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25.02.2009 19:00

Ethische Überlegungen zu Gehirn-Computer-Schnittstellen

Michael Seifert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Medizinethiker Jens Clausen veröffentlicht Kommentar in der Fachzeitschrift "Nature"

    Viele Menschen verbringen einen beträchtlichen und weiter wachsenden Teil ihrer Lebenszeit mit der Interaktion mit Computern und anderen technischen Geräten. Diese Interaktion hat neue Ebenen erreicht, bei denen Mensch und Maschine immer stärker miteinander verschmelzen: Zum Beispiel ermöglichen Cochleaimplantate Gehörlosen die Wahrnehmung von Höreindrücken, und Parkinson-Patienten werden mit der Tiefen Hirnstimulation behandelt, bei der Elektroden ins Gehirn implantiert werden. Durch Fortschritte in der neurowissenschaftlichen Forschung und der Miniaturisierung von mikroelektronischen Elementen werden immer mehr und engere Anwendungen von Mensch-Maschine-Schnittstellen entstehen. Dr. Jens Clausen vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Tübingen hat untersucht, welche ethischen Probleme sich aus dieser Entwicklung ergeben und kommentiert dies in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature (Band 457, Seiten 1080-1081, 26. Februar 2009).

    Jens Clausen schreibt, dass beim enger werdenden Zusammenspiel von Maschine und menschlichem Gehirn sicher hohe Ansprüche an die Sicherheit der Anwendungen entste-hen. Doch er kommt zu dem Schluss, dass viele der ethischen Fragen schon aus anderen bioethischen Kontexten bekannt sind. Bei Prothesen, die durch das Gehirn per Computer kontrolliert werden, könnte die Maschine Anweisungen des Menschen missinterpretieren und ihn zu unfreiwilligen Handlungen zwingen. Die damit verbundene Frage nach der Verantwortung tritt allerdings ähnlich schon beim Gebrauch von Autos oder Waffen auf. Allgemein seien unerwünschte Auswirkungen beispielsweise auf die Persönlichkeit zu betrachten wie auch bei der Behandlung etwa mit Antidepressiva. Die biomedizinische Ethik wägt Vorteile für den Patienten stets gegen Eingriffsrisiken ab und respektiert den Patientenwillen. Sicherlich stellen diese neuen Technologien auch die Ethik vor neue Herausforderungen, so Jens Clausen. Doch er sieht die Ethik gut gewappnet, diese interdisziplinär zu reflektieren und eine verantwortungsvolle Etablierung dieser viel versprechenden Technologien zu begleiten.

    Achtung: Bitte beachten Sie unbedingt die Sperrfrist von "Nature":
    Keine Veröffentlichung vor 25. Februar 2009, 19 Uhr

    Nähere Informationen:
    Jens Clausen: Man, machine and in between. Nature, Band 457, Seiten 1080-1081, 26. Februar 2009

    Dr. Jens Clausen, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Gartenstraße 47, 72074 Tübingen, Tel. 0 70 71/2 97 80 31, E-Mail jens.clausen [at] uni-tuebingen.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Informationstechnik, Medizin, Philosophie / Ethik
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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