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18.02.2009 08:00

Buruli-Ulkus: Neue Behandlungsmethode in Sicht

Dr. Christian Jung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
VolkswagenStiftung

    VolkswagenStiftung bewilligt rund 900.000 Euro für den Kampf gegen eine weit verbreitete tropische Krankheit. - Pilotstudie veröffentlicht. Sperrfrist 18.02.09, 8 Uhr!

    Zu den wohl furchtbarsten Plagen im tropischen und subtropischen Afrika gehört der Buruli-Ulkus, eine Krankheit, die besonders die Armen in den ländlichen Regionen heimsucht. Ausgelöst durch das Mycobakterium ulcerans - ein Verwandter des Lepraerregers - leiden die Betroffenen unter großflächigen Hautgeschwüren, die nicht selten zu Entstellungen führen. Viele Kinder sind von diesem Leiden betroffen und oft ein Leben lang gezeichnet. Denn die heute verfügbaren Behandlungsmethoden sind nicht zufriedenstellend.

    Eine Gruppe von Medizinern, Biologen und Ingenieurwissenschaftlern konnte nun mit Unterstützung der VolkswagenStiftung im Rahmen einer Pilotstudie eine neue Behandlungsmethode entwickeln, die leicht anwendbar, billig und umweltverträglich ist. Dabei wird die Wärmeempfindlichkeit des Erregers ausgenutzt. Privatdozent Dr. Thomas Junghanss, seine Arbeitsgruppe vom Universitätsklinikum Heidelberg sowie Partner aus Würzburg, der Schweiz und aus Kamerun haben die Effizienz ihrer Methode bereits erfolgreich nachweisen können. Die Ergebnisse dieser Studie sind aktuell veröffentlicht in der Public Library of Science (PLoS) Neglected Tropical Diseases: www.plosntds.org.

    Nun geht es darum, das System für den Einsatz vor Ort weiterzuentwickeln. Die VolkswagenStiftung unterstützt auch dieses Forschungsvorhaben mit 897.000 Euro, und zwar in Ihrer Förderinitiative "Wissen für morgen - Kooperative Forschungsvorhaben im sub-saharischen Afrika.

    Die neu entwickelte Behandlungsmethode beruht darauf, dass die Bakterien in der Haut lediglich in einem begrenzten Temperaturbereich lebensfähig bleiben. Setzt man sie für längere Zeit höheren Temperaturen aus, sterben sie. Dies erreichen die Projektpartner durch sogenannte "heat packs", wie wir sie als Handwärmer im Winter kennen. Der Inhalt dieser Wärmepakete ist nichts anderes als ein Zwei-Phasen-System, auch "phase change material"(PCM) genannt, das durch Erhitzen schmilzt und beim Abkühlen von der flüssigen zur festen Phase kristallisiert.

    Für die Wärmebehandlung des Buruli Ulkus wurde ein Material verwendet, das einen Schmelzpunkt bei 58 Grad Celsius besitzt. Durch einen sterilen Verband, der das Hautgeschwür schützt, kommt auf der Hautoberfläche eine Temperatur von etwa 40 Grad Celsius zustande - eine Temperatur, die die Mycobakterien ausreichend schädigt, ohne den Patienten zu belasten. Um die "heat packs" nach der Benutzung wieder aufzuladen, wird nur kochendes Wasser benötigt - ideal für ländliche Ressourcen-arme Gebiete. Die Ergebnisse der ersten "Proof-of-Principle"-Studie waren überzeugend: Die Geschwüre heilten ab, ein erneutes Auftreten der Krankheitserreger konnte bei den Patienten bislang, innerhalb der ersten achtzehn Monate nach Abschluss der Behandlung, nicht beobachtet werden.

    Die bisherige Standardbehandlung, die chirurgische Entfernung der befallenen Gewebepartien mit anschließender Hauttransplantation, ist sowohl teuer als auch risikoreich und geht zudem mit hohen Rückfallquoten einher. Der Einsatz von Antibiotika (Rifampicin und Streptomycin) wurde immer wieder erwogen und ist derzeit erneut auf dem Prüfstand. Die über mehrere Wochen erforderliche tägliche Spritze des Streptomycins bringt jedoch ebenso Probleme mit sich wie die potenzielle Resistenzentwicklung des Erregers. Mit der Wärmeapplikations-Methode könnte erstmals eine einfache und kostengünstige Behandlung etabliert werden, die gerade in den betroffenen ländlichen Regionen gut einsetzbar wäre.

    Auf den Ergebnissen der Pilotstudie aufbauend verfolgen die Kooperationspartner nun das Ziel, die PCM-basierte Wärmeapplikation zu optimieren und die Funktionsmechanismen im Einzelnen zu erforschen. Es gilt, genaue Schemata für die Wärmedosierung zu entwickeln und den verschiedenen Krankheitsstadien anzupassen; ein verlässliches Einteilungssystem für die Krankheitsstadien zu entwickeln; die Effektivität der Behandlung vor Ort sicherzustellen. Neben wissenschaftlichen Arbeiten wird es auch darum gehen, Mediziner und klinisch tätiges Personal in Afrika auszubilden und die erforderliche Labordiagnostik in den ländlichen Regionen einzurichten. Die bereits erprobte Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in Afrika bietet beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung vor Ort.

    Für den Projektkoordinator Privatdozent Dr. Thomas Junghanss war die Pilotstudie ein Erfolg interdisziplinärer Zusammenarbeit. Beteiligt waren neben Junghanss und Dr. Moritz Vogel vom Universitätsklinikum Heidelberg Professor Dr. Gerd Pluschke und Dr. Daniela Schütte vom Schweizerischen Tropeninstitut in Basel, Dr. Alphonse Um Book und sein Team von Leprosy Relief Emmaus-Switzerland, Bureau Régional pour l'Afrique, Yaoundé, Kamerun - sowie die Ingenieure Dr. Martin Hellmann, Dr. Helmut Weinläder und Stefan Braxmeier vom Bayrischen Zentrum für Angewandte Energieforschung in Würzburg.

    Veröffentlichung
    T. Junghanss, A. um Boock, M. Vogel, D. Schütte, H. Weinläder, G. Pluschke:
    Phase change material for thermotherapy of Buruli ulcer: a prospective observational single centre proof-of-principle trial
    PLoS Neglected Tropical Disease, Februar 2009

    Kontakt
    Universitätsklinikum Heidelberg
    Dr. Thomas Junghanss
    E-Mail: Thomas.Junghanss@urz.uni-heidelberg.de
    Telefon: +237-9042341

    Kontakte
    VolkswagenStiftung
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Dr. Christian Jung
    Telefon: 0511 8381 - 380
    E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

    Afrika-Initiative
    Dr. Detlef Hanne
    Telefon: 0511 8381 - 389
    E-Mail: hanne@volkswagenstiftung.de

    Der Text der Presseinformation sowie Bilder stehen ab 18.02.09 im Internet zur Verfügung unter
    http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20090217


    Weitere Informationen:

    http://www.plosntds.org - Veröffentlichung


    Bilder

    Infektionsherd: Fluss in Ayos, Kamerun
    Infektionsherd: Fluss in Ayos, Kamerun
    Quelle: Thomas Junghanss, Heidelberg


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Infektionsherd: Fluss in Ayos, Kamerun


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