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19.02.2009 10:58

Evolution und Schöpfungsglaube kein Gegensatz

Maria Zwirner Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule für Philosophie München

    Professor Kummer: Evolutionstheorie ein Segen für die Theologie
    Unerwartet großes Interesse zu Fragen des Menschseins

    In der aktuellen Debatte über die Evolutionstheorie des englischen Naturforschers Charles Darwin sieht der Philosoph und Biologe Professor Christian Kummer SJ eine "interessante Möglichkeit", den christlichen Schöpfungsglauben und die Gottesfrage in einem neuen Horizont zu vermitteln. Er begegne bei zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionen im laufenden "Darwin-Jahr" einem unerwartet großen Interesse zu Fragen der Entstehung des Lebens und des Menschseins. Viele wollten sich nicht einfach mit platten naturalistischen Welterklärungen zufrieden geben und suchten nach Wegen, naturwissenschaftliches Denken und religiöse Erfahrung zu verbinden, sagte der Wissenschaftler am 18. Februar in München.

    Kummer, der an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München lehrt und dort das Institut für naturwissenschaftliche Grenzfragen leitet, charakterisiert die neu aufgeflammte Auseinandersetzungen um die Evolutionstheorie als "eine Art 'Zweifrontenkrieg'". Auf der einen Seite stünden einige Naturwissenschaftler, die ihre Wissenschaftlichkeit mit einem Bekenntnis zum Atheismus unterstreichen wollten, eine absolute Deutungshoheit über die Vorgänge des Lebens beanspruchten und Religion von vornherein als etwas Irrationales ablehnten. Auf der anderen Seite hat sich vor allem in den USA im freikirchlichen Milieu ein militanter Kreationismus formiert, der die wörtliche Auslegung der Bibel als einzig wahre Darstellung der Entstehung der Welt und des Lebens propagiere.

    Die gegenwärtige "Neuauflage eines weltanschaulichen Kampfszenarios" um die Evolutionstheorie sei kein Ansatz, der weiterführe, sagte Kummer. Evolution und Gottesglaube schlössen sich nicht gegenseitig aus. Sie seien im Gegenteil aufeinander verwiesen. Die Evolution sei ein Segen für die Theologie. Theologen täten gut daran, mit den Naturwissenschaften im Gespräch zu bleiben. Auch in der Priesterausbildung und im Theologiestudium sollte es eine stärkere Verknüpfung mit den Naturwissenschaften geben. Aber auch die Naturwissenschaften könnten in der Auseinandersetzung mit der Theologie zu einem kritischen Wissenschaftsverständnis finden. Die Theologie biete einen größeren Rahmen und eine weitere Perspektive für die naturwissenschaftlichen Erklärungen und könne so deren methodischer Einengung entgegenwirken und den Blick für die ganze Wirklichkeit des Lebendigen öffnen.

    Unter dem Titel "Der Fall Darwin" hat Professor Kummer im Münchner Pattloch-Verlag ein Sachbuch veröffentlicht, in dem sich der Autor in sehr persönlicher und engagierter Weise mit den aktuellen Kontroversen um die Darwinsche Evolutionstheorie auseinandersetzt. Kummer sieht sein Buch, das zu Grenzfragen zwischen Theologie und Naturwissenschaften Stellung nimmt, auch als Beitrag zur Debatte um einen so genannten "neuen Atheismus".

    Kontakt:
    Dr. Michael Reder
    Hochschule für Philosophie
    Kaulbachstr. 31a
    80539 München
    Tel. 089/2386-2357
    michael.reder@hfph.mwn.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Philosophie / Ethik, Religion
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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