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27.11.2008 13:13

Sich selbst kennen und erkennen: RUB-Nachwuchsphilosoph für Dissertation ausgezeichnet

Dr. Josef König Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

    Einen neuen Ansatz, das menschliche Selbstbewusstsein zu erklären, entwirft der Bochumer Nachwuchsphilosoph Dr. Gottfried Vosgerau in seiner Dissertation "Mental Representation and Self-Consciousness". Darin entwickelt er eine weiterführende Theorie des Selbstbewusstseins und geht damit einer Grundfrage der Philosophie des Geistes nach. Das Besondere daran: Die Theorie löst klassische Entwürfe ab, die die empirischen Wissenschaften nicht berücksichtigen, indem sie zentrale Grundbegriffe detailliert analysiert und aktuelle Forschungsergebnisse mit einbezieht.

    Bochum, 27.11.2008
    Nr. 392

    Sich selbst kennen und erkennen
    Die Grundlagen des menschlichen Selbstbewusstseins
    RUB-Nachwuchsphilosoph für Dissertation ausgezeichnet

    Einen neuen Ansatz, das menschliche Selbstbewusstsein zu erklären, entwirft der Bochumer Nachwuchsphilosoph Dr. Gottfried Vosgerau in seiner Dissertation "Mental Representation and Self-Consciousness". Darin entwickelt er eine weiterführende Theorie des Selbstbewusstseins und geht damit einer Grundfrage der Philosophie des Geistes nach. Das Besondere daran: Die Theorie löst klassische Entwürfe ab, die die empirischen Wissenschaften nicht berücksichtigen, indem sie zentrale Grundbegriffe detailliert analysiert und aktuelle Forschungsergebnisse mit einbezieht. Damit trägt Vosgerau zu einem tieferen Verständnis des menschlichen Geistes bei und bietet konkrete Anknüpfungspunkte zu psychologischen und psychiatrischen Problemen - bis hin zu einer fundierten Analyse bestimmter Störungen wie Schizophrenie.

    Zwei Preise

    Für seine Arbeit und die allgemein verständliche Darstellung der Ergebnisse kam er in die engere Auswahl beim diesjährigen Studienpreis der Körber-Stiftung und erhielt am 26.11. eine mit 3.000 Euro dotierte Anerkennung. Darüber hinaus bekommt Vosgerau für seine herausragende Dissertation einen der "Preise an Studierende" der RUB, die auf der Akademischen Jahresfeier am 28.11. verliehen werden.

    Von der Selbst-Repräsentation zur Selbsterkenntnis

    Der Grundgedanke der Arbeit ist, das Selbstbewusstsein als kognitive Fähigkeit zu begreifen: als Fähigkeit, Gedanken über sich selbst zu haben, sich selbst "als sich selbst" repräsentieren und erkennen zu können. Davon ausgehend schlägt Vosgerau die Brücke zum zentralen Begriff der Selbst-Repräsentation. Sich selbst zu erkennen, ist eine grundlegende Stufe der Selbsterkenntnis. Sie betrifft basale körperliche Zustände und ist bereits bei so einfachen Tieren wie Ameisen zu finden. Im Gegensatz etwa zur Motte, die per Reflex zum Licht fliegt, finden Wüstenameisen von jedem beliebigen Punkt aus ihr Nest wieder, und zwar ohne aktuelle sinnliche Reize des Nestes. Die Ameise muss ein "inneres Bild" - eine innere Repräsentation - von der Lage des Nestes haben. Die nächste Stufe wird erreicht, wenn man den eigenen Körper als den eigenen erkennt, wie es beispielsweise beim Spiegelerkennen der Fall ist. Darüber hinaus sind Menschen in der Lage, ihre eigenen mentalen Zustände zu kennen - sie wissen, was sie wollen, denken und fühlen.

    Selbst-Welt-Unterscheidung und Störungen

    Die Komplexität des menschlichen Selbstbewusstseins beruht demnach auf der Selbst-Repräsentation auf unterschiedlichen Stufen, die aufeinander aufbauen. Dies ist zugleich die Grundvoraussetzung für unsere Kooperationsfähigkeit mit anderen. Erst, wenn wir in der Lage sind, uns selbst "als uns selbst" zu erkennen, können wir systematisch unterscheiden zwischen uns und anderen handelnden Wesen, zwischen uns und anderen Gegenständen in der Welt (Selbst-Welt-Unterscheidung). Bei Erkrankungen wie Autismus oder Schizophrenie sind bestimmte Fähigkeiten nicht ausgeprägt genug, um ein "gesundes" Selbstbewusstsein zu entwickeln. So haben Autisten zum Beispiel Schwierigkeiten zu verstehen, dass andere Menschen andere mentale Zustände haben als sie selbst.

    Grundlagenforschung und Praxishilfe

    Die Arbeit von Gottfried Vosgerau leistet zweierlei: Sie macht eine menschliche Schlüsselfähigkeit verständlich und sie gibt wertvolle Hinweise für einen angemessenen Umgang mit pathologischen Fällen und deren erfolgreiche Behandlung. Sehr konkret und fundiert analysiert Vosgerau bestimmte Störungen und geht damit weit über die reine Grundlagenforschung hinaus. Die Dissertation bereichert nicht nur die philosophische Debatte um das Menschsein, sondern bietet Psychologen und Psychiatern Anknüpfungspunkte in der klinischen Praxis.

    Deutscher Studienpreis und Preise an Studierende

    Unter 444 Einsendungen hat die Körber-Stiftung elf Arbeiten ausgewählt und prämiert. Gottfried Vosgerau erhielt einen von acht Anerkennungspreisen, die mit jeweils 3.000 dotiert sind. Ausschlaggebend für Wahl der Siegerbeiträge sind die fachliche Exzellenz, die gesellschaftliche Relevanz sowie nicht zuletzt die allgemein verständliche Darstellung des Themas. Der Deutsche Studienpreis 2008 wurde in Berlin von Bundestagspräsident Norbert Lammert verliehen.
    Traditionell ehrt die Ruhr-Universität auf ihrer Akademischen Jahresfeier mit den "Preisen an Studierende" die besten Absolventen aller Fakultäten des vergangenen Jahres. Gottfried Vosgerau teilt sich den mit 500 Euro je Fakultät dotierten Preis mit Dr. Alexandra Zinck (beide Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft).

    Weitere Informationen

    Dr. Gottfried Vosgerau, Prof. Dr. Albert Newen, Institut für Philosophie der RUB, Tel. 0234/32-22711, -22139, E-Mail: gottfried.vosgerau@rub.de, albert.newen@rub.de

    Redaktion: Jens Wylkop


    Bilder

    Dr. Gottfried Vosgerau; Foto: Körber-Stiftung
    Dr. Gottfried Vosgerau; Foto: Körber-Stiftung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Philosophie / Ethik, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Dr. Gottfried Vosgerau; Foto: Körber-Stiftung


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