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25.11.2008 10:16

Polaren Wirbelstürmen auf der Spur

Dr. Torsten Fischer Pressestelle
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH

    Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht haben ein
    mathematisches Verfahren entwickelt, mit dem es möglich ist, das Auftreten
    von polaren Wirbelstürmen im Nord-Atlantik, so genannten Polartiefs (Polar
    Lows) zu rekonstruieren. Erstmalig konnte hierdurch die Häufigkeit von
    Polartiefs der Vergangenheit bestimmt werden. Die anschließende
    statistische Analyse der letzten 60 Jahre ergab keinen direkten
    Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und dem Auftreten von Polartiefs.
    Die Ergebnisse der Geesthachter Küstenforscher wurden jetzt in der
    Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.

    Unvorhersehbare Kraft

    Polartiefs sind kleinräumige Stürme, die in den Ozeanen der hohen Breiten
    auftreten und vergleichbar sind mit tropischen Wirbelstürmen. Ihre starken
    Winde werden von Seeleuten gefürchtet. Im letzten Jahrhundert ließen sich
    im Nordatlantik 56 gesunkene Schiffe mit insgesamt 342 Toten auf die Kraft
    dieser polaren Stürme zurückführen. Auch wenn Polartiefs nicht zu jeder
    Zeit Orkanstärke erreichen, sind sie für die Seefahrt besonders tückisch,
    da sie sich sehr plötzlich entwickeln können und aufgrund Ihres geringen
    Durchmessers von nur einigen hundert Kilometern schwer vorhersehbar sind.
    Der Mangel an Messstationen in den Polarregionen erschwert die Vorhersage
    und den Nachweis der Polartiefs zusätzlich.

    Wirbelstürme werden plötzlich "sichtbar"

    Um herauszufinden, ob sich die Häufigkeit von Polartiefs in den letzen
    Jahrzehnten im Nordatlantik im Zuge des Klimawandels verändert hat,
    untersuchte der Umweltwissenschaftler Matthias Zahn vom
    GKSS-Forschungszentrum Geesthacht in Kooperation mit dem Meteorologischen
    Institut der Universität Hamburg für den Zeitraum von 1946 bis 2006
    globale atmosphärische Daten. Diese Daten liegen für Flächen von rund 200
    mal 200 Kilometern vor. "Bei einem eher regionalen Phänomen wie den
    Polartiefs, die oftmals nur wenige hundert Kilometer im Durchmesser groß
    sein können, reicht die grobe Auflösung von globalen atmosphärischen Daten
    für präzise Analysen jedoch nicht aus.", erläutert Matthias Zahn, der
    derzeit an der Universität Hamburg promoviert.

    Mit dem so genannten "Downscaling-Verfahren" ist es Matthias Zahn
    gelungen, die globalen atmosphärischen Daten auf eine Fläche von rund 50
    mal 50 Kilometer herunterzurechnen. Weiterhin entwickelte er ein
    mathematisches Verfahren, um Polartiefs in den nun höher aufgelösten Daten
    zu detektieren. "So konnten wir mit Hilfe der Mathematik Aussagen über die
    Häufigkeiten von Polartiefs für vergangene Zeiträume, in denen Satelliten
    noch nicht flächendeckend im Einsatz waren, treffen. Dabei entdeckten wir
    zusätzliche Wirbelstürme, die in den bisherigen Wetteraufzeichnungen nicht
    auftauchten", beschreibt Matthias Zahn seine Arbeit.

    Die anschließende statistische Analyse ergab, dass innerhalb der letzten
    60 Jahre kein Langzeittrend in der Häufigkeit der Polartiefs nachgewiesen
    werden konnte und es derzeit keinen direkten Zusammenhang zum Klimawandel
    gibt. Das von Matthias Zahn entwickelte mathematische Verfahren wird
    weiterhin genutzt werden, um statistische Aussagen über veränderliche
    Starkwindgeschwindigkeiten innerhalb Polartiefs treffen zu können und um
    zukünftige Szenarien für das Auftreten solcher Stürme daraus abzuleiten.


    Weitere Informationen:

    http://www.gkss.de/public_relations/press_releases/007210/index_0007210.html.de


    Bilder

    Ein polarer Wirbelsturm über dem Norden Skandinaviens
    Ein polarer Wirbelsturm über dem Norden Skandinaviens
    Quelle: Universitiy of Dundee

    Räumliche Häufigkeitsverteilung von polaren Wirbelstürmen über dem Nordatlantik
    Räumliche Häufigkeitsverteilung von polaren Wirbelstürmen über dem Nordatlantik
    Quelle: M. Zahn / GKSS-Forschungszentrum Geesthacht


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geowissenschaften, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Ein polarer Wirbelsturm über dem Norden Skandinaviens


    Zum Download

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    Räumliche Häufigkeitsverteilung von polaren Wirbelstürmen über dem Nordatlantik


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