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23.09.2008 13:02

"Bundesregierung soll sich in US-Rettungspaket für Banken einkaufen"

Florian Klebs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

    Antworten aus der Forschung: Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Experte für Kreditwirtschaft der Universität Hohenheim, zur Absage der Bundesregierung das Rettungsprogramm für krisenbedrohte Banken zu unterstützen.

    Herr Professor Burghof, die USA versenken 700 Mrd. Dollar, um Banken zu retten, die sich mit US-Immobilien verspekuliert haben. Warum soll sich die Bundesregierung an diesem Rettungspaket beteiligen?

    Prof. Dr. Burghof: Ziel meiner Forderung ist es, die Banken in Deutschland und das deutsche Finanzsystem vor Schaden zu bewahren. Viele dieser Banken haben die gleichen schlechten Kreditpositionen auf ihren Büchern wie die US-Banken. Sich jetzt aufs hohe Ross zu setzen und zu sagen das ist nur eine US-Krise, die uns nur am Rande betrifft, wäre sträflich. Die Krise ist auch bei uns angekommen. Und durch einen Alleingang der US-Regierung würde sich die Situation der deutschen Banken eher verschärfen.

    Inwiefern?

    Prof. Dr. Burghof: Wenn US-Banken ihre Risiken dank des Rettungspaketes von ihren Büchern bekommen, haben sie einen massiven Wettbewerbsvorteil, während die Gewinn- und Risikosituation der Banken in Europa auf Jahre belastet bleibt. Was dazu führt, dass internationale Anleger die US-Banken bevorzugen werden. Über günstigere Refinanzierungskosten würden die US-Banken dann aus der Krise sogar noch einen Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten ziehen.

    Wieso soll der Staat für die Fehler der Kreditwirtschaft haften?

    Prof. Dr. Burghof: Weil die Kosten eines allgemeinen Versagens der Bankenmärkte die Allgemeinheit in einem noch viel größeren Ausmaß schädigen würden. Schon jetzt wird die Krise viel teuer als die Politiker öffentlich zugeben. Inflation und Zinsniveau steigen höher, als wir es brauchen können, das gesetzte Ziel, den Staatshaushalt bis 2011 auszugleichen, wird unerreichbar und auch direkte Subventionen, wie die für die KFW oder die Landesbanken gehen verloren. Wir sind da in einer selten peinlichen Zwickmühle, in der uns moralische Betrachtungen wenig weiterhelfen.

    Sie fordern, Deutschland solle sich in das US-Programm einkaufen. Warum kein nationales Programm, das sich auf deutsche Banken konzentriert?

    Prof. Dr. Burghof: Um die maximale Schadensbegrenzung zu erreichen, müssen Sie nahe am Krisenherd dran sein. Im Klartext: Wenn Sie von hier aus versuchen, US-Immobilien noch zu Geld zu machen, wird das nicht sehr gut funktionieren. Besser ist es, die Risiken zu repatriieren, das heißt: Deutsche Banken sollen ihre riskanten US-Wertpapiere in ein US-Programm verkaufen und die Realisierung einer gemeinsamen, im Kern aber US-amerikanischen Institution überlassen.

    Welche Kosten sähen Sie in so einem Fall auf die Bundesrepublik zukommen?

    Prof. Dr. Burghof: Über die Verteilung der Kosten und Erträge aus einem solchen Programm müssen die USA und Deutschland verhandeln. Tatsächlich ist es eine Win-Win-Situation: Die USA freuen sich über die Unterstützung für ihr Programm, das damit stärker wird und die Stabilität der Bankenmärkte besser gewährleisten kann. Und Deutschland hat den Vorteil, dass die schlechten Papiere auf den Büchern deutscher Banken mit möglichst geringen Verlusten wieder zu Geld gemacht werden können.

    Angesichts der Sorglosigkeit, mit der die Kreditwirtschaft die Krise letztlich selbst verschuldet hat, vielleicht aber auch ein falsches Signal...

    Prof. Dr. Burghof: ...das sich nicht wiederholen darf. Das Kreditwesen braucht generell ein viel höheres Maß an Transparenz und eine gefahrenorientierte Aufsicht - das heißt weniger detaillierte Regeln, sondern Regulierer, Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsräte, die nach den Grundprinzipien ihres jeweiligen Berufsstandes wirklich handeln, wenn Gefahr in Sicht ist, statt sich hinter juristischen Detailregelungen zu verstecken

    Ansprechperson:
    Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Universität Hohenheim, Lehrstuhl für Kreditwirtschaft
    Tel.: 0711 459-22901, E-Mail: burghof@uni-hohenheim.de

    Text: Klebs


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


     

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