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22.01.2009 15:19

Mit warmen Getränken gegen kühle Empfänge: Symposium an der LMU diskutiert über Metaphern

Luise Dirscherl Referat Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Denkt man noch an ein Tier, wenn man das Wort "Mausklick" hört? Und hat ein kühler Empfang mit niedrigen Temperaturen zu tun? Metaphern sind in den Sprachen der Welt ebenso allgegenwärtig wie unauffällig. Beim 5. Symposium des Interdisziplinären Zentrums für Kognitive Sprachforschung (ICCLS) an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München diskutieren Linguisten, Kognitions- und Neurowissenschaftler über das Spannungsfeld von Konventionalität und Originalität figurativer Sprache und ihrer kognitiven und neuronalen Verarbeitung.

    Das Symposium beginnt am 29. Januar in Raum 153, Rückgebäude Schellingstraße 3, und wird am 30. Januar im Senatssaal der LMU, Geschwister-Scholl-Platz 1, fortgesetzt.

    Im Herbst 2008 sorgte eine amerikanische Studie für Aufsehen. Versuchspersonen, die zur Begrüßung ein warmes Getränk bekommen hatten, zeigten sich danach eher geneigt, andere Menschen positiv einzuschätzen, als solche, die etwas Kaltes in der Hand hielten. Die Tests bestätigten nicht nur die naheliegende Vermutung, dass die doppelte Bedeutung des Wortes warm kein Zufall ist, sondern zeigten darüber hinaus, dass die Empfindung physikalischer und emotionaler Wärme auch in derselben Region des Hirns lokalisiert werden kann. Dass tot geglaubte Metaphern und Metonymien, also zum Beispiel Teil-Ganzes-Beziehungen wie "Das Weiße Haus hat mitgeteilt", besonders tief in unserem kognitiven System verankert sind, ist auch eine der Grundannahmen der konzeptuellen Metapherntheorie. Dieser Theorie zufolge sind vor allem die verblassten, unauffälligen Metaphern wie "ein warmer Empfang" oder "das kostet viel Zeit" von besonderer Bedeutung für unser Verständnis gerade abstrakter und komplexer Inhalte, weil sie auf grundlegenden Erfahrungen beruhen und mühelos und automatisch verarbeitet werden.

    Auch linguistische Forschungsansätze, die dieser Annahme skeptisch gegenüberstehen, wie die sogenannte Relevanztheorie, argumentieren, dass das Verständnis von Metaphern auf denselben Verstehensprozessen beruht wie das wörtlicher Ausdrücke. Sie gehen aber nicht von einer kognitiven Speicherung und Fundierung metaphorischer Bedeutung aus, sondern führen die in der Regel mühelose Interpretation von Metaphern in der Alltagssprache auf das allgemeine Prinzip der Suche nach Relevanz zurück.

    Das hochkarätig besetzte 5. Symposium des Interdisziplinären Zentrums für Kognitive Sprachforschung widmet sich der Diskussion einer Reihe von aktuellen Fragen und Spannungsfeldern in der Forschung zu figurativer Sprache. Für das Symposium konnten Experten aus verschiedenen Forschungsfeldern gewonnen werden, darunter der Relevanztheorie (Deirdre Wilson, University College London) und der konzeptuellen Metapherntheorie (Friedrich Ungerer, Halle) sowie Kognitions- und Neurowissenschaftlerinnen. Seana Coulson, Kognitionswissenschaftlerin an der Universität San Diego, wird der Frage nach der Verarbeitung von Metaphern im Gehirn nachgehen und über Studien berichten, die vermuten lassen, dass originelle Metaphern eher in der rechten Hirnhälfte und konventionelle Metaphern eher in der linken verarbeitet werden. Cornelia Müller, Spezialistin für Gestenforschung an der Universität Frankfurt/Oder, wird sich für eine dynamische Theorie des Metaphernverstehens stark machen. Die Beobachtung metaphorischer Gesten und solcher Gesten, die metaphorische Ausdrücke begleiten, zeigt, dass auch 'tote' Metaphern beim Sprechen durchaus aktiv zu sein scheinen. Weitere Vorträge, die unter anderem von LMU-Nachwuchswissenschaftlern gehalten werden, beleuchten die Thematik des Symposiums aus den Perspektiven des Erstspracherwerbs (Aivars Glaznieks, LMU), des Sprachwandels in Grammatik (Richard Waltereit, Newcastle) und Lexikon (Peter Koch, Tübingen), des synchronen Lexikons (Sandra Handl, LMU) und der linguistischen Diskursforschung (Lynne Cameron, Open University).

    Weitere Informationen unter:
    http://www.kognitive-sprachforschung.lmu.de/icclsevents.html

    Ansprechpartner:
    Prof. Dr. Hans-Jörg Schmid
    Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Kognitive Sprachforschung
    Schellingstr. 3
    80799 München
    Tel. 089 / 2180 - 2927
    E-Mail: hans-joerg.schmid@lmu.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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