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19.09.2008 12:22

ERC Starting Grant mit 1,2 Mio. Euro geht an Tübinger Neuropsychologen

Dr. Ellen Katz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

    Hohe Auszeichnung für Tübinger Nachwuchswissenschaftler Dr. Marc Himmelbach

    Der Tübinger Neuropsychologe Dr. rer. nat. Marc Himmelbach wurde vom European Research Council ** mit dem ERC Starting Grant für Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet. Sein Forschungsprojekt am Tübinger Uniklinikum über "Kognitive Netzwerke der visuellen Handlungskontrolle" wird mit einer Gesamtsumme von rund 1,2 Mio. Euro über einen Zeitraum von 5 Jahren gefördert.

    Das European Research Council ist eine sehr junge Institution, die der Förderung europäischer Spitzenforschung gewidmet ist. In zwei Programmen werden großzügige Stipendien an Nachwuchswissenschaftler, die ERC Starting Grants, und etablierte Spitzenforscher, die ERC Advanced Grants, vergeben. In beiden Fällen sollen die Projekte Pioniercharakter haben und bei einem hohen Risiko einen potentiell bahnbrechenden Wissensgewinn ermöglichen. Neben der persönlichen Eignung der Antragsteller sind dies schon die einzigen Kriterien für die Auswahl der Projekte. Den hohen Ansprüchen des ERC entspricht eine ungewöhnlich großzügige und flexible Förderung mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren.
    In der ersten Antragsrunde (2007) für die ERC Starting Grants wurden aus knapp 10.000 Anträgen nur etwas mehr als 300 Projekte ausgewählt.

    Das Projekt soll eine Lücke schließen im Verständnis der Handlungskontrolle des Menschen. Dr. Marc Himmelbach: "Wir wissen schon viel über die Vorgänge im menschlichen Gehirn bei der Kontrolle einzelner Bewegungen wie beispielsweise dem Öffnen der Hand beim Ergreifen eines Hammers. Noch recht unbekanntes Terrain ist aber die Kontrolle komplexerer Handlungsfolgen. So macht es für die Orientierung und Öffnung der Hand beim Greifen einen großen Unterschied, ob ich den Hammer benutzen will, um einen Nagel einzuschlagen oder um einen Nagel herauszuziehen."
    Auf welchem Weg aber erfolgt die Auswahl und Anpassung einzelner Bewegungsteile in Übereinstimmung mit einem umfassenden Handlungsplan? Welche Strukturen des Gehirns sind beteiligt und wie interagieren sie? Das Forschungsprojekt soll sich diesen Fragen auf drei Wegen nähern: Zum einen sollen mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie Gehirnaktivierungen bei der Ausführung einfacher motorischer Aufgaben und bei der Ausführung von Handlungsfolgen gemessen werden. Zum zweiten können mit Hilfe der transkraniellen Magnetstimulation einzelne Hirnstrukturen vorübergehend deaktiviert werden. So kann beurteilt werden, ob diese Strukturen für eine korrekte Ausführung der jeweiligen Aufgabe notwendig sind. Und als Drittes werden Patienten mit einer dauerhaften Hirnschädigung untersucht, die spezifische Störungen der Handlungskontrolle aufweisen. Himmelbach: "Die Untersuchung der Patienten wird dabei einerseits zur Klärung offener Fragen der Grundlagenwissenschaften beitragen, zum anderen wird uns die Beobachtung des Krankheitsverlaufs Hinweise zu einer systematischen Rehabilitation liefern können."

    Der 34-jährige Preisträger interessierte sich schon bei seinem Psychologiestudium in Düsseldorf für neurowissenschaftliche Fragen und die menschliche Bewegungskontrolle. "Bereits 1998, als die funktionelle Kernspintomographie noch eine seltene und außergewöhnliche Untersuchungsmethode war", so Himmelbach, "hatte ich als Student die Gelegenheit, im Forschungszentrum Jülich motorische Fragestellungen mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie (fMRT) zu bearbeiten". 1999 suchte der angehende Forscher den Weg ins Tübinger Uniklinikum zur Arbeitsgruppe von Prof. Hans-Otto Karnath (Sektion für Neuropsychologie), um die klinische Neuropsychologie mit der Erforschung der Grundlagen menschlicher Bewegungssteuerung zu verbinden. Himmelbach: "In Tübingen konnte ich im Sonderforschungsbereich "Erkennen, Lokalisieren, Handeln" untersuchen, wie Hirnschädigungen nach einem Schlaganfall unsere Vorstellung von der Umgebung und die Steuerung von Bewegungen in dieser Umgebung beeinträchtigen." Nach abgeschlossener Promotion im Jahr 2005 lehnte er Angebote zum Wechsel nach London und Zürich ab. Jetzt gibt ihm die Förderung die Möglichkeit eine unabhängige Arbeitsgruppe in alleiniger Verantwortung zu leiten.

    Ansprechpartner für nähere Informationen

    Universitätsklinikum Tübingen
    Neurologische Klinik, Sektion für Neuropsychologie
    Dr. Marc Himmelbach
    Hoppe-Seyler-Str. 3, 72076 Tübingen
    Tel. 0 70 71 / 29-8 40 80, Fax 0 70 71 / 29-59 57
    marc.himmelbach@uni-tuebingen.de

    ** ERC, http://erc.europa.eu/index.cfm


    Bilder

    Dr. Marc Himmelbach
    Dr. Marc Himmelbach
    Quelle: Uniklinikum Tübingen


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

    Dr. Marc Himmelbach


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