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26.11.2008 13:55

Schizophrenien früh behandeln: Preis der Lieselotte und Rolf Bayer-Stiftung erstmals verliehen

Dr. Josef König Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

    RUB-Forscher entwickeln sozial-kognitives Trainingsverfahren

    Für seelische Erkrankungen gilt dasselbe wie für die des Körpers: Je früher man sie behandelt, desto weniger schlimm verlaufen sie. Ein Konzept für die Früherkennung und Behandlung von Schizophrenie, das schon bei den ersten Vorzeichen der Erkrankung greift, entwickeln Forscher der RUB-Klinik für Psychiatrie um Prof. Dr. Martin Brüne. Für ihr Projekt wurden sie bei der FoRUM-Tagung der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität mit dem erstmals vergebenen Förderpreis der Lieselotte und Rolf Bayer-Stiftung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

    Einfühlungsvermögen ist schon früh beeinträchtigt

    Untersuchungen haben gezeigt, dass eine frühe Behandlung von Schizophreniepatienten in Vorstadien der Erkrankung das Risiko verringert, dass die Störung chronisch wird. Zur Früherkennung werden heute wahnhafte Symptome, flüchtige Halluzinationen, die kognitive Flexibilität und die allgemeine Intelligenz herangezogen. Dabei bleibt ein wichtiger Bereich unberücksichtigt, bemängeln die Bochumer Forscher: die "soziale Kognition". Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und emotionale Reize zu verarbeiten, ist besonders in frühen Stadien einer Schizophrenie deutlich beeinträchtigt, und das unabhängig von anderen Symptomen. Entsprechend sind zur Behandlung psychoedukative Methoden wirksamer als antipsychotische Medikamente. Bildgebende Untersuchungen haben gezeigt, dass bei schizophrenen Patienten auch die für die soziale Kognition verantwortlichen Hirnbereiche vermindert aktiviert werden. Für Patienten in frühen Stadien gibt es solche Untersuchungen noch nicht.

    Trainingsprogramm soll den Verlauf verbessern

    Sie sollen Teil der geplanten Studie der RUB-Klinik sein. Die Forscher werden je 20 Patienten in Vor- und Frühstadien schizophrener Erkrankungen und 20 gesunde Kontrollpersonen untersuchen. Sie erwarten, dass schon in Vorstadien neuropsychologische Defizite erkennbar sein werden, und dass auch die funktionelle Kernspintomografie schon vor dem eigentlichen Ausbruch der Erkrankung eine verminderte Aktivierung entsprechender Hirnbereiche offenbaren wird. Außerdem wollen die Forscher ein spezifisches sozial-kognitives Trainingsverfahren für Patienten mit Frühsymptomen einer Schizophrenie entwickeln. "Dieses Forschungsvorhaben könnte einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung der Neurobiologie und -psychologie psychotischer Erkrankungen im Frühstadium darstellen", schätzt Prof. Brüne.

    Weitere Informationen

    Prof. Dr. Martin Brüne, Forschungsleitender Oberarzt, LWL-Universitätsklinik Bochum, Klinik der Ruhr-Universität Bochum, Alexandrinenstr. 1, 44791 Bochum, Tel. 0234/5077-155, Fax: 0234/5077-234, martin.bruene@wkp-lwl.org, Webseite der Klinik: http://www.psychiatrie-bochum.de

    Redaktion: Meike Drießen


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Personalia
    Deutsch


     

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