Bei der Diskussion "Ein Lehrer, viele Länder, keine Ahnung? - Perspektiven einer Lehrerausbildung für den Umgang mit kultureller Vielfalt" am 15. Januar 2009 in der Bucerius Law School in Hamburg diskutierten mit Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu, Professorin für Interkulturelle Bildung an der Universität Bremen, Hamburgs Schulsenatorin Christa Goetsch, der Bildungsforscher und Professor für Pädagogik an der Universität Zürich, Dr. Jürgen Oelkers, und der aus Ägypten stammende Hamburger Lehrer Faried Ragab, es moderierte Martin Spiewak, DIE ZEIT, Hamburg.
Zu Beginn sprach Dr. Yasemin Karakasoglu über "Das interkulturelle Klassenzimmer - Realität oder Vision?" Interkulturelle Lernsituationen würden in der Schule oft als konflikthaft wahrgenommen. Dabei seien sie doch auch eine Bereicherung. Häufig gingen Lehrer noch von einer Schüler-Normalbiografie aus, wie sie sie aus ihrer eigenen Erfahrung als Schüler erinnern. Dieses Bild verfehlt die extrem veränderte Realität, gerade in Großstädten. "Alleine die Forderung nach mehr Lehrern mit Migrationshintergrund an deutschen Schulen reicht für eine stärkere interkulturellen Kompetenz von Schulen nicht aus", so Karakasoglu. "Zum einen, weil Migrationshintergrund nicht automatisch auch interkulturelle Kompetenz bedeutet, zudem brauchen gerade Lehrer mit Migrationshintergrund für die psychisch besonders belastende Mediatorenrolle aktive Unterstützung. Wenn Lehrer mit Migrationshintergrund qua Herkunft für alles Interkulturelle an der Schule zuständig erklärt werden, schiebt das die Verantwortung weg von den anderen Beteiligten. Lehrer mit Migrationshintergrund müssen selbstverständlich werden. Das ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit - als selbstverständliche Entsprechung einer Schulrealität zur multikulturellen Realität außerhalb der Schule."
Christa Goetsch unterstrich: "Wir brauchen angesichts von fast 50 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund mehr Lehrkräfte mit kultureller Vielfalt. Wir müssen die Lernkultur verändern, um auch die Talente von Kindern aus Einwandererfamilien stärker zu fördern."
Der Podiumsdiskussion veranstalteten die Stiftung der Deutschen Wirtschaft und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius gemeinsam. Beide Stiftungen engagieren sich in diversen Projekten für die Qualifizierung von Lehrern und für die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die ZEIT-Stiftung, Frauke Hamann, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Feldbrunnenstraße 56, 20148 Hamburg, Tel. 040 41336871, E-Mail: hamann@zeit-stiftung.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
regional
Schule und Wissenschaft
Deutsch

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