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08.10.2008 13:58

IQWiG-Mitarbeiter erhalten Bill Silverman Preis

Dr. Anna-Sabine Ernst Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Cochrane Collaboration würdigt Arbeit zum Umgang mit fehlenden Studiendaten

    Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die internationale Wissenschaftsvereinigung Cochrane Collaboration am 7. Oktober 2008 in Freiburg den Bill Silverman Preis verliehen. Katharina Biester, PD Dr. med. Stefan Lange, Dr. med. Thomas Kaiser und Dr. rer. nat. Regine Potthast erhielten die Auszeichnung für einen Vortrag über den Umgang mit fehlenden Studiendaten.

    Übergeben wurde der 2007 gestiftete Preis im Rahmen des 16. Cochrane Colloquiums. Mit dem Bill Silverman Preis würdigt das unabhängige Forschungsnetzwerk ausdrücklich kritische Arbeiten, die zum einen die Arbeit der Cochrane Collaboration verbessern und zum anderen dazu beitragen, dass Patienten, Angehörige und Ärzte informierte, evidenzbasierte Entscheidungen über Therapien treffen können. Hauptaufgabe der Cochrane Collaboration ist es, systematische Übersichtsarbeiten (Reviews) zu erstellen und zu verbreiten und damit wissenschaftlich fundierte Informationsgrundlagen zu schaffen.

    Standards für Benennung und Darstellung erforderlich

    Thema der eingereichten Arbeit ist der Umgang mit fehlenden Daten in Primärstudien und deren Darstellung in Cochrane Reviews
    (High Dropout Rates in Trials included in Cochrane Reviews). Fehlende Daten können beispielsweise entstehen, wenn Teilnehmer die Studie vorzeitig abbrechen und die Ergebnisse für diese Teilnehmer nicht dokumentiert und ausgewertet werden. Studien mit hohen Abbruch-Raten, die in Übersichtsarbeiten einfließen, sind eine potenzielle Quelle von Fehlern und Verzerrungen (Bias). So können beispielsweise schädigende Wirkungen eines Arzneimittels oder einer anderen Behandlung stark unterschätzt werden, wenn Teilnehmer, bei denen diese Nebenwirkungen auftreten, die Studie vorzeitig abbrechen und zur Behandlung nicht in das selbe Krankenhaus zurückkehren.

    Die Untersuchung von Katharina Biester, Stefan Lange, Thomas Kaiser und Regine Potthast hat verschiedene Aspekte identifiziert, wie mit solchen fehlenden Daten in Reviews besser umgegangen werden könnte. Dazu gehört unter anderem eine grundsätzliche Standardisierung der Benennung und Darstellung von fehlenden Daten.

    Silverman wies schädigende Wirkung von Sauerstoffzufuhr in Brutkästen nach

    William (Bill) Silverman (1924-2004), nach dem der Preis benannt ist, war einer der Begründer der amerikanischen Neonatologie und am Aufbau der Cochrane Collaboration beteiligt. Wie viele andere Cochrane-Mitglieder hat Bill Silverman sich unter Kollegen und Patienten schon früh einen Namen als "kritischer Geist" gemacht, weil er beständig die wissenschaftliche Belegbarkeit von Behandlungsentscheidungen hinterfragte.

    Dass unkritisch übernommene Meinungen und Behandlungen für Patienten genauso gefährlich sein können wie neue Therapien, die ohne hinreichend sichere Prüfung in Studien angewendet werden, hat er in den eigenen Praxisjahren mehr als einmal feststellen müssen. Es war Bill Silverman, dem 1954 zusammen mit Kollegen in einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) der Nachweis gelang, dass die Zufuhr von Sauerstoff in Brutkästen bei Frühgeborenen zu Erblindungen führen kann. Die Sauerstoffzufuhr war über lange Jahre die Standardbehandlung, ohne dass sie jemals ausreichend getestet worden war (mehr dazu finden Sie auf der IQWiG-Website Gesundheitsinformation.de)

    Bill Silverman war gerade aufgrund dieser Erfahrungen nicht nur praktizierender Arzt, sondern auch engagierter Autor von Artikeln und Büchern zu Evidenz in der Medizin und häufig auch das prüfende Gewissen für seine Kollegen. Für ihn war Kritik eine Möglichkeit, den Fortschritt voranzutreiben - sowohl für die Arbeit von anderen, als auch für die eigene Arbeit.

    Versorgungsqualität lässt sich nur mit verlässlichen Studiendaten sichern

    "Silvermans Nachweis, dass die Sauerstoffzufuhr in Brutkästen den Frühgeborenen schaden kann, ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie das Vertrauen auf Studiendaten unzureichender Qualität die Gesundheit oder gar das Leben von zigtausenden Menschen gefährden kann", kommentierte IQWiG-Leiter Prof. Dr. med. Peter Sawicki. Um die Qualität der Gesundheitsversorgung sicher zu stellen, müssten medizinische Maßnahmen - möglichst vor ihrem breiten Einsatz - einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden. "Genau dies ist Ziel und Aufgabe des IQWiG. Dass es der Silverman Preis ist, den unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen haben, freut mich deshalb ganz besonders."


    Weitere Informationen:

    http://www.iqwig.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


     

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