Anlässlich des Bildungsgipfels am 22. Oktober in Dresden appelliert der TU9 Präsident an die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten, ein bundeseinheitliches Fach Technikwissenschaften einzuführen. Es dürfe nicht sein, dass angehende Ingenieure zum ersten Mal im Rahmen ihres Studiums auf technikwissenschaftliche Fragestellungen stoßen. Auch spreche nichts dagegen, dass weiterhin in einer konsekutiven Ingenieurausbildung auf Master-Niveau der Abschlussgrad "Dipl-Ing." verliehen wird.
Der TU9 Präsident begrüßt es, dass sich die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten zum Bildungsgipfel treffen werden:
"Es ist gut, dass das Thema Bildung in der politischen Diskussion damit den Stellenwert erhält, den es verdient", sagt Horst Hippler, TU9 Präsident und Rektor der Universität Karlsruhe (TH). "Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind hinlänglich bekannt: Bildung muss bereits in der Frühphase, bei den Kindern, einsetzen. Kindergärten sind als Bildungseinrichtungen zu verstehen, in denen Kinder aller Bildungs- und Einkommensschichten gleichermaßen die Chance auf individuelle Förderung erhalten."
Nach diesem Einstieg müssen sich ihnen Bildungswege eröffnen, die den Heranwachsenden und Jugendlichen den sozialen und gesellschaftlichen Aufstieg ermöglichen. "Die Ingenieurwissenschaften gehören traditionell zu den Aufstiegsbereichen. Gleichwohl müssen wir weiterhin stark dafür werben, dass ausreichend junge Menschen ein Ingenieurstudium aufnehmen wollen."
++Anstieg der Studienanfängerzahlen erfreulich, aber noch keine Trendumkehr++
Die jüngsten Zahlen geben Anlass zur Hoffnung: Wie das Statistische Bundesamt kürzlich mitteilte, haben sich im Wintersemester 2007/2008 im Studienbereich Maschinenbau 27.700 Studienanfängerinnen und -anfänger eingeschrieben, 11% mehr als im Vorjahr. Die Ingenieurwissenschaften insgesamt verzeichneten in Deutschland eine Zunahme um 9% auf 61.600 Erstsemester. Zweistellige Zuwachsraten erreichten in der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften neben Maschinenbau auch die Studienbereiche Raumplanung (+ 11%) und Bauingenieurwesen (+ 16%). Im Studienbereich Elektrotechnik lag die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger immerhin um 4% über dem Stand vom Vorjahr.
"Von einer Trendumkehr zu sprechen, wäre verfrüht", sagt Horst Hippler. "Doch diese ersten Tendenzen müssen unterstützt werden: Wir werben national und international für die Aufnahme eines Studiums in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technikwissenschaften nicht nur an den TU9 Universitäten, sondern an allen Hochschulen, die diese Fächer anbieten."
Ein Studium dieser Fächer ist sehr anspruchsvoll. Es kann erfolgreich nur auf der Grundlage einer guten bis sehr guten Ausbildung in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern an den Schulen absolviert werden.
++Einführung eines bundeseinheitlichen Fachs Technikwissenschaften notwendig++
"Deshalb brauchen unsere Schulen eine personell und qualitativ ausreichende Ausstattung, die ihnen diese Vorarbeit ermöglicht. Und es fehlt leider immer noch bundeseinheitlich ein Fach Technikwissenschaft, das den Anwendungsbereich der Naturwissenschaften frühzeitig vermittelt. Es darf nicht sein, dass angehende Ingenieure zum ersten Mal im Rahmen ihres Studiums auf technikwissenschaftliche Fragestellungen stoßen. Das Interesse und die Begeisterung dazu muss bereits an der Schule und sogar in den Kindergärten geweckt werden."
Die TU9 Universitäten, wollen in diesen Fächern weiterhin dafür werben, dass Mädchen und junge Frauen für Studium und wissenschaftliche Tätigkeiten in den Ingenieur- und Naturwissenschaften zu gewinnen.
Dies tut dringend Not: Im Jahr 2006 kamen im OECD-Schnitt auf 100.000 Erwerbstätige im Alter von 25 bis 34 Jahre 1.649 Hochqualifizierte mit naturwissenschaftlich-technischem Studium. In Deutschland waren es dagegen nur 1.423 je 100.000 Erwerbstätige.
++Mehr Investitionen in Köpfe++
"Wir kommen auch nicht umhin, den Bildungseinrichtungen insgesamt mehr Geld zur Verfügung zu stellen. In Deutschland sind in den vergangenen Jahren die Bildungsausgaben langsamer gewachsen als die öffentlichen Ausgaben insgesamt. Im OECD-Mittel stieg zwischen 2000 und 2005 der Anteil der Bildungsausgaben von 12,8 auf 13,2 Prozent der Gesamtausgaben der öffentlichen Hand. In Deutschland ist er im selben Zeitraum von 9,9 auf 9,7 Prozent gesunken."
Deutschland ist es in der Vergangenheit zweifellos gelungen, in vielen Bereichen weltweit anerkannte Bildungserfolge zu erreichen, die in wirtschaftlichen Erfolg transformiert werden konnten:
"Wir, die Technischen Universitäten, die im TU9 Verband zusammengeschlossen sind, haben unseren Beitrag dazu geleistet: Über die Forschung in den Ingenieur- und Naturwissenschaften und über die Ausbildung des Nachwuchses in diesem Bereich. Wir sind Ingenieurschmieden mit mehr als hundertjähriger Tradition und haben gemeinsam mit den anderen Hochschulen den deutschen Diplom-Ingenieur sowie den Doktor-Ingenieur zu weltweit anerkannten Marken gemacht. Marken, die wir auch im Zuge des Bologna-Prozesses nicht ohne Not abschaffen sollten. Es spricht nichts dagegen, dass weiterhin in einer konsekutiven Ingenieurausbildung auf Master-Niveau der Abschlussgrad "Dipl-Ing." verliehen wird.
TU9 wird sich weiterhin konstruktiv in der Bildungs- und Forschungspolitik einbringen und Bildungslobby im besten Sinne sein, um sich für diese Ziele einzusetzen."
++Pressekontakt++
TU9 Geschäftsführer Venio Piero Quinque
presse@tu9.de
Telefon: 030/386-39003
++Über TU9++
TU9 ist der Verband der führenden Technischen Universitäten in Deutschland: RWTH Aachen, TU Berlin, TU Braunschweig, TU Darmstadt, TU Dresden, Universität Hannover, Universität Karlsruhe (TH), TU München, Universität Stuttgart.
An TU9 Universitäten sind derzeit rund 204.000 Studierende immatrikuliert, das sind rund 10 Prozent aller deutschen Studierenden.
In Deutschland stammen 53 Prozent der Universitäts-Absolventen in Ingenieurwissenschaften von TU9 Universitäten. Rund 59 Prozent der Promotionen in den Ingenieurwissenschaften werden an TU9 Universitäten durchgeführt.
TU9 Universitäten erreichen beste Platzierungen beim Drittmittel-Ranking des Statistischen Bundesamtes: Die neun TU9 Mitglieder warben 2005 insgesamt 739 Mio. Euro ein. Das sind rund 20,2 Prozent aller Hochschul-Drittmittel in Deutschland.
http://www.tu9.de - TU9 Webportal
Merkmale dieser Pressemitteilung:
fachunabhängig
überregional
Wissenschaftspolitik
Deutsch

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