Wissenschaft jenseits von Science Fiction: Jacobs University beteiligt sich am CyberEmotions-Project der EU

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07.01.2009 12:11

Wissenschaft jenseits von Science Fiction: Jacobs University beteiligt sich am CyberEmotions-Project der EU

Dr. Kristin Beck Corporate Communications & Media Relations
Jacobs University Bremen

    Für die Erforschung emotionaler Reaktionen im Rahmen des CyberEmotions-Projektes der EU erhält die Jacobs University rund 420.000 Euro. Im Fokus des CyberEmotions-Konsortiums stehen sowohl der Nachweis als auch die Entstehungsmechanismen kollektiver Emotionen in Internet-Communities und deren Rolle für das emotionale Klima in unserer Gesellschaft. An dem Projekt, das Anfang 2009 mit vierjähriger Laufzeit startet, beteiligen sich Emotionspsychologen, Informatiker, Theoretische Physiker sowie Experten für Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität und Komplexe Systeme von 9 Forschungseinrichtungen aus 6 EU-Ländern. Projektleiter an der Jacobs University ist Psychologieprofessor Arvid Kappas.

    In den vergangenen Jahren hat das wissenschaftliche Interesse an Komplexen Systemen stark zugenommen, da sich zunehmend zeigt, wie viele Phänomene sich in den unterschiedlichsten Bereichen durch Eigenschaften erklären lassen, die durch Interaktionen einzelner Komponenten in umfangreichen Systemen entstehen. Aufgrund der großen Bedeutung, sowohl für die Theoriebildung als auch für die Anwendung, hat sich die Europäische Kommission zum Ziel gesetzt, die Erforschung solcher Systeme mittels "innovativer unkonventioneller Forschungsansätze und Grundlagenforschung in ausgewählten Bereichen von gesellschaftlicher und industrieller Relevanz" in ihrem 7. Rahmenprogramm "Zukünftige und neu entstehende Technologien" zu fördern. In diesem Kontext möchte das mit insgesamt 3,6 Mio. Euro finanzierte CyberEmotions-Konsortium zur Entwicklung von sozial intelligenter Informations- und Kommunikationstechnologie beitragen.

    Das Forscherteam der Jacobs University unter der Leitung des Emotionsforschers Arvid Kappas wird im Rahmen des CyberEmotions-Projektes Messungen von physiologischen Parametern wie beispielsweise die Herzfrequenz oder die Aktivität bestimmter Gesichtsmuskeln durchführen, während Probanden im Internet in Blogs oder Foren aktiv sind. Diese Daten werden, zusammen mit den eigenen Aussagen der Studienteilnehmer zu ihren Gefühlsveränderungen, mittels hochentwickelter, auf der Theorie Komplexer Systeme basierender Computermodelle analysiert. Die Forscher versprechen sich unter anderem Aufschluss darüber, welche Kombinationen von Faktoren kollektive emotionale Veränderungen in großen Gruppen online vernetzter Internetnutzer hervorruft und warum.

    "Eine der größten Herausforderungen in der Emotionsforschung der kommenden Jahre wird es sein, die Befunde zu Gefühlen von Individuen und zu einfachen menschlichen Interaktionen in Beziehung zu setzen zu den riesigen Netzwerken von Menschen im Cyberspace", glaubt Arvid Kappas. Das menschliche Hirn und die emotionale Ausstattung der Menschen habe sich vor mehreren hunderttausend Jahren entwickelt, als die Menschen in kleinen Gruppen mit sehr stabilen, oft lebenslangen Beziehungen zwischen den Individuen lebten, so der Psychologieprofessor. "Im Internet finden wir jedoch eine völlig andere Situation vor: Wenn hier jemand etwas Provokatives oder Befremdliches schreibt, sind unzählige Menschen, die sich nie zuvor getroffen haben, damit konfrontiert, diskutieren und ändern unter Umständen innerhalb weniger Minuten oder Stunden ihre Meinung. Wie reagiert das Gehirn in solchen Situationen? Gegenwärtig wissen wir praktisch nichts über derartige Phänomene kollektiver Gefühle."

    Durch die große Bandbreite der beteiligten Disziplinen hoffen die Forscher des CyberEmotion-Konsortiums, die kollektiven Emotionen von Menschen im Cyberspace nicht nur zu analysieren und zu verstehen: "Wir wollen zukünftig auch das Auftauchen solcher Phänomene vorhersagen, und, wenn sich wirklich kritische kollektive Gefühlslagen zusammenbrauen, mittels intelligenter Webtechnologien, die wir im Konsortium entwickeln und testen, auch deeskalierend intervenieren können", so Emotionsforscher Kappas abschließend. An dem Konsortium sind, neben der Jacobs University, außerdem auch forschergruppen an der TU Warschau, der TU Berlin, der ETH Zürich, der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL), des Jožef Stefan Instituts in Ljubljana, des Österreichischen Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz in Wien, der University of Wolverhampton und die polnische Internet-Marktforschungsagentur Gemius beteiligt.

    Weitere Informationen unter: http://www.cyberemotions.eu

    Fragen zu der Studie für die Jacobs Ubiversity beantwortet:
    Prof. Dr. Arvid Kappas | Professor of Psychology
    (http://www.jacobs-university.de/directory/akappas/index.php)
    Tel.: +49 421 200-3441 | E-Mail: a.kappas@jacobs-university.de


    Weitere Informationen:

    http://cordis.europa.eu/fp7/ict/fet-proactive/home_en.html EU-Initiative zu "Future and Emerging Technologies"
    http://ec.europa.eu/information_society/events/fet/2009/index_en.htm The Future European Technology Conference 2009 "Science beyond Fiction"
    http://www.euresearch.ch/index.php?id=56&L=http%3A%2F%2Fbusca.uol.com.br%2Fuol%2Findex.html 7. Rahmenprogramm "Zukünftige und neu entstehende Technologien"


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Informationstechnik, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Physik / Astronomie, Psychologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


    "Messung" von Gefühlen im Labor für Sozial- und Verhlatensforschung der Jacobs University: Schon geringste Änderungen in der Aktivität von Gesichtsmuskulatur erlauben Rückschlüsse über die Emotionen von Probanden.


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