idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
11.10.2008 09:21

Was den Deutschen weh tut: Alltag in Schmerzzentren

Meike Drießen Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

    Berlin, Deutscher Schmerzkongress, 11. Oktober 2008

    Forscher werteten Daten von über 10.000 Patienten aus

    Gesicherte Daten zum Thema Schmerz - bisher Mangelware - konnten Forscher jetzt beim Deutschen Schmerzkon-gress in Berlin präsentieren. Sie werteten über 10.000 Datensätze der international größten schmerzbezogenen Da-tenbank "QUAST" aus. Es zeigte sich, dass im untersuchten Patientenkollektiv die Hauptdiagnose "Rücken-schmerz" am häufigsten und der "Neuropathische Schmerz" (Nervenschmerz) am zweithäufigsten vertreten sind. Platz drei nehmen "Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerz" ein, Platz vier die Diagnose "Kopfschmerzen".

    Die psychische Belastung durch den Schmerz ist erheblich, und 40% der Betroffenen sind aufgrund ihrer Erkrankung in Rente. Die gute Nachricht: Die Versorgung in spezialisierten Schmerzzentren hilft auch den am schwersten betrof-fenen chronischen Schmerzpatienten. Vor zehn Jahren hatte der Vorstand der DGSS mit dem Dokumentationssys-tem "Qualitätssicherung in der Schmerztherapie - QUAST" die große anonymisierte Datenbank initiiert. Sie wird aus mittlerweile mehr als 125 deutschen Schmerzeinrichtungen gespeist.

    Sieben Jahre Dauerschmerz

    Fast drei Viertel der 10.054 Patienten der Analysestichprobe beklagen einen Dauerschmerz. Die Erkrankungsdauer liegt im Mittel bei sieben Jahren. Erfreulicherweise suchen mehr als 20% bereits innerhalb der ersten zwölf Monate eine spezialisierte schmerztherapeutische Einrichtung auf. Knapp 40% der Schmerzpatienten sind nach dem Main-zer Stadienmodell (MPSS) dem höchsten Chronifizierungsstadium III zuzuordnen, nur 17% dem Stadium I. Mehr als 40% der Patienten geben an, dass sie aktuell eine Rente beziehen. "Besonders erwähnenswert ist die hohe psy-chische Belastung, wie z.B. Depressivität, Einschränkung der Lebensqualität, schmerzbezogene Beeinträchtigung des Alltagslebens, die deutlich höher ausfällt als es die bisherigen Vergleichswerte für Schmerzpatienten vorsehen", unterstreicht Dr. Jule Frettlöh von der Schmerzambulanz der Ruhr-Universität Bochum im Klinikum Bergmanns-heil. "Bereits diese ersten Ergebnisse unterstreichen ganz deutlich die Notwendigkeit einer interdisziplinären Be-handlung, bei der die psychologische Versorgung der Schmerzpatienten fester Bestandteil im Behandlungskonzept sein muss."

    Daten zeigen: Auch schwerer chronischer Schmerz ist behandelbar

    Neben der Auswertung der gesamten Stichprobe analysierten die Forscher die Daten auch getrennt nach Schmerzdi-agnosegruppen. Hierbei unterscheidet sich die Patientengruppe mit der Hauptdiagnose Kopfschmerzen im Hinblick auf mehrere Schmerzparameter und psychometrischer Kennwerte von den übrigen Gruppen. Die untersuchten Kopf-schmerzpatienten sind deutlich länger erkrankt, weisen aber niedrigere Depressionswerte und eine höhere körperli-che Lebensqualität auf als alle anderen Diagnosegruppen. Patienten mit Neuropathischem Schmerz hingegen unter-scheiden sich wenig von anderen Patientengruppen. Für die häufigsten Hauptschmerzdiagnosen zeigt sich, dass die psychologische Beeinträchtigung der Patienten umso ausgeprägter ist, je höher die Schmerzchronifizierung ist. "Erstmals konnte unsere Analyse dabei an einem größeren Patientenkollektiv nachweisen, dass therapeutisch gute Behandlungseffekte auch bei hoher Chronifizierung (Stadium III nach MPSS) zu beobachten sind", so Frettlöh. Zudem zeigt sich, dass hoch chronifizierte Schmerzpatienten mit dem Behandlungserfolg ähnlich zufrieden sind wie Patienten mit niedrigerem Chronifizierungsstadium. "Das sind wichtige Hinweise auf die hohe Ergebnisqualität schmerztherapeutischer Einrichtungen", folgert die Psychologin. Neben den diagnosespezifischen Besonderheiten seien auch alters-, geschlechts- und sozialstatusbezogene Unterschiede zu erwarten. Für diese und andere vertiefen-de Forschungsfragen stelle die in Berlin präsentierte Analyse zentraler soziodemographischer und schmerzbezoge-ner Daten sowie die Bestimmung psychometrischer Kennwerte der QUAST-Analysestichprobe die Ausgangsbasis dar.

    Ansprechpartnerin

    Dr. Jule Frettlöh, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-3340, E-Mail: jule.frettloeh@rub.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay