Dieser Eindruck entstand auf dem diesjährigen DIE Forum am 1. und 2. Dezember 2008, welches unter dem Motto "Zukunftsfrage Grundbildung - Nationale Fragen im internationalen Diskurs" stand.
Die Menschen, die für Alltag und Berufsleben nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können, sind seit Jahrzehnten in der öffentlichen und bildungspolitischen Wahrnehmung nur eine Randgruppe. Mit Blick auf die Ergebnisse von PISA und auf Meldungen zur Zunahme von Schulverweigerung und Schulabbruch wird jedoch deutlich, dass es sich um ein Zukunftsthema - auch und gerade für einen Industriestaat - handelt.
Dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE), das schon seit 30 Jahren in Deutschland Fragen von Alphabetisierung untersucht und die Praxis begleitet, ist es mit diesem Forum gelungen, auf bereits existierende Konzepte und Erfahrungen im Ausland aufmerksam zu machen und den Austausch unterschiedlicher Akteure, die sich mit Fragen von Alphabetisierung und Grundbildung beschäftigen, anzuregen.
Die vorgestellten national groß angelegten Alphabetisierungsprogramme seit Ende der 90er Jahre in England, Schottland und Irland erregten wohl den Neid mancher Vertreter aus Deutschland. Doch Deutschland sei mit seiner Strategie "erst forschen, dann handeln" auf dem richtigen Weg, bescheinigten die internationalen Referenten Frau Dr. Schubert vom BMBF während einer Podiumsdiskussion.
Es wurde allerdings auch deutlich, dass in anderen europäischen Ländern längst öffentlich akzeptiert ist, dass es dort Menschen gibt, die nicht ausreichend lesen und schreiben können. Ein wichtiger Effekt ist, dass dann Gelder für die Erwachsenenbildung zur Verfügung gestellt werden und Alphabetisierung nicht nur als Aufgabe der Schule oder der Frühförderung von Kindern gesehen wird. Wie wichtig gerade auch der Einsatz für Erwachsene ist, zeigen Studien aus England, wo die Abhängigkeit der Kinder von den Kompetenzen der Eltern nachgezeichnet und gezeigt wurde, wie sich Verbesserungen bei den Eltern positiv bei den Kindern auswirken.
Prof. Ekkehard Nuissl von Rein, der wissenschaftliche Direktor des DIE, fasste die wichtigsten Ergebnisse des Forums abschließend in zehn Punkten zusammen. Unter anderem empfahl er, viele grundlegende Fragen gründlich wissenschaftlich zu erforschen und die Ergebnisse mit der Politik zu diskutieren. Es stellt sich bei geschätzten 80 Millionen Menschen europaweit die Frage, wie man sie erreicht und zur Kursteilnahme motiviert und wie man sie in die Diskussion und Entwicklung von Programmen einbeziehen kann. Kursleitende müssen sich speziell qualifizieren können und Akteure müssen in Netzwerken gemeinsam auf eine kohärente Strategie hin arbeiten, damit ein sinnvolles Gesamtkonzept entsteht und Gelder sinnvoll an verschiedenen Stellen eingesetzt werden können.
Zum 11. Mal organisierte das DIE ein Forum für Vertreter aus Politik, Praxis und Wissenschaft zum Austausch über Probleme und Strategien aktueller Fragen der Erwachsenenbildung.
Kontakt:
Daniela Jung
Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung e.V.
Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen
German Institute for Adult Education
Leibniz Centre for Lifelong Learning
Friedrich-Ebert-Allee 38
53113 Bonn
T +49 (0)228 3294-181
F +49 (0)228 3294-4181
daniela.jung@die-bonn.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Gesellschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Pädagogik / Bildung, Psychologie, Sprache / Literatur
überregional
Studium und Lehre, Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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