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18.01.2001 16:31

Eintrittskarte ins Professorenamt: Drei Lise-Meitner-Stipendiatinnen aus Duisburg

Beate Kostka M. A. Presse- und Informationsstelle, Standort Duisburg
Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (bis 31.12.2002)

    die mit Abstand jüngste Lise-Meitner-Stipendiatin des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Nicole Pohl (26), kommt von der Mercator-Universität Duisburg. In diesem Jahr werden insgesamt 29 junge Nachwuchsforscherinnen auf dem hürdenreichen Weg in das Professorenamt unterstützt. Dies ist auch nötig, denn die Frauenquote bei den Professuren liegt bundesweit immer noch unter 10 Prozent.

    Drei Lise-Meitner-Stipendiatinnen kommen aus Duisburg: Dr. Susanne Hahn (Philosophie), Dr. Nicole Pohl (Internationale Wirtschaftsbeziehungen) und Dr. Birgit Klein (Jüdische Studien) erhalten jeweils ein Zwei-Jahres-Stipendium, das mit bis zu 3700 Mark monatlich dotiert ist.

    Liebe Redaktion,

    falls Sie mit Frau Pohl Kontakt aufnehmen möchten: Sie ist bis März noch in Duisburg zu erreichen. Dann wird Sie für ein Jahr in den USA forschen. Geben Sie bitte Bescheid, damit wir für Sie bei Bedarf einen Termin vereinbaren können.

    Mit freundlichen Grüßen

    Beate H. Kostka
    Leiterin der Pressestelle


    Dr. Nicole Pohl:
    Was sind "hubs"?

    Für das Phänomen "hub" gibt es eigentlich keinen treffenden deutschen Begriff. Am ehesten eignet sich noch die Beschreibung 'Zentrum' oder 'Agglomeration'. Doch hubs sind weit mehr: Es sind Standorte, an denen ein Mix multinationaler Akteure, sprich Unternehmen, tätig ist und an denen sich ökonomische Funktionen, das dazugehörige Wissen sowie entsprechende Institutionen konzentrieren. Als "hub" werden globale Finanz- und Handelszentren wie London, aber auch regionale Zentren wie Singapore verstanden.

    Mit der Rolle von "hubs" in der globalisierten Weltwirtschaft beschäftigt sich Dr. Nicole Pohl in ihrer Forschungsarbeit. Wie sich solche Standorte entwickeln, ob es dabei eine gewisse Logik in Bezug auf Wachstum und Spezialisierung gibt und inwiefern allgemeingültige Profile und einzigartige Kennzeichen von "hubs" ausgemacht werden können, sind die zentralen Fragen ihres Forschungsprojekts.

    Dr. Nicole Pohl, Jahrgang '74, absolvierte ihr Studium der Wirtschaftswissenschaft in Duisburg in nur acht Semestern. Bereits nach dem Vordiplom wurde sie in die "Studienstiftung des Deutschen Volkes" aufgenommen, die vielversprechenden Hoch-schulnachwuchs fördert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Dr. Günter Heiduk (Internationale Wirtschaftsbeziehungen) schloss sie im August letzten Jahres ihre Promotion ab und wurde nun sowohl von der Columbia University (New York) als auch von der Stanford University (Kalifornien) eingeladen, dort als "Visiting Scholar" an ihrer Habilitation zu arbeiten. Sie hat sich ent-schieden, den einjährigen Forschungsaufenthalt ab Frühjahr an der Westküste wahrzunehmen.

    Dr. Birgit Klein
    Frühe Emanzipation?
    Das jüdische eheliche Güterrecht

    Das deutsche Recht kannte in der Frühneuzeit die allgemeine Gütergemeinschaft. Das Vermögen der beiden Ehepartner verschmolz zu einem Gesamtgut. Doch allein der Mann war be-rechtigt, es zu verwalten, selbst wenn für die Tilgung der Schulden die Mitgift der Ehefrau herhalten musste. Das war beim jüdischen Recht ein bisschen anders: Hier erhielten Ehefrauen nach Auf-lösung der Ehe durch Scheidung oder Tod des Ehemanns min-destens ihre Mitgift zurück, und während der Ehe konnten sich Ehefrauen auf die "weiblichen Rechtswohltaten" des "Gemeinen Rechts" römischer Herkunft berufen, die im Konkursfall ihre in die Ehe eingebrachte Mitgift vor den Forderungen der Gläubiger ihrer Ehemänner schützten.

    Welche Entwicklungen und Auswirkungen hat das eheliche Güterrecht im Judentum des deutschen Sprachraums auf das Verhältnis der Geschlechter und zur christlichen Mehrheits-gesellschaft in der Frühneuzeit gehabt? Dr. Birgit Klein geht dieser Frage anhand jüdischer Heiratsverträge und Eheberedungen, anhand rabbinischer Rechtsgutachten sowie anderer inner-jüdischer Quellen nach. Und auch eine andere Perspektive wird beleuchtet: Wie war es um die Rechtswirklichkeit bestellt? Akzeptierten Obrigkeit und Richter die jüdische Rechtspraxis oder schränkten sie diese ein?

    Dr. Birgit Klein, Jahrgang '61, studierte in Bonn, Jerusalem und Heidelberg parallel Evangelische Theologie und Judaistik. Sie legte sowohl ihr Kirchliches Examen als auch die Magisterprüfung im Fach "Jüdische Studien" ab. Anschließend arbeitete sie als wissen-schaftliche Mitarbeiterin am Institut für Judaistik der FU Berlin ('93-'96) und in gleicher Position im Fach Jüdische Studien der Mercator-Uni bei Prof. Dr. Michael Brocke ('96-'98). Hier schloss sie auch ihre Promotion ab. Seit Oktober '98 arbeitet sie im deutsch-israelischen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt "Germania Judaica IV", das die Geschichte der Juden in Deutschland (1520-1650) untersucht (Leitung: Prof. Dr. Stefan Rohrbacher, Jüdische Studien, Uni Duisburg; Profs. Drs. Michael Toch und Jisrael Yuval, Hebräische Universität Jerusalem).

    Dr. Susanne Hahn
    Rationale Narren?

    Mit der Vergabe des Nobelpreises hat die Spieltheorie Furore gemacht. Doch wie zuverlässig sind ihre Aussagen? Dr. Susanne Hahn befasst sich in ihrer Habilitation vor allem mit dem Rationalitätskonzept der Spiel- und Entscheidungstheorie und überprüft die verschiedenen alten und neuen Ansätze.

    Das Problem ist: Wenn man sich nicht so rational verhält, wie es die Theorie eigentlich vorsieht, ist man in der Praxis dennoch oft erfolgreicher. Braucht man dann die Theorie noch, oder müssen vielleicht Teile umgeschrieben werden?

    Konkret: Der Held der Spiel- und Entscheidungstheorie ist der wirtschaftlich agierende Mensch (homo oeconomicus), der sich im Zweifel immer so entscheidet, dass er selbst davon den größten Nutzen hat. Er geht auch davon aus, dass sich die anderen ebenfalls nach diesem Grundprinzip richten und kalkuliert dies in seinen Entscheidungen ein.

    In der Praxis geht dieses Konzept jedoch nicht immer auf: wir verfolgen eben nicht nur rigoros unseren Eigennutz, handeln also im Sinne der Theorie irrational. Dennoch ist diese Strategie oft erfolgreicher, als wenn ausschließlich nach dem homo oeconomicus-Prinzip gehandelt würde. Dr. Susanne Hahn fragt in ihrer Habilitation deshalb nach dem Zweck der Rationalitäts-theorie und überprüft verschiedene neue Varianten.

    Dr. Susanne Hahn, Jahrgang '64, studierte in Essen und Duisburg Neuere Geschichte, Philosophie und Germanistik, promovierte 1998 im Fach Philosophie (Essen) und arbeitete anschließend an der Mercator-Uni am Projekt der Deutschen Forschungs-gemeinschaft "Rationierung von Gesundheitsleistungen" unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Kliemt mit. Von 1998 bis 2000 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Philosophie bei Prof. Dr. Hartmut Kliemt.


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Philosophie / Ethik, Religion, Wirtschaft
    überregional
    Personalia
    Deutsch


     

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