich des
    Bundesministeriums für Gesundheit

    Pressestelle
    Susanne Glasmacher
    (Pressesprecherin)
    Günther Dettweiler
    (stellv. Pressesprecher)
    Claudia Eitner
    Heidi Golisch

    Kontakt
    Tel.: 030.18754-2239, -2562 und -2286
    Fax: 030.18754 2265
    E-Mail: presse@rki.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).