Berlin - Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist hierzulande die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen. Etwa 4,5 Millionen Deutsche leiden an der Netzhauterkrankung. Betroffene sehen im Bildzentrum einen dunklen Fleck und können Gesichter nicht mehr erkennen. Bei der Behandlung sollen neben neuen Medikamenten jetzt auch Technologien aus der Molekularbiologie zum Einsatz kommen. Gene, die eine AMD verursachen, lassen sich damit gezielt ausschalten.
Die AMD-Therapie ist ein zentraler Themenschwerpunkt auf dem 106. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).
Bei der AMD nimmt die Stelle des schärfsten Sehens - die Makula - Schaden. Die Krankheit tritt in zwei Formen auf: der "trockenen" und der "feuchten" Variante. "Bei einer feuchten AMD bilden sich Blutgefäße in der Makula und wuchern in das Gewebe hinein. Sie sondern Flüssigkeit in die Netzhaut ab und zerstören so die Sinneszellen", erklärt Professor Frank G. Holz, Präsident der DOG. Ursache für die Bildung der Blutgefäße ist ein Eiweiß mit der Abkürzung VEGF (vascular endothelial growth factor). Derzeit erhalten Patienten mit feuchter AMD vor allem Medikamente, die den Stoff unwirksam machen. Sie binden ihn an sich und verhindern so ein weiteres Wachstum der Blutgefäße.
Ein neuer Therapieansatz zielt darauf ab, dass VEGF gar nicht erst gebildet wird. Zum Tragen kommt hier die sogenannte RNA-Interferenz. "Dabei handelt es sich um ein molekularbiologisches Verfahren, mit dem sich einzelne Gene gezielt 'stumm schalten' lassen. Bei der AMD geht es darum, das Gen außer Gefecht zu setzen, das für die Bildung von VEGF verantwortlich ist", erläutert Holz im Vorfeld des DOG-Kongresses. "Inwieweit dieser spannende neue Ansatz bei Patienten funktioniert, wird derzeit noch untersucht."
Während für die feuchte AMD bereits verschiedene Medikamente zur Verfügung stehen, ist für die trockene Form, von der noch mehr Menschen betroffen sind, bislang noch kein wirksames Präparat auf dem Markt. Eine Verbesserung des Krankheitsbildes versprechen sich die Ärzte allerdings von dem Wirkstoff Fenretinide, der sich derzeit in der Testphase befindet. Welches Potenzial er für die AMD-Therapie birgt, werden Holz und seine Kollegen aus Wissenschaft und Medizin in der nächsten Woche auf dem DOG-Kongress diskutieren.
Terminhinweise:
Vorab-Pressekonferenz anlässlich des 106. DOG-Kongresses
Donnerstag, 11. September 2008, 12.00 bis 13.00 Uhr, Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum II + III, Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin
Pressekonferenz anlässlich des 106. DOG-Kongresses
Donnerstag, 18. September 2008, 13.00 bis 14.00 Uhr, Estrel Hotel Berlin, Raum 30241, Sonnenallee 225, 12057 Berlin
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Die DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5400 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.
Kontakt für Journalisten:
Pressestelle 106. DOG-Kongress
Silke Stark
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931 572
Telefax: 0711 8931 167
stark@medizinkommunikation.org
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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