Die nun schon Tradition gewordene Reihe der Grimm-Professoren auf Zeit setzt die Universität Kassel im Dezember mit dem Romanautor Maxim Biller fort. Biller war schon bekannt als scharfsinniger, satirischer Kolumnist, bevor er 2003 mit dem Roman "Esra" in eine öffentliche Kontroverse geriet, die auch grundsätzliche Fragen berührt.
Wo ist die Grenze zwischen der Freiheit der Kunst und dem Schutz der Privatsphäre? Darf ein Autor lebende Personen identifizierbar in seinen Büchern auftreten lassen? Ein uraltes Thema, das schon häufig zu Skandalen, Prozessen und lang anhaltenden Grundsatzdebatten geführt hat. Kurz nach Erscheinen wurde das Buch 2003 verboten, denn Billers Ex-Freundin hatte den Autor auf Schadensersatz verklagt, da sie sich in der Hauptfigur wieder erkannte und über die Schilderung ihrer intimen Liebesbeziehung empört war. Ihre Mutter trat als Nebenklägerin auf. Der Prozess ging über mehrere Instanzen, bis 2007 das Bundesverfassungsgericht das Verbot bestätigte: das Werk enthalte zu wenig Kunst und zuviel Autobiografie. Der Schadensersatzanspruch von 50 000 Euro, den das Landgericht München zunächst der Klägerin zugebilligt hatte, wurde schon von der nächst höheren Instanz, dem Oberlandesgericht München, abgelehnt.
Maxim Biller wurde 1960 in Prag als Kind russisch-jüdischer Eltern geboren. Nach dem "Prager Frühling" emigrierte die Familie 1970 nach Deutschland. Biller studierte in Hamburg und München Literatur und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Er schrieb Essays, Kommentare, Kurzgeschichten (u.a. für den "Spiegel" und die "Zeit") und einen weiteren Roman "Die Tochter". 2004 veröffentlichte er auch eine CD mit Songs und Gedichten "Maxim Biller Tapes". Ein durchgehendes Thema seines literarischen Werkes ist das Verhältnis zwischen Deutschen und Juden. In Kassel wird Maxim Biller vom 17. bis 19. Dezember im Eulensaal in der Murhardschen Bibliothek einen Vortrag, ein Seminar und eine Lesung abhalten. Sponsor der Grimm-Professuren an der Universität Kassel ist die Kasseler Sparkasse.
Claudia v. Dehn
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Info
Universität Kassel
Jens Brömer
Kommunikation und Internationales
tel (0561) 804 2255
fax (0561) 804 7216
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Merkmale dieser Pressemitteilung:
Sprache / Literatur
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Personalia
Deutsch

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