Seltene Bindegewebstumoren brauchen spezialisierte Zentren
1,9 Mio Euro für die rasche Umsetzung von Forschung in die Therapie
Weichteilsarkome sind selten. Das ist ein Hemmschuh für die wissenschaftliche Erforschung der Krankheit, denn nur in wissenschaftlichen Studien mit genügend Patienten kann die Wirksamkeit neuer Therapien sinnvoll untersucht werden.
Und Weichteilsarkome sind schwierig zu behandeln. Die Tumore, die in jeder Körperregion und in jedem Lebensalter vorkommen können, benötigen eine große Bandbreite ärztlicher Expertise: Chirurgen, Strahlentherapeuten, erfahrene Onkologen für die Chemotherapie, Radiologen, die den Tumor orten und Pathologen, die ihn exakt einordnen, werden gebraucht. Nur große Zentren wie Universitätskliniken verfügen über eine derartig geballte Fachkompetenz, die gewährleistet, dass der Patient optimal behandelt wird. Und nur dort ist es möglich, wissenschaftliche Studien mit genügend Patienten zur Erforschung der Erkrankung durchzuführen.
Je mehr universitäre Zentren sich dazu zusammenschließen, desto schneller gibt es nutzbare Erkenntnisse für die Erkrankten. Aus diesem Grund fördert die Deutsche Krebshilfe das Verbundprojekt "Molekulare Diagnostik bei Sarkomen: Grundlagen innovativer, molekular gerichteter Therapien" an den Universitätskliniken Bonn, Heidelberg, Mannheim, Mainz und Tübingen mit insgesamt 1,9 Millionen Euro. Die wichtige Koordination und standardisierte Dokumentation des Studienverbundes wird von Prof. Dr. Jörg Thomas Hartmann von der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen geleitet. Der interdisziplinäre wissenschaftliche Verbund will Ergebnisse der Grundlagenforschung umfassend und koordiniert in die klinische Anwendung bringen und arbeitet mit Molekularbiologen, Pathologen, Chirurgen, Onkologen, Radiotherapeuten und Bioinformatikern eng zusammen.
Prof. Dr. Jörg Thomas Hartmann, Hämatoonkologe und Leiter des Zentrums für Weichteilsarkome, GIST und Knochentumoren (ZWS**) des Universitätsklinikums Tübingen: "Wir brauchen eine zielgerichtete, patientenorientierte, klinische, aber auch präklinische Forschung für diese seltenen Tumoren um damit die Versorgung in Deutschland auf ein international akzeptables Niveau zu heben." Dies vor allem, weil die forschende Pharmaindustrie in diesem relativ seltenen Erkrankungssektor nicht spürbar vertreten ist.
Erstmals besteht durch die Förderung die Möglichkeit, verschiedene Fachdisziplinen im größeren Maßstab, über einen einzelnen Standort hinaus, im Verbund zu organisieren. Durch die parallele Förderung der präklinischen Forschung sowie von strukturverbesserenden Maßnahmen, der systematischen Datenaquirierung und -auswertung, wird erwartet, dass sich die Versorgung der Patienten im Einzugsgebiet des Studienverbundes erheblich verbessert.
"Seltene Bindegewebstumoren brauchen hochspezialisierte Zentren" betont Prof. Dr. Jörg Thomas Hartmann. Dort finden Patienten alle Fachdisziplinen, die sie benötigen. Wie beispielsweise Frau K., 32 Jahre, die vor einigen Jahren im Bereich des rechten Schulterblattes an einer Sonderform eines Weichteilsarkoms erkrankte. Schon die Bestimmung der entsprechenden Weichteilsarkom-Sonderform durch den Pathologen war schwierig. Die Patientin musste im Anschluss mehrmals operiert und bestrahlt werden. Im Rahmen der Nachkontrollen zeigten sich jedoch immer wieder Absiedlungen von Krebszellen des Sarkoms in der Nähe des ehemaligen Operationsgebiets. Der Befall war schließlich so ausgedehnt, dass eine weitere chirurgische Behandlung die Entfernung des Arms bedeutet hätte. Eine Chemotherapie zeigte in diesem speziellen Fall nur mäßige Wirkung. Allerdings zeichnete sich Hilfe durch neue Medikamente ab. Prof. Hartmann: "Durch die zunehmende molekularbiologische Differenzierung von Sarkomen konnten in den letzten Jahren vermehrt wirksame Medikamente für bestimmte Sonderformen der Erkrankung entwickelt werden. Es gibt kein Sarkom als solches, sondern die Erkrankungsgruppe besteht aus einer Vielzahl von biologisch sehr unterschiedlich verlaufenden Erkrankungen." Bei Frau K. konnte mit einem zielgerichteten Medikament das Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden. Das Medikament wird sie nun dauerhaft einnehmen.
Weitere Beispiele für sehr gute Behandlungsmöglichkeiten bei Sarkomen sind der gastrointestinale Stromatumor (vom Bindegewebe ausgehender Tumor des Magen-Darm-Traktes, GIST), das Dermatofibrosarcoma protuberans (ein Weichteiltumor der Haut) oder das großzellige Fibroblastom (ein bestimmter Haut- und Unterhautkrebs)", erklärt Prof. Hartmann. "Darüber hinaus sind für einen Großteil der Patienten mit Sarkomen des erwachsenen Typs derzeit konventionelle Zellgifte (Chemotherapie) noch die Therapie der Wahl", so Hartmann, "allerdings wird inzwischen differenzierter behandelt."
** Zentrum für Weichteilsarkome, GIST und Knochentumore (ZWS)
Am Universitätsklinikum Tübingen ist das Zentrum für Weichteilsarkome, GIST und Knochentumore (ZWS) im Südwestdeutschen Tumorzentrum (CCC) maßgeblicher Träger einer qualitätsgesicherten Diagnostik und Therapie von Sarkompatienten sowie Initiator und Koordinator klinischer Studien und translationaler Forschungsprojekte. Innerhalb des geförderten Studienverbundes ist es Aufgabe des ZWS, den Patienteneinschluss zu koordinieren sowie die standardisierte Dokumentation der klinischen Patientendaten sicherzustellen. Hierbei werden in enger Kooperation mit den Kooperationspartnern Datenbanken zur Speicherung der klinischen Daten generiert. Ziel ist dabei einerseits die konsistente Behandlung und Dokumentation im Verbundprojekt, die damit die Grundlage für eine Auswertung der molekularen Marker zur Therapiestratifizierung oder auch zum Therapiemonitoring schaffen soll. Andererseits soll der Verbund es ermöglichen, für Subtypen von Sarkomen ausreichende Patientenzahlen zu rekrutieren, die eine Hypothesengenerierung und deren Prüfung in kontrollierten klinischen Studien ermöglichen.
Ansprechpartner für nähere Informationen
Universitätsklinikum Tübingen
Südwestdeutsches Tumorzentrum / Comprehensive Cancer Center
Zentrum für Weichteilsarkome, GIST und Knochentumore (ZWS)
Prof. Dr. med. Jörg Thomas Hartmann
Tel. 07071/28-8 21 27, Fax 07071/29-43 99
Joerg.hartmann@med.uni-tuebingen.de
Prof. Dr. med. Jörg Thomas Hartmann
Quelle: Uniklinikum Tübingen
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin
überregional
Forschungsprojekte, Wettbewerbe / Auszeichnungen
Deutsch

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