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05.12.2008 17:47

Abschaffung des Sportunterrichts in der Grundschule?

Frederik Borkenhagen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft

    Die Kultusministerkonferenz hat am 16. Oktober 2008 die sog. "Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung" beschlossen. Das in diesem Zusammenhang für das Fach Sport erstellte Fachprofil für den Bereich der Primarstufe ist aus Sicht der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) fachwissenschaftlich und fachdidaktisch inakzeptabel. Bewegung, Spiel und Sport würden demnach in der Grundschule künftig nur noch eine unbedeutende Nebenrolle einnehmen. Die dvs appelliert an die zuständigen Ministerien der Länder, diese Vorgaben der KMK nicht umzusetzen, und fordert die KMK auf, den Beschluss zu revidieren.

    Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat am 16. Oktober 2008 die sog. "Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung" beschlossen. In diesen Richtlinien für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern an den Hochschulen und Universitäten in Deutschland werden für alle Unterrichtsfächer und -bereiche sog. "Fachprofile" entwickelt, die Ausbildungsinhalte in den Lehramtsstudiengängen vorgeben sollen und damit letztlich auch die Ausgestaltung des Fachunterrichts an den Schulen bestimmen.

    Das in diesem Zusammenhang für das Fach Sport erstellte Fachprofil für den Bereich der Primarstufe ist aus Sicht der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft fachwissenschaftlich und fachdidaktisch inakzeptabel. In der vorgesehenen Verbindung der Fächer Kunst, Musik und Sport zu einem Bereich "Ästhetische Bildung" in der Grundschule nehmen Bewegung, Spiel und Sport nur noch eine unbedeutende Nebenrolle ein. Dies spiegelt in keiner Weise die tatsächliche Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die Entfaltung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wider. Die dvs appelliert daher an die zuständigen Ministerien der Länder, diese Vorgaben der KMK nicht umzusetzen, und fordert die Präsidentin der KMK, die saarländische Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, auf, den Beschluss der KMK zu revidieren.

    "Der Beschluss der KMK wird den Kindern in ihrer Entwicklung nicht helfen, sondern er wird ihnen schaden", so der Präsident der dvs, Prof. Dr. Bernd Strauß von der Universität Münster. "Insbesondere die im Rahmen des Profils 'Grundschulbildung' entwickelten Anforderungen für den Studienbereich 'Ästhetische Bildung: Kunst, Musik, Bewegung' stoßen unter unseren Kolleginnen und Kollegen auf breite Ablehnung. Im Vergleich zu den anderen Studienbereichen für die Primarstufe nimmt im vorliegenden Papier das Fach Sport nur noch eine unbedeutende Nebenrolle ein - der Sportunterricht wird damit faktisch abgeschafft. Dies entspricht in keiner Weise den an anderer Stelle von der KMK und den einzelnen Länderministerien getroffenen Aussagen über die Bedeutung von Sport und Bewegung für Kinder im Grundschulbereich."

    "Die in vielen Bundesländern geförderten Konzepte der Bewegten Schule oder der täglichen Sportstunde werden durch die jetzt vorgesehene Einbindung des Faches Sport in den Studienbereich 'Ästhetische Bildung' im Grundschulbereich geradezu konterkariert", erläutert der Sprecher der dvs-Sektion Sportpädagogik, Prof. Dr. Nils Neuber (Münster).

    Die Erkenntnisse des "Zweiten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts", der die herausgehobene Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die Entwicklung von Kindern auf der Grundlage zahlreicher empirischer Studien belegt, werden vollständig ignoriert. "Nicht die Reduzierung, sondern die Aufstockung von Ausbildungsinhalten im Bereich Sport und Bewegung sind aus unserer Sicht die logische Konsequenz aus diesen Befunden", so Neuber weiter. Die Einführung eines verpflichtenden Moduls "Bewegung, Spiel und Sport" für Primarstufenstudierende aller Studienrichtungen ist aus Sicht der dvs zwingend notwendig, um die Entwicklung von Grundschülern heute adäquat zu fördern.

    Dvs-Präsident Bernd Strauß: "Die Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler Deutschlands appellieren mit großem Nachdruck an die KMK, eine umgehende Revision des Fachprofils Sport, insbesondere im Bereich der Grundschulbildung, vorzunehmen. Die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft ist gerne bereit, hierbei konstruktiv mitzuwirken, um die von der KMK angestrebte, bislang jedoch nicht zufriedenstellend umgesetzte Einbindung fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Kompetenz bei der Ausgestaltung dieser inhaltlichen Anforderungen sicherzustellen."

    Kontakt
    Prof. Dr. Bernd Strauß, Präsident der dvs, Universität Münster, Institut für Sportwissenschaft, Horstmarer Landweg 62b, 48149 Münster, Tel. (0251) 833-2316, eMail: bstrauss@uni-muenster.de
    Prof. Dr. Nils Neuber, Sprecher der dvs-Sektion Sportpädagogik, Universität Münster, Institut für Sportwissen­schaft, Horstmarer Landweg 62b, 48149 Münster, Tel. (0251) 833-2361, eMail: nils.neuber@uni-muenster.de
    dvs-Geschäftsstelle, Bei der Neuen Münze 4a, 22145 Hamburg, Tel.: (040) 67941212, info@sportwissenschaft.de


    Weitere Informationen:

    http://www.sportwissenschaft.de - Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Pädagogik / Bildung, Sportwissenschaft
    überregional
    Schule und Wissenschaft, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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