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23.01.2009 13:21

Jugendliche durch berufliche Bildung integrieren - Mercator-Projekt der PH Schwäbisch Gmünd

Dr. Monika Becker Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

    PISA und IGLU haben in den letzten Jahren verstärkt den Blick auch auf die Probleme von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in unserem Schulsystem gerichtet. Die Essener Stiftung Mercator verfolgt bereits seit über 30 Jahren das Ziel, Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien durch nachhaltige Projekte systematisch und außerschulisch sprachlich zu fördern. An der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd ging nun - ergänzend zu dem seit 2005 erfolgreich laufenden Projekt zur Sprachförderung Grund- und Hauptschulen - ein zweites Mercator-Projekt "Integration durch Bildung" an den Start. Im Fokus stehen dieses Mal die beruflichen Schulen.

    Unter dem Titel "Integration durch Bildung an der Sekundarstufe II" bietet die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd (OStD Barreith), an der Kaufmännischen Schule Schwäbisch Gmünd (OStD Stephan/ StD Schuller), an der Justus-von-Liebig-Schule Aalen (StD Feilhauer) sowie an der Grafenberg-Schule in Schorndorf (OStD Weißert) gezielten Förderunterricht an. Somit konnte auf das an der Sekundarstufe I seit 2005 außerordentlich erfolgreiche Mercator-Projekt aufgebaut und der Kontakt zu der Stiftung Mercator intensiviert werden.

    Das Projekt "Integration durch Bildung an der Sekundarstufe II" wird geleitet von Frau Prof. Dr. Maria E. Brunner (Institut für Sprache und Literatur) und Herrn Prof. Dr. Uwe Faßhauer (Institut für Bildung, Beruf und Technik, IBBT), der die Kontakte zu den Berufs¬schulen herstellte. Die Stiftung Mercator stellt für das zweite Gmünder PH-Projekt 90.000€ zur Verfügung. Diese Mittel sind ausschließlich für die Honorare der Förderlehrer einzusetzen. Die Stelle der Projektkoordinatorin wird von der Pädagogischen Hochschule finanziert. Das Kultusministerium unterstützt das Kooperationsprojekt und gewährt den Schulen zur Organisation der notwendigen Maßnahmen im Schuljahr 2008/09 einmalig ein gesondertes Anrechnungskontingent von je 2 Deputatstunden. Die Förderlehrer werden an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd aus den Fachbereichen Ingenieur-Pädagogik (Master und Bachelor) und allen Fachdidaktiken für das Lehramt an der Sekundarstufe I für das BVJ/ BEJ und BFS ausgewählt. Den Sprachförderunterricht leisten die Lehramtsstudierenden mit dem Fach Deutsch. Die Mathematik-Förderung wird von den Studierenden der Ingenieur-Pädagogik übernommen.

    Markus Kohr, studentischer Förderlehrer an der Gewerblichen Schule Gmünd, sieht den Nutzen seines Einsatzes für seine spätere Tätigkeit: "Als zukünftiger Berufsschullehrer habe ich sprachlich sehr heterogene Klassen. Durch den Förderunterricht erkenne ich, welche Schwierigkeiten diese Schüler, z.B. in der Fachsprache, bewältigen müssen." Laviniu Fleischer und Darko Juric sind Lehramtsstudierende und kennen selbst den steinigen Weg des Zweitspracherwerbs; da-her legen sie bei ihrer Unterrichtsplanung für den Förderunterricht den Schwerpunkt auf die Sprachförderung, auch wenn es um Fächer wie Technologie oder Fachrechnen geht.

    Die Beweggründe für das Engagement der einzelnen Förderlehrer sind sehr unterschied¬lich. Edith Öchsner, die Ingenieur-Pädagogik studiert: "Mich motiviert die Tatsache, dass Schüler freiwillig zu mir in den Unterricht kommen und mich meist auch am Ende des regulären Unterrichts um weitere Aufgaben bitten." Sylvia Ulrich will "ihren" Schülerin¬nen und Schülern Chancen aufzeigen: "Wichtig ist mir, meinen Schülern zu zeigen, welche Chancen die Zwei- und Mehrsprachigkeit mit sich bringt. Es geht darum, Migration als Chance zu begreifen und nicht als Risikofaktor."

    Lerneffekt für Schüler und Lehramtsstudierende

    Die Förderlehrer arbeiten eigenständig und zugleich in enger Kooperation mit den Fach- und Klassenlehrern der beteiligten Schulen. Gearbeitet wird in intensiven Kleingruppen von maximal 8 Schülern - deren Teilnahme übrigens freiwillig ist. Auch die Studierenden profitieren von diesem Förderunterricht: sie reflektieren ihre Unterrichtserfahrungen und setzen innovative Unter-richtsmethoden ein. Georg Kress, JvL Aalen, betont, dass er als Förderlehrer lernt, mit dem Nachholbedarf der verschiedenen Schülergruppen umzugehen. Und genau darum geht es: um sprachliche Förderung in allen Bereichen. Jeder Förderlehrer studiert neben Deutsch zwei oder drei weitere Fächer aus den Bereichen Naturwissenschaften oder Sozialwissenschaften.

    Interkulturelle Begegnungen

    Für die Schüler und für die Förderlehrer sind interkulturelle Begegnungen besonders prägend, so auch für Darko Juric, Förderlehrer an der Grafenberg-Schule: "Bei meinem ersten Unterricht wollte ein Schüler unbedingt in meine Gruppe, angeblich aufgrund meines Nachnamens. Wie sich herausstellte war dieser Schüler Serbe, ich selbst bin halber Kroate und halber Bosnier!" Bei all der Begeisterung darf nicht vergessen werden, dass viele Klassen ihre ganz eigenen Probleme zu bewältigen haben.

    Die Förderlehrer sehen daher ihre wichtigste Aufgabe darin, den Schülergruppen zu vermitteln, dass kulturelle Vielfalt eine Ressource ist; so können die Schüler mit ihren Problemen in der Familie und im gesellschaftlichen Umfeld besser umgehen. Viele Schüler sind nach oft jahrelangen schulischen Misserfolgen entmutigt und sehen gar keinen Sinn mehr darin, dass sie in die Schule kommen sollen. Petra Maile, Förderlehrerin in der Kfm. Schule Schwäbisch Gmünd betont: "Die besonderen Schwierigkeiten dieser Jugendlichen sind zum einen die rudimentären Sprach- und Ausdrucksfähigkeiten, aber vor allem die emotionalen Defizite, die aufgrund ständiger Enttäuschungen im Umfeld und in der Schule schwer wiegen". Freiräume werden im Förderunterricht geschaffen, so können die Schüler eigene Enttäuschungen reflektieren und verarbeiten.

    Die vielen Sprachen der Schüler in den Fördergruppen wecken inzwischen auch die Wissbegierde der Förderlehrer. Georg Kreß hat sich da Einiges vorgenommen: "jede Woche möchte ich ein neues Wort von meinen Schülern lernen, mal in Türkisch, mal in Arabisch, mal in Italienisch." Gegenseitiges Interesse und Wertschätzung des Anderen sind die wichtigsten Voraussetzungen für ein motivierendes Lernklima.

    Ansprechpartner an den Schulen

    Alle interessierten Schüler und Schülerinnen bzw. Eltern der genannten Schulen können sich an die genannten Schulleiter wenden, um die Zeiten des Förderunterrichts zu erfragen. Jede/r weitere Schüler/-in ist in den Gruppen willkommen, da die Abschlussprüfungen für das BVJ, das BEJ und die BFS anstehen.
    Bei Interesse an diesem Projekt können sich Schulleiter/ Fachlehrer gern an die zuständige Projektkoordinatorin Elke Németh wenden: elke.nemeth@ph-gmuend.de, Tel. 07171-983-440.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
    regional
    Forschungsprojekte, Schule und Wissenschaft
    Deutsch


    Projektmitarbeiterin E. Németh und die Förderlehrer L. Fleischer, P. Maile, S. Keefer, S. Ulrich (v.l.n.r.) im Gespräch über kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer


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