Die beiden Jenaer Biologen Dr. Margit Leitner und Dr. Jianqiang Wu werden in diesem Jahr mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft zusammen mit sieben weiteren Preisträgern aus dem Bereich Biologie/Medizin ausgezeichnet. Die Verleihung der Medaille erfolgt am 25. Juni 2008 im Rahmen der Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft im Kongresszentrum Dresden durch ihren Vizepräsidenten Prof. Herbert Jäckle. Der Preis ist mit 5000,- Euro dotiert und benannt nach dem berühmten Physiker Otto Hahn, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft von 1946 bis 1960. Die beiden Wissenschaftler führten ihre Arbeiten im Jenaer Max-Planck-Institut für chemische Ökologie durch.
Die Preisträger und ihre ausgezeichnete Forschung
Die Österreicherin Margit Leitner und Jianqiang Wu (China) waren Doktoranden am Jenaer Max-Planck-Institut für chemische Ökologie. Jianqiang Wu leitet inzwischen eine eigene Arbeitsgruppe in der Abteilung Molekulare Ökologie des Instituts. Margit Leitner hat Deutschland in Richtung Italien verlassen, um an der Universität Verona Forschungen zur Rolle der Signalwirkung von Stickoxiden durchzuführen.
Margit Leitner aus der Gruppe um Privatdozent Dr. Axel Mithöfer (Abteilung Bioorganische Chemie, Prof. W. Boland) erhält die Medaille für ihre Analysen von Geruchsmustern der mediterranen Leguminose Medicago truncatula. Die Pflanze kommuniziert durch Duftstoffe mit anderen nützlichen, aber auch schädlichen Organismen. Sie muss die Duftabgabe also so geschickt steuern, dass sie nicht "versehentlich" die falschen, also pathogene Mikroorganismen oder Fraßfeinde, zu sich einlädt. Bislang waren Duftstoffanalysen an Medicago truncatula nicht durchgeführt worden; Frau Leitners detaillierte Arbeiten haben zu neuen Erkenntnissen geführt. Große internationale Beachtung fanden ihre Untersuchungen zur Bildung flüchtiger Stoffe in Reaktion auf die Mykorrhizierung, einer für viele Pflanzen lebensnotwendigen Vergesellschaftung von Wurzeln mit Bodenpilzen.
Jianqiang Wu aus der Abteilung Molekulare Ökologie (Prof. I. T. Baldwin) hat sich in seiner Doktorarbeit den natürlichen Abwehrmechanismen von Tabakpflanzen nach Insektenbefall gewidmet. Im Mittelpunkt seiner Experimente standen so genannte MAP-Kinasen - molekulare Schalter, die über mehrere Reaktionskaskaden hinweg den Hormonhaushalt in Pflanzen steuern. Pflanzenhormone wie Jasmonat und Ethylen sind wesentliche Signalstoffe zum Auslösen von Abwehrreaktionen der Pflanze gegen Fraßfeinde. Jianqiang Wu fand heraus, dass kleine Moleküle (Verknüpfungen bestimmter Fett- und Aminosäuren), die sich im Speichel von pflanzenfressenden Raupen befinden, die Auslöser der Signalkaskaden im Blatt sind: Sie erhöhen die Aktivität der MAP-Kinasen innerhalb kürzester Zeit. Schon fünf Minuten nach dem ersten Biss der Raupe breitet sich eine "Aktivierungswelle" im befallenen Blatt aus, was nur durch das Vorhandensein eines noch unbekannten, sich schnell bewegenden Signals innerhalb des Blattgewebes erklärt werden kann. Jianqiang Wu forscht aktuell nach dem Transmitter zwischen Raupenspeichel und MAP-Kinasen: Ist der große Unbekannte ein Stoff oder handelt es sich vielleicht um ein elektrisches Signal?
Otto-Hahn-Medaille
Mit der Verleihung der Otto-Hahn-Medaille werden besonders begabte Nachwuchswissenschaftler zu einer Forscherkarriere motiviert. Seit 1978 zeichnet die Max-Planck-Gesellschaft jedes Jahr maximal 40 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre herausragenden Leistungen mit der Medaille aus. Sie ist mit 5000,- EURO dotiert.
Nachwuchsförderung in der Max-Planck-Gesellschaft
Zurzeit bildet die Max-Planck Gesellschaft in ihren 78 Instituten bundesweit rund 5400 Nachwuchswissenschaftler aus, 80 % davon sind Doktoranden. Mittlerweile verfügt die Gesellschaft über 49 "International Max Planck Research Schools - IMPRS", in denen immer mehr Doktoranden immatrikuliert sind.
Das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie
Chemische Ökologie ist eine junge Disziplin der Biologie. Wechselwirkungen, schädliche wie nützliche, werden durch chemische Signale zwischen Lebewesen vermittelt. Das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie erforscht die Struktur und Funktion der Moleküle, die das Wechselspiel zwischen Pflanzen, Insekten und Mikroben steuern, und erzielt Erkenntnisse über Wachstum, Entwicklung, Verhalten und Ko-Evolution pflanzlicher und tierischer Arten. Ergebnisse dieser biologischen Grundlagenforschung werden für Naturstoffanalysen, moderne Umweltforschung und zeitgemäße Agrikulturverfahren genutzt. Das Institut verfügt über Forschungsgewächshäuser, Klimakammern, Insektenzuchtanlagen, Geruchsdetektionssysteme, Windtunnel, neurophysiologische Analyseverfahren und Freilandstationen. [JWK]
Weitere Informationen zu den Preisträgern
Priv. Doz. Dr. Axel Mithöfer, MPI chemische Ökologie, Hans-Knöll-Straße 8, 07745 Jena; Tel.: 03641 - 57 1263, amithoefer@ice.mpg.de
Prof. Ian T. Baldwin, MPI chemische Ökologie, Hans-Knöll-Straße 8, 07745 Jena; Tel.: 03641 - 57 1100, baldwin@ice.mpg.de
Weiteres Bildmaterial zum Thema
Angela Overmeyer M.A., MPI chemische Ökologie, Hans-Knöll-Straße 8, 07745 Jena; Tel.: 03641 - 57 2110, overmeyer@ice.mpg.de
http://www.ice.mpg.de - Informationen über das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie
Dr. Margit Leitner
Quelle: Foto: Privat
Dr. Jianqiang Wu
Quelle: Foto: MPI chemische Ökologie
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Informationstechnik, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
regional
Personalia
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).