Der Oberstudienrat Ulrich Fischer-Weissberger aus Freiburg im Breisgau erhält den diesjährigen Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis der Leuphana Universität Lüneburg für das von ihm initiierte und geleitete Geschichtsprojekt am Geschwister-Scholl-Gymnasiums Waldkirch. Der 52-jährige Pädagoge hatte im Jahr 2001 eine Geschichtsarbeitsgemeinschaft an dem Gymnasium gegründet und damit neue Wege in der pädagogisch-didaktischen Umsetzung von Erinnerungsarbeit an der Schule beschritten. Sein Konzept und seine Leistungen überzeugten die achtköpfige Jury und brachten ihm jetzt die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung ein.
Die Begegnung mit Heinz Drossel, einem ehemaligen Oberleutnant der Wehrmacht, der 1945 in Berlin ein jüdisches Ehepaar vor dem Zugriff der Gestapo gerettet hatte, war für den Lehrer Ulrich Fischer-Weissberger der Anstoß für die Gründung einer Geschichtsarbeitsgemeinschaft am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Waldkirch. Im Rahmen dieses Projektes setzen sich die Schülerinnen und Schüler der 8. bis 10. Klassen seit acht Jahren mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander, begegnen in Gestalt von Rettern und Geretteten Zeitzeugen. Diese schulische Erinnerungsarbeit wurde in qualitativ hochwertigen, künstlerisch und ästhetisch anspruchsvollen Videofilmen dokumentiert. Fischer-Weissberger vermittelt seinen Schülern so Mut zum Widerstand, Selbstverantwortlichkeit, Zivilcourage und ethisches Handeln aus innerer Freiheit, sensibilisiert sie für Prozesse der Ausgrenzung und der Diskriminierung. Mit Projekttagen, Film- und Videoarbeiten wurde vor allem das Thema NS-Herrschaft im Baltikum behandelt und dabei der Focus auf Opfer und Retter gelegt. Fischer-Weissbergers Kontakte mit Überlebenden aus dem Baltikum, Einladungen von Überlebenden nach Waldkirch und Filme mit Zeitzeugen haben zu einer hohen Anteilnahme bei den Schülerinnen und Schülern geführt und den Wert von Widerstand und Rettungstaten im nationalsozialistischen Gewaltsystem anschaulich werden lassen. Damit ist ihm - so sind sich die wissenschaftlichen Gutachter zu seinem Projekt einig - ein wichtiger Beitrag zur historisch-politischen Bildung gelungen. Fischer-Weissberger selbst sagt über seine Arbeit: "Es geht mir nicht darum, bei den Schülern Schuldgefühle zu erzeugen, sondern um Empathie, Mitgefühl und Verantwortung."
Die Verleihung des diesjährigen Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreises fand im Rahmen einer akademischen Feier statt, an der auch Mitglieder der Familien Hosenfeld und Szpilman sowie die polnische Vize-Generalkonsulin Agnieszka Ozubko teilnahmen. Die Laudatio auf den Preisträger hielt der Freiburger Historiker Prof. Dr. Wolfram Wette.
Zum Preisträger
Ulrich Fischer-Weissberger wurde 1956 in Heilbronn geboren. Er studierte Germanistik und Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Nach dem Referendariat trat er 1984 eine Assessorenstelle am Goethe Gymnasium in Karlsruhe an, wo er auch erste Erfahrungen mit dem Medium Film sammelte. Nach einer weiteren Station am Markgräfler Gymnasium in Müllheim wechselte er 1999 an das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Waldkirch, wo er zusätzlich das Fach Ethik unterrichtet und als Medienberater tätig ist. Ulrich Fischer-Weissberger engagiert sich auch in der Fortbildung für offene Unterrichtsformen und Neue Medien. Er ist verheiratet und Vater von vier Söhnen.
Zum Gedenkpreis
Der Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis, dotiert mit 5.000 Euro und ins Leben gerufen von der Leuphana Universität Lüneburg, wurde im Jahr 2005 erstmals verliehen. Mit der Verleihung des Preises möchte die Leuphana Universität Lüneburg ethisches Widerstandshandeln während des Nationalsozialismus in den Blick der Öffentlichkeit rücken.
Mit der Vergabe des Preises soll des Lehrers und Wehrmachtsoffiziers Wilm Hosenfeld und des Pianisten und Komponisten Wladyslaw Szpilman gleichermaßen gedacht werden. Weil die Ehrung der Retter zugleich eine Ehrung der Geretteten bedeuten muss, ist das thematische Spektrum der auszuzeichnenden Projekte sowohl am ethischen Widerstandshandeln zur Zeit des Nationalsozialismus als auch an den beruflichen Tätigkeiten von Wilm Hosenfeld und Wladyslaw Szpilman orientiert.
Eingereicht werden konnten musikwissenschaftliche Untersuchungen, Forschungsarbeiten aus den Kultur- und Geisteswissenschaften und Untersuchungen aus pädagogischer Perspektive.
Das diesjährige Preisgeld wurde zur Verfügung gestellt von der Sparkasse Lüneburg.
Ulrich Fischer-Weissberger erhielt den Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis 2009
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Musik / Theater, Pädagogik / Bildung, Philosophie / Ethik
überregional
Personalia, Wettbewerbe / Auszeichnungen
Deutsch

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