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25.09.2008 13:25

Noch viele Fragen zu Antworten des Körpers - DFG fördert Ulmer Traumatologie-Forschergruppe

Willi Baur Pressestelle
Universität Ulm

    Wie können die gefürchteten Entzündungen, in vielen Fällen Folge von Verletzungen am Bewegungsapparat, besser therapiert und möglichst sogar vermieden, das Immunsystem jedenfalls positiv beeinflusst werden? Mit dieser zentralen Fragestellung wird sich eine von bundesweit sechs neu eingerichteten Klinischen Forschergruppen unter Federführung des Universitätsklinikums Ulm beschäftigen.

    "Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Arbeiten werden in den nächsten Tagen anlaufen", sagt der Sprecher der Gruppe, Professor Florian Gebhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie. Die mit Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen besetzte Forschergruppe leiten wird Privatdozent Dr. Markus Huber-Lang.
    Unfallchirurgen, Anästhesisten, Orthopäden und eine Expertin des Instituts für Biomechanische Forschung wollen im Rahmen dieses Projekts neue Wege in der Diagnostik erkunden, diese auf verschiedene Modellformen und schließlich auch auf Patienten übertragen. Und deren finden sich bekanntlich viele in den Kliniken hierzulande. Acht Millionen Menschen werden den von der DFG genannten Zahlen zufolge in Deutschland jährlich bei Unfällen verletzt, mehr als 1,5 Millionen von ihnen müssen vollstationär behandelt werden. Damit seien Traumata in jedem Lebensabschnitt der häufigste Behandlungsgrund überhaupt.
    Wobei, wie Professor Gebhard betont, "die Kombination von Alter und Schweregrad der jeweiligen Verletzung entscheidenden Einfluss hat auf die Antworten des Körpers". Auch auf die Entzündungen zum Beispiel, keinesfalls seltene Reaktionen des menschlichen Organismus und unter Umständen gefährlicher als die Verletzung selbst.
    "Andererseits fördern Entzündungen aber auch den Heilungsprozess", beschreibt der Ulmer Wissenschaftler die schwierige Ausgangslage, "problematisch ist nur ein Zuviel des Guten". Dann hätten die vom Körper produzierten Heilungsstoffe einen negativen Effekt. "Wie aber lassen sich diese Prozesse steuern?" Eben diese Frage werde die Forschergruppe "von verschiedenen Seiten beleuchten". Aus gutem Grund, meint Florian Gebhard, sei damit die Uni Ulm beauftragt worden, bei mehr als zwei Dutzend Bewerbungen übrigens.
    "Eine vergleichbare Gruppe könnte in Deutschland allenfalls die Charité in Berlin rekrutieren", so der Chirurgie-Professor selbstbewusst und nicht ohne Stolz, "wir haben bezogen auf einzelne Fachrichtungen in Ulm eine einmalige Mischung, eine ganz sicher seltene Kombination von Experten und Kompetenzen". Mit den Verbindungen zu biochemischer und biomechanischer Forschung einerseits und der eigenen Expertise auf dem Spezialgebiet Entzündungsforschung andererseits, nicht zuletzt auch in diesem Zusammenhang wichtigen Erfahrungen.
    "Wir haben in Ulm schon viele Modelle entwickelt, um Verletzungen im Labor nachzustellen", berichtet Professor Gebhard. Und gerade im Bereich experimenteller Lungenverletzungen sei die Klinik gar "weltweit führend". Bemerkenswert überdies: "Mit unserem Leistungsspektrum und den Fallzahlen sind wir eine der größten unfallchirurgischen Kliniken in Deutschland." Diese Faktoren hätten schließlich die Gutachter überzeugt.
    Mit nicht unbedeutenden Folgen: Zwei neue Arztstellen ermöglicht das Projekt, dazu eine Reihe weiterer Stellen für Wissenschaftliche Mitarbeiter und technisches Personal. Weiterer Zuwachs mithin für den Forschungsbereich Professor Gebhards, der im Vorjahr die Leitung der Klinik von seinem Vorgänger Professor Lothar Kinzl übernommen hat. Eine ebenfalls von der DFG geförderte Studie (1,2 Millionen Euro) ist im August angelaufen. An 600 Patienten, ausnahmslos alten Menschen, aus dem gesamten Bundesgebiet untersucht der Wissenschaftler über drei Jahre hinweg die optimale Behandlung von Speichenbrüchen, die Frage "Gips oder Operation" also. Und in Zusammenarbeit mit zwei namhaften Unternehmen arbeitet er an Computer-assistierten Operationstechniken in der Unfallchirurgie. Ziel: Mehr Präzision und Sicherheit bei Eingriffen durch Navigationssysteme und dreidimensionale Knochenbilder.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. Florian Gebhard, Tel. 0731/500-54500


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


    Sprecher der neuen interdisziplinären Forschergruppe Traumatologie: Professor Florian Gebhard (Universitätsklinikum Ulm)


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