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06.12.2008 23:00

EPO auf dem Prüfstand - Einsatz von Erythropoetin bei Tumorpatienten erhöht Sterblichkeit

Sina Vogt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Uniklinik Köln

    Eine Kölner Forschergruppe um Prof. Andreas Engert, Leitender Oberarzt der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln hat herausgefunden, dass die Mortalität unter Gabe von Eryhtropoetin (1) um 17 Prozent steigt.

    Die Cochrane Review Gruppe (2) für Hämato-Onkologische Erkrankungen (CHMG) hat dazu mit internationalen Kolleginnen und Kollegen alle bisherigen Studien zu Erythropoetin ausgewertet.
    Bisher wird Erythropoetin, ein physiologischer Stoff, bei Tumorpatienten angewendet, die aufgrund der Behandlung, wie zum Beispiel Chemotherapie, an Blutarmut (Anämie) leiden, gegeben. Auch bei Dialysepatienten ist der Wirkstoff im Einsatz, bekannt wurde er durch den Missbrauch als Dopingmittel im Leistungssport. Durch die Gabe von Erythropoetin wird die Bildung der roten Blutkörperchen angefacht, die bei einer Anämie fehlen.
    Nach über einem Jahrzehnt Einsatz von Erythropoetin veröffentlichte die Gruppe um Prof. Engert schon 2005 eine Aufsehen erregende Studie: Der Stoff bewirkte häufig Thrombosen als ernsthafte Nebenwirkung. Seither ist Eryhtropoetin in der kritischen Diskussion. Weltweit werden jährlich Erythropoetine im Wert von 10 Milliarden Dollar umgesetzt.

    Die Studie
    Auf diesem Hintergrund entstand das Projekt "Wirksamkeit von Erythropoietinen bei Tumorpatienten: eine Meta-Analyse basierend auf individuellen Patientendaten".
    Die an der Uniklinik Köln ansässige Cochrane Gruppe für Hämato-Onkologische Erkrankungen (CHMG) hat damit eine unabhängige Meta-Analyse basierend auf individuellen Patientendaten erstellt. Es wurden Daten von 13933 Patienten aus 53 Studien ausgewertet werden. Dabei wurden nur randomisiert kontrollierte Studien berücksichtigt.
    Die Ergebnisse dieser Analyse sind so interessant, dass sie als eins von insgesamt sechs Abstrakts in die "late breaking news" Session der weltweit größten Konferenz der Hämatologen (ASH Annual Meeting) berücksichtigt werden. Ebenso erfolgt eine Aufnahme in die Pressekonferenz des ASH Annual Meetings am 7. Dezember 2008.
    Die Cochrane Review Gruppe für Hämato-Onkologische Erkrankungen (CHMG) ist eine von 51 Reviewgruppen der Cochrane Collaboration und folgt als diese den Regeln der Cochrane Collaboration.
    Die Editorial Base (3) der CHMG unter der Leitung von Prof. Dr. med. Andreas Engert befindet sich an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln.
    Die Editorial Base der CHMG wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF sowie das Förderprogramm der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln "Köln Fortune" gefördert

    Die Folgen

    Die Ergebnisse der Studie führten schon zu einer Reaktion der US-amerikanischen Zulassungsbehörden: Eryhtropoetin darf bei Tumorpatienten nur noch gegeben werden, wenn diese eine Chemotherapie erhalten oder erhalten haben.
    Nutzen und Risiken der Behandlung müssen nun im Einzelfall völlig neu abgewogen werden.

    (1) Erythropoetin ist ein Glykoprotein-Hormon, das als Wachstumsfaktor für die Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) während der Blutbildung (Hämatopoese) von Bedeutung ist. Es wird künstlich hergestellt als Medikament vorwiegend bei der Behandlung der Blutarmut, zum Beispiel nach aggressiven Chemotherapiezyklen oder bei Dialysepatienten, eingesetzt. Daneben erwarb sich EPO durch zahlreiche Dopingskandale insbesondere im Radsport den zweifelhaften Ruf als "Radfahrerdroge".

    (2) Die Cochrane Collaboration (CC) ist eine internationale gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, aktuelle Informationen und Evidenz zu therapeutischen Fragen allgemein verfügbar zu machen, um Medizinern Entscheidungen zu erleichtern und Patienten aufzuklären. Dies wird vor allem durch die Erstellung, Aktualisierung und Verbreitung systematischer Übersichtsarbeiten ("systematic reviews") erreicht. Die Cochrane Collaboration wurde 1993 gegründet und nach dem britischen Epidemiologen Sir Archibald Leman Cochrane benannt.

    Das zentrale Ziel dieses internationalen Netzwerks von Wissenschaftlern, Ärzten und Patienten ist die Erstellung, Aktualisierung und Verbreitung systematischer Übersichtsarbeiten (sog. Cochrane Reviews) zur Bewertung medizinischer Interventionen.
    Die Cochrane Gruppe für Hämato-Onkologische Erkrankungen (CHMG) ist eine von 51 Reviewgruppen der Cochrane Collaboration.
    Die CHMG wurde im Jahre 2000 gegründet. Die Editorial Base (3) der CHMG unter der Leitung von Prof. Dr. med. Andreas Engert befindet sich an der Klinik I für Innere Medizin des Klinikums der Universität zu Köln. Neben den Mitarbeitern in Köln sind Editoren aus Brasilien, Deutschland, Dänemark, Großbritannien, Israel und den USA an der Weiterentwicklung der Reviews aktiv beteiligt. Zusammen mit Autoren und Patienten aus über 20 weiteren Ländern bilden sie ein aktives Netzwerk.
    Als Teil der Cochrane Collaboration befasst sich die CHMG mit der Bewertung von Verfahren zur Diagnose und Therapie erwachsener Patienten mit Hämato-Onkologischen Erkrankungen.

    (3) Die Editorial Base ist ein kleines Team von Mitarbeitern, welches für die Planung, Koordination, Überwachung und Qualitätssicherung der Arbeit der jeweiligen Cochrane Reviewgruppe verantwortlich ist.

    Konferenz Infos:
    50th ASH Annual Meeting and Exposition, December 6-9, 2008, San Francisco, CA
    http://www.hematology.org/meetings/2008/

    Zeitpunkt / Ort der Präsentation:
    "Treatment Advances in Leukemia and Lymphoma" press briefing
    that will take place on Saturday, December 6 from 2:00 to 3:30 pm.
    Die zugeordnete Presseinfo des ASH, wird direkt vom ASH zugesandt.
    Medien Kontakt ASH (auch wegen Teilnahme an Pressekonferenz)
    http://www.hematology.org/media/guidelines.cfm

    Link zum wissenschaftlichen Abstrakt der Studie
    http://ash.confex.com/ash/2008/webprogram/Paper15815.html

    Für Rückfragen:
    Prof. Dr. med. Andreas Engert
    Co-ordinating Editor - Cochrane Haematological Malignancies Group (CHMG)
    Klinik I für Innere Medizin
    Uniklinik Köln
    Kerpener Str. 62
    D-50924 Köln
    Phone: +49-221-478-5933 / 5966
    Fax: +49-221-478-3778
    Mail: a.engert@uni-koeln.de
    Sina Vogt
    Pressesprecherin Uniklinik Köln
    Phone: +49-221-478-5548
    Mail: pressestelle@uk-koeln.de


    Weitere Informationen:

    http://www.hematology.org/meetings/2008/
    http://www.hematology.org/media/guidelines.cfm
    http://ash.confex.com/ash/2008/webprogram/Paper15815.html


    Bilder

    Prof. med. Andreas Engert
    Prof. med. Andreas Engert
    Quelle: MFK


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Prof. med. Andreas Engert


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