NRW-Gesundheitscampus darf nicht an gewachsenen und erfolgreichen Gesundheitsstrukturen vorbei geplant werden

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09.07.2008 13:30

NRW-Gesundheitscampus darf nicht an gewachsenen und erfolgreichen Gesundheitsstrukturen vorbei geplant werden

Torsten Schaletzke Pressestelle
Universität Bielefeld

    Vertreter aus Ostwestfalen-Lippe beanspruchen aktive Mitwirkung am geplanten Kompetenzzentrum Gesundheit und fordern Landesregierung zum Gespräch auf

    Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) plant, im Ruhrgebiet einen "Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen" neu zu gründen. Während seines Besuchs am heutigen Mittwoch in Bielefeld wurde Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers eine ausführliche Stellungnahme überreicht. Spitzenvertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) fordern ihn darin zum Gespräch auf, sie beanspruchen eine aktive Mitwirkung an dem neu entstehenden Kompetenzzentrum Gesundheit. Dieser neue Gesundheitscampus dürfe nicht an den gewachsenen, bereits bestehenden Strukturen und ihren anerkannten Kompetenzen vorbei geplant werden, hieß es.

    In der Stellungnahme wird die Förderung des Gesundheitssektors sowie seiner Qualifizierungsstrukturen grundsätzlich begrüßt. Eine Konzentration auf einen Gesundheitscampus im Ruhrgebiet sei jedoch nicht zielführend: "Die Zentralisierung auf einem Gesundheitscampus konterkariert die seit zwei Jahren erfolgreiche Strategie des Landes, die Stärken der nordrhein-westfälischen Gesundheitswirtschaft in den Gesundheitsregionen des Landes weiter zu entwickeln und damit den Gesundheitsstandort NRW insgesamt zu profilieren."

    Die OWL-Vertreter sehen in der Vielseitigkeit der bereits bestehenden fünf Gesundheitsregionen (Ostwestfalen-Lippe, Ruhrgebiet, Münster, Aachen und Köln/Bonn) mit ihren jeweiligen Schwerpunkten eine wesentliche Grundlage in der erfolgreichen Profilierung des Landes NRW auf dem Gesundheitssektor: "Die Erfolge dieser Strategie basieren im Wesentlichen auf der Beteiligung und der aktiven Mitarbeit der regionalen Innovationsträger der Gesundheitswirtschaft in den NRW-Gesundheitsregionen." In Ostwestfalen-Lippe gebe es zudem seit neun Jahren ein vitales Netzwerk der Industrieunternehmen, der Gesundheitsdienstleister und der Wissenschaft und Forschung. Zu diesem Verbund zählen neben dem Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft (ZIG), auch das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA). Intensive Kooperationen wurden zwischen der Universität, den Bielefelder Fachhochschulen und den großen Gesundheitsdienstleistern der Region aufgebaut. Die v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel und das Ev. Johanneswerk in Bielefeld gehören dazu sowie viele weitere Kliniken und Krankenhäuser. Gemeinsam tragen sie zu den Entwicklungsschwerpunkten bei, auf denen die Region OWL erfolgreich aktiv ist: Moderne Versorgung, Rehabilitation und Prävention, Telemedizin, Dienstleistungen rund um das Wohnen sowie gesundheitsbezogene Wissenschaft und Forschung und Aus- und Weiterbildung.

    Daher gefährde auch die durch die Landesregierung geplante vollständige Verlagerung des LIGA in das Ruhrgebiet die Erfolge dieses Verbundes, so die Unterzeichner der Stellungnahme. Sie bieten vielmehr die aktive Mitarbeit an einer zukunftsorientierten Lösung an: "Vor diesem Hintergrund ist die Region OWL an einer zukunftsorientierten Lösung interessiert, die eine Sicherung, Stärkung und den Ausbau der bestehenden Strukturen fokussiert." So möchte man sich in OWL auch an der durch das Land NRW geplanten Fachhochschule für die Gesundheitsberufe beteiligen: "Die in Ostwestfalen-Lippe angesiedelten Universitäten und Fachhochschulen bieten eine bundesweit einzigartige und hervorragende Ausbildungs- und Weiterbildungslandschaft für die Gesundheitsberufe. Damit liegt das Profil, das mit einer neuen Fachhochschule im Gesundheitscampus Ruhrgebiet erst aufgebaut werden soll, in einer regional vernetzten Struktur bereits vor. Zur Idee einer Fachhochschule für die Gesundheitsberufe können die Akteure in OWL, zum Beispiel in einer arbeitsteiligen Angebotsentwicklung und Leistungserbringung, substantielle Beiträge liefern."

    Aufgebaut werden sollte nach Ansicht der OWL-Vertreter eine Struktur, die sich auf die Kooperation der NRW-Gesundheitsregionen stützt: Es muss "sichergestellt werden, dass die Erfahrungen und Kompetenzen der beiden am weitesten entwickelten Einrichtungen, beispielsweise der MedeconRuhr in Bochum und des ZIG in Bielefeld, einbezogen werden. Das Innovationsnetzwerk des ZIG hat in den letzten Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass die Gesundheitswirtschaft NRW bundesweit ein Gesicht hat und sein Gewicht einbringen kann."

    Die Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft der Gesundheitsregion OWL sehen es als unbedingte Notwendigkeit an, die bislang gut entwickelte Zusammenarbeit zwischen Land und Region zu intensivieren. Sie schlagen in ihrer Stellungnahme ein kurzfristig zu führendes Gespräch zwischen Vertretern der Region und der Landesregierung vor. Geklärt werden sollte, wie die Region OWL an der Förderung von Qualifizierungsstrukturen in den Gesundheitsberufen beteiligt und wie der Ausbau der Forschungs- und Transferstrukturen zwischen Wissenschaft und Praxis unterstützt werden kann. "Wir wollen unsere Erfahrungen und unser Engagement für eine innovative Gesundheitswirtschaft und eine zukunftsweisende Gestaltung der Gesundheitsversorgung in ein landesweit ausgerichtetes Kompetenzzentrum einbringen", bekräftigen die OWL-Vertreter in ihrer Stellungnahme.

    Die Stellungnahme wurde unterzeichnet von:

    Prof. Dr. Dieter Timmermann
    Rektor, Universität Bielefeld

    sowie:

    Prof. Dr. Anke Fesenfeld
    Lehrstuhl für Pflegewissenschaften, Fachhochschule der Diakonie

    Thomas Niehoff
    Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld

    Martina Helmcke
    Geschäftsführerin, Initiative für Beschäftigung OWL

    Prof. Dr. Claudia Hornberg
    Dekanin, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld

    Prof. Dr. Beate Rennen-Allhoff
    Rektorin, Fachhochschule Bielefeld

    Prof. Dr. Martin Sauer
    Rektor, Fachhochschule der Diakonie

    Prof. Dr. Doris Schaeffer
    Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Institut für Pflegewissenschaft, Universität Bielefeld

    Peter Schwarze
    Vorstandsvorsitzender, ZIG - Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL (Verein zur Förderung von Innovationen in der Gesundheitswirtschaft OWL e.V.)

    Wolfgang Smode
    Geschäftsführer, WEGE mbH, Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld

    Herbert Sommer
    Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, OstWestfalenLippe Marketing e.V.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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