Münster (ukm/sh). Als Stephan Doering vor einigen Jahren den Film "Verhängnisvolle Affäre" angeschaut hat, machte es plötzlich "Klick" bei ihm. Bis dahin stand der Professor und Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie vor einem Problem, das nicht zu lösen schien: Er wollte seinen Studenten möglichst authentisch zeigen, wie sich Patienten verhalten. Aber selbstverständlich offenbart kein Patienten während einer Vorlesung alle Nuancen seiner Persönlichkeitsstörung. "Glenn Close in der Rolle der stalkenden Geliebten zeigt aber genau das in der "Verhängnisvolle Affäre" so eindrücklich und authentisch, dass mir sofort klar war: Ab sofort empfehle ich meinen Studenten regelmäßige Kinobesuche", erzählt Doering. Eine Empfehlung, die diese gerne beachten. Seither gehört der Aufruf, das Lehrbuch auch mal gegen den Kinosessel einzutauschen, zum täglichen Lehrgeschäft des Professors für Psychosomatik in der Zahnheilkunde am Universitätsklinikum Münster (UKM).
Doering, der vor diesem Schlüsselerlebnis kein Cineast war, kennt mittlerweile zahlreiche Filme. Gemeinsam mit der Psychologieprofessorin Heidi Möller hat er nun ein Buch herausgegeben: "Frankenstein und Belle de Jour" heißt das Werk, in dem insgesamt 37 Autorinnen und Autoren Filmcharaktere nach dem weltweit geltenden Diagnose-Katalog für psychische Erkrankungen (ICD-10) analysieren. "Die Tatsache, dass dieses Buch eines der ganz wenigen ist, bei dem 37 Autorinnen und Autoren ihre Manuskripte so zeitgerecht ablieferten, dass der mit dem Verlag vereinbarte Termin eingehalten werden konnte, spricht für die Leidenschaft und die Freude, die alle beim Filmeschauen und Schreiben beflügelt haben dürfte", betonen die Herausgeber.
Die Nähe zwischen der Seelenheilkunde und dem Kino sei im Grunde wenig überraschend, erzählt Doering. Das Normale, der psychisch allzu gesunde Mensch wird im Psychotherapeutenslang gerne auch als "Normopath" bezeichnet - und der findet sich selten auf der Kinoleinwand. Häufig dagegen werden Menschen gezeigt, die schwierig, psychisch belastet oder krank sind. "Gerade die Verzweiflung, die Leidenschaft und die Intensität, die das Leben und das Leiden dieser Menschen auszeichnen, faszinieren uns", erklärt Doering.
Für das Buch wurde darauf geachtet, dass keine Filme besprochen wurden, die mit Vereinfachungen oder Schwarz-Weiß-Malereien arbeiten. Auch auf den Ausgang des Films, etwa auf unrealistische Krankheitsverläufe wie in "Besser geht's nicht" mit Jack Nicholson, hat das Herausgeber-Duo geachtet. Nicholson wird nach Hollywood-Art von seiner Persönlichkeitsstörung durch die "Liebe" von einer Kellnerin geheilt. "So einfach geht's dann eben doch nicht", urteilt Doering. Viele der Hollywood-Filmemacher wählen aber auch nicht den einfachen Weg. Im Gegenteil: Doering war überrascht, wie gut manche Hollywood-Filme diesbezüglich gemacht sind. "Ich weiß mittlerweile, dass die Studiobosse ganze Beraterstäbe aus Psychiatern und Psychologen beschäftigen, um ihre "gestörten" Heldinnen und Helden möglichst realistisch erscheinen zu lassen", erzählt Doering.
In "Frankenstein und Belle de Jour" werden zahlreiche Filme besprochen, darunter "Trainspotting", "Iris", "Die Caine war ihr Schicksal", "Capote", "Sex, Lügen und Videos" - insgesamt 30 Filme werden in dem Buch analysiert oder literarisch aufgearbeitet. Ausdrücklich wollen die Herausgeber ihr Buch nicht als eines nur für Fachpublikum verstanden wissen: "Unser Buch spricht prinzipiell jeden an."
Für die Psychosomatik in der Zahnheilkunde empfiehlt Doering seinen Studenten übrigens den Schmachtschinken "Pretty Woman" mit Julia Roberts in der weiblichen Hauptrolle. In dem unterhalten sich am Ende des Films zwei Prostituierte. "Du hast Dich verliebt", wirft die eine der anderen vor. Die jedoch verneint. "Doch", insistiert die erste, "Du hast ihn auf den Mund geküsst." Für Doering ein klarer Fall: "Die Mundhöhle ist für uns oft viel intimer als Genitalregionen. Und das muss meinen Studenten klar sein." - Es gibt unansehnlichere Co-Coaches für Uniprofessoren als Julia Roberts...
Stepahn Doering, Heidi Möller (Hrsg): "Frankenstein und Belle de Jour, 30 Filmcharaktere und ihre psychischen Störungen"
Springer Verlag
ISBN 978-3-540-76879-1
Unterrichtet Zahnmedizinstudenten in Psychosomatik auf unkonventionelle Weise: Prof. Dr. Stepahn Doe ...
Quelle: ukm
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
überregional
Studium und Lehre, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

Unterrichtet Zahnmedizinstudenten in Psychosomatik auf unkonventionelle Weise: Prof. Dr. Stepahn Doe ...
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