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07.05.1998 00:00

Tutorenprogramm für Israeli Jugend

Tal Eizman Publications and Media Relations Department
Weizmann Institut

    Presseanfragen richten Sie bitte an Luba Vikhanski, Tel. 972 8 934 3855 E-mail rrluba@wis.weizmann.ac.il

    SONDERBEITRAG DES WEIZMANN-INSTITUTS

    ISRAELS BLUMENKINDER: LANDESWEITES TUTORENPROGRAMM LAESST BENACHTEILIGTE JUGENDLICHE AUFBLUEHEN

    Von Nofit Milstein

    Rehovot, Israel. 3. Mai 1998 -- Man nehme: eine Reihe vergnuegungshungriger israelischer Studienanfaenger und einen zwoelfjaehrigen, frischgebackenen Neueinwanderer aus Russland, ein benachteiligtes Kind, dessen Vater im Gefaengnis sitzt, ein aethiopisches Einwanderermaedchen, das in einem ueberbelegten, heruntergekommenen Containerhaus wohnt und das noch nie im Kino oder im Freibad war. Man ordne sie paarweise und gebe ihnen ein Jahr lang zwei gemeinsame Nachmittage in der Woche. Sie erhalten: echte Freundschaften und jede Menge kleiner und grosser Gluecksfaelle.

    So liesse sich das Rezept fuer Israels landesweites Tutorenprogramm PERACH (Hebraeisch "Blume", das Wort ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben des offiziellen Projektnamens) beschreiben, einem der groessten Tutorenprogramme der Welt.

    Bei der jaehrlichen Zeremonie zur Ehrung herausragender PERACH-Tutoren erhielten kuerzlich zwoelf Studenten die Gelegenheit, ihre Dankbarkeit fuer die Teilnahme an dem Projekt auszudruecken. Sollte es eigentlich nicht umgekehrt sein?

    Die Studenten waren fuer ihren aussergewoehnlichen Einfluss auf das Leben ihrer jungen Schuetzlinge ausgewaehlt worden und beschrieben ihre Erfahrungen. Gegruendet wurde das Projekt vor 20 Jahren von Prof. Haim Harari, der damalige Dekan der Feinberg Graduate School des Weizmann-Instituts und heute Praesident des Instituts und Vorsitzender des Verwaltungsrates von PERACH. Studenten erhalten aus privaten und oeffentlichen Fonds ein Stipendium ueber maximal 50 Prozent der Studiengebuehr. Als Gegenleistung verschreiben sie sich der guten Sache von PERACH und bewahren Kinder in Problemsituationen vor echten sozialen Notlagen.

    "Universitaetsstudenten haben ein Einflusspotential auf diese Kinder. Nachdem wir das erkannt hatten, entwickelten wir ein intensives Tutorenprogramm mit zwei woechentlichen Zusammenkuenften", sagt Amos Carmeli, der Landesleiter des Programms. Doch wie die zwoelf Studenten gerne bestaetigen sind die zwei Nachmittage nur der Rahmen. Zwischen Schuetzling und Betreuer herrscht schon bald eine tiefe, echte Verbindung.

    Nehmen wir zum Beispiel Gadiel Daltorf, Student mit Hauptfach Geographie, der einst selbst einen PERACH-Tutor hatte. Fast taeglich betreute er Sergei, ein zwoelfjaehriges Einwandererkind aus Russland, Sohn einer alleinerziehenden Mutter. Daltorf wurde bald zu Sergeis grossem Bruder. Und was tun grosse Brueder, wenn der Vater nicht da ist? Daltorf brachte Sergei das Radfahren bei, machte mit ihm Ausfluege und manchmal hingen sie auch nur einfach so zusammen rum. "Bei jedem Treffen", sagt er, "war das Hauptziel, Sergei zu einem Laecheln zu bewegen." Dieses Ziel hat er erreicht.

    Eine andere der zwoelf Preistraeger, Beli Geva-Batiska, erhielt den Schuetzling Meir. Sein Dilemma: Er hatte das Unglueck, seinem Vater aehnlich zu sehen. Meirs Mutter vernachlaessigte ihren Sohn, weil sie die schmerzliche Erinnerung an ihren Ex-Ehemann schlicht nicht ertragen konnte.

    Meir wurde ein haeufiger Gast im Haus der Familie Geva-Batiska. Dort erlebte er erstmals den Umgang in einer stabilen, liebevollen, sicheren Umgebung. Der Halbwuechsige lernte, dass er gemocht wurde als die Person, die er ist, ohne Bedingungen und Vorbelastungen. Die junge Studentin gab ihm etwas von sich und erhielt es hundertfach zurueck.

    Genau darum geht es bei PERACH.

    Ayelet Arkin, die ein aethiopisches Maedchen betreute, drueckte es so aus: "Ich verliebte mich in sie in dem Augenblick, als sie das erste Mal meine Hand nahm. PERACH hat mir etwas besonders gegeben. Es bringt Licht in das Leben von Kindern, die sonst nicht wissen, zu wem sie aufschauen sollen."

    Beweis fuer den erstaunlichen Erfolg des Projekts sind auch die andauernden, zahlreichen Anfragen von Eltern und Lehrern, die ihre Kinder gern im Projekt unterbringen moechten. Obwohl das Programm, das seinen Sitz im Kugler-PERACH-Verwaltungsbau auf dem Campus des Weizmann-Instituts hat, in ganz Israel 45.000 Kinder und Jugendliche betreut, koennen nicht alle Antraege erfuellt werden. In einer Umfrage letztes Jahr antworteten 95 Prozent der befragten Beratungslehrer an Schulen, dass "die meisten Kinder von der Betreuung profitiert haben."

    PERACH ist jedoch nicht nur ein Programm zum Wohlfuehlen. Die Ergebnisse sind messbar. Meirs Lehrer, der ihn einst wegen seines aggressiven Verhaltens von Schulausfluegen ausschloss, sagt heute: "Meir geht auf andere Kinder ein und spielt mit ihnen in der Pause." Meir leidet auch nicht mehr unter mangelnder Aufmerksamkeit im Unterricht. "Er ist motiviert, seine Noten sind besser geworden." Das heisst, er hat eine Eins in Mathematik und eine Zwei in Thora - zwei schwierige Faecher.

    Am wichtigsten ist vielleicht die positive Wirkung auf das Selbstbewusstsein des Kindes und des Betreuers. Gadiel Daltorf sagt es so: "Als ich hoerte, wie Sergei, der frueher fast nie den Mund aufmachte, bei einem Fussballspiel im Viertel seine Mannschaftskameraden anschrie, sie sollten besser schiessen, wusste ich, dass er auf dem richtigen Weg war."

    Die Feier war durchdrungen von einer Atmosphaere der Erfuellung und Dankbarkeit - auf beiden Seiten. Die Tutoren von PERACH druecken ihre Gefuehle am besten selbst aus: "Ich habe meine Gratifikation laengst erhalten." "Ich weiss nicht, warum so viel Aufhebens von dem gemacht wird, was ich getan habe. Der Junge hat alles selbst getan. Er hat mir so viel gegeben."

    PERACH wird von folgenden Stiftungen unterstuetzt: Clore-Stiftung (Grossbritannien), Delek-Stiftung fuer Wissenschaft, Bildung und Kultur (Israel), Abraham-und-Sonia-Rochlin-Stiftung (Reno, Nevada), Suedafrikanische Zionistischen Foederation (Israel) und Yad-Avi-Ha-Yishuv-Stiftung (Israel).

    Das Weizmann-Institut ist ein bedeutendes Zentrum fuer wissenschaftliche Forschung und Hochschulstudien in Rehovot, Israel. Die 2400 Wissenschaftler, Studenten und anderen Mitarbeiter des Instituts betreiben ueber 1000 Forschungsprojekte, die das gesamte Spektrum der heutigen Wissenschaft abdecken.


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