Bayreuth/Mainz (UBT). Das Projekt OPERA, das sich der kritischen Edition exemplarischer Werke des musikalischen Theaters vom Barock bis zur Moderne widmet, wird in Bayreuth in den nächsten 15 Jahren mit einem Finanzvolumen von rund 3,3 Millionen Euro gefördert. Einen entsprechenden Beschluss fasste gestern die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, unter deren Dach das Projekt angesiedelt ist. Unter der Leitung des Bayreuther Musikwissenschaftlers Prof. Dr. Thomas Betzwieser sollen in dem auf 15 Jahre angelegten Langzeitprojekt, das am 1. Januar 2009 startet, insgesamt 21 Bühnenwerke herausgegeben werden.
Ziel des international ausgerichteten Vorhabens mit dem Titel "OPERA - Spektrum des europäischen Musiktheaters in Einzeleditionen" ist die kritische Edition herausragender Werke des europäischen Musiktheaters vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Damit widmet sich erstmals ein Ausgabenprojekt exklusiv dem Musiktheater und dessen vielfältigen Erscheinungsformen. Herausgegeben werden Werke des französischen, italienischen, deutschen, skandinavischen und slawischen Musiktheaters. Erstmalig werden dabei auch die Operntexte (Libretti) mit in die kritische Ausgabe integriert.
OPERA wird insgesamt 21 Werke der italienischen Oper vom 17. bis zum 19. Jahrhundert (Opera buffa, Opera seria, Melodramma) vorlegen; dasselbe gilt für die französische Oper (Opéra comique, Grand opéra) und das deutsche Musiktheater (Singspiel, romantische Oper). Die Werkauswahl berücksichtigt dabei auch Opern, welchen ein originärer Transfercharakter eigen ist (z.B. Spohrs Faust, in deutscher und italienischer Fassung).
OPERA wird sich daneben auch gezielt musikdramatischen Gattungen annehmen, die bislang kaum oder überhaupt nicht im Fokus editorischer Unternehmungen standen: Operette, Ballett, Schauspielmusik, Melodram und Filmmusik. Gerade diese Werkgruppen spiegeln editorische Probleme des Musiktheaters wider, die über diejenigen 'normaler' Opern weit hinausgehen, und deshalb bis dato auch kaum diskutiert wurden. Es sind insbesondere auch diese Gattungen, die das ästhetische Spannungsfeld von Werktext und Aufführungstext konturieren.
Das Projekt OPERA wird sich an genuin gattungsimmanenten Momenten ausrichten und unterscheidet sich damit von den übrigen mit Mitteln des Akademienprogramms geförderten großen Komponisten-Gesamtausgaben. Leitende Kategorien bei der Konzeption des Projekts waren: Multilingualität, Gattungsrepräsentanz, Textsortenäquivalenz und multimediale Präsentationsform.
Die zu edierenden Werke sind in verschiedene Modulgruppen gefasst, welche sich an den spezifischen Editionsproblemen musikdramatischer Opera ausrichten, so beispielsweise an der Frage Eigentext und Fremdtext (Einlagearien, Rezitativ-Addenda, etc.), dem Phänomen des Werk- und Gattungstransfers (genuin bilinguale Werkgestalten), oder das sogenannte Dialogproblem (Nebeneinander von gesprochener und gesungener Figurenrede). Den sich verändernden Denkfiguren im Hinblick auf Werk und Aufführung wird OPERA vor allem in Bezug auf die Präsentationsform der Ausgabe Rechnung tragen. Während die Partituren noch in traditioneller Buchform erscheinen - das Projekt kooperiert mit dem Bärenreiter-Verlag, Kassel -, werden sowohl die Libretto-Edition als auch der Kritische Bericht (Quellen- und Lesartenverzeichnis) auf einer elektronischen Plattform digital präsentiert.
Diese Präsentationsform hebt sich vor allem in zwei Punkten von bisherigen Editionen ab: Zum einen sind die editorischen Entscheidungen aufgrund der Zugriffsmöglichkeit auf die zugrundeliegenden Quellen unmittelbar nachvollziehbar und somit in jeder Hinsicht transparent, zum anderen vermag sich der Benutzer verschiedene Textfassungen gleichsam selbst zu generieren. Letzteres stellt nicht nur für die musikalische Bühnenpraxis (Dirigenten, Dramaturgen) völlig neue Möglichkeiten bereit, sondern vermag auch die wissenschaftlichen Ergebnisse einer weiteren Verbreitung und Nutzung zuzuführen.
Die digitale Plattform für diese multimediale Präsentationsform bildet das neuartige Editionstool "Edirom - Digitale Musikedition", das von dem gleichnamigen DFG-Projekt an der Universität Paderborn entwickelt wurde. Mit diesem Projekt (mit Sitz an der Musikhochschule Detmold) wird OPERA kooperieren und dieses Editionsinstrument mit Blick auf opernspezifische Fragestellungen weiterentwickeln.
Das Projekt OPERA fügt sich in den an der Universität Bayreuth bestehenden Forschungsschwerpunkt des Musiktheaters sowohl inhaltlich wie auch strukturell nahtlos ein: Mit dem Forschungsinstitut für Musiktheater in Thurnau (FIMT) wird die an der Bayreuther Musikwissenschaft einzurichtende Arbeitsstelle eng zusammenarbeiten.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Thomas Betzwieser
Musikwissenschaft
Universität Bayreuth
Telefon: +49 921 55-3011
e-Mail: thomas.betzwieser@uni-bayreuth.de
Dr. Gabriele Buschmeier
Musikwissenschaftliche Editionen
Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Geschwister-Scholl-Straße 2
D-55131 Mainz
Telefon: +49 6131 577-120
e-Mail: Gabriele.Buschmeier@akademienunion.de
http://www.adwmainz.de
Der erste Absatz ist nicht ganz korrekt und muss heißen:
Das Projekt OPERA, das sich der kritischen Edition exemplarischer Werke des musikalischen Theaters vom Barock bis zur Moderne widmet, wird in Bayreuth in den nächsten 15 Jahren mit einem Finanzvolumen von rund 3,3 Millionen Euro gefördert. Einen entsprechenden Beschluss fasste gestern die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Das Projekt ist bei der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur mit dem Titel "OPERA - Spektrum des europäischen Musiktheaters in Einzeleditionen" angesiedelt. Unter der Leitung des Bayreuther Musikwissenschaftlers Prof. Dr. Thomas Betzwieser (Bild) sollen in dem auf 15 Jahre angelegten Langzeitprojekt, das am 1. Januar 2009 startet, insgesamt 21 Bühnenwerke herausgegeben werden.
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Musik / Theater
überregional
Forschungsprojekte
Deutsch

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