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05.03.2009 09:05

Symposium "Perspektiven zukünftiger Energieversorgung" - Resümee

Petra Plättner Öffentlichkeitsarbeit
Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz

    Am 30. Januar 2009 fand in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur ein Symposium zum Thema "Perspektiven zukünftiger Energieversorgung" statt.

    Die sichere, kostengünstige und umweltverträg­liche Versorgung mit Energie gehört zu den globa­len, zentralen Herausforderungen aller Staaten un­seres Planeten. Vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen, wachsender Umweltprobleme und fortschreitender Klimaveränderung ist es zwin­gend notwendig, vorhandene Technik weiterzuentwickeln sowie neue Technologien zu entwickeln und zügig zu realisieren.
    Auf dem von der Akademie der Wissenschaften und der Lite­ratur am 30. Januar 2009 in Mainz veranstalteten Symposium haben die Wissenschaften einen Beitrag aus ihrer Sicht zu den technologischen und gesellschaftlichen Problemen geleistet. Dabei standen Fragestel­lungen zur Strom- und Wärmeerzeugung in den nächsten zwei bis drei Dekaden im Vordergrund.
    Für das von Prof. Dr. Johannes Janicka (TU Darmstadt, Energie- und Kraftwerkstechnik) organisierte Symposium wurden als Referenten gewonnen:
    Dr. Gerd Jäger (Vorstand der RWE Power AG, Essen), Prof. Dr. Bernhard Schink (Lehrstuhl für Limnologie, Mikrobielle Ökologie, Universität, Konstanz), Prof. Dr. Ferdi Schüth (Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung, Mühlheim), Prof. Dr. Thomas Schulenburg (Institut für Kern- und Energietechnik, Universität Karlsruhe), Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner (Vorstandsvorsitzender, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt /DLR)

    Die Referate beschäftigten sich mit den Potentialen und technischen Optionen sowohl regenerativer Energien als auch von Kohle- und Kernenergie und Verfahren der Energiespeicherung. Die zentralen Schlussfolgerungen aus den Vorträgen und Diskussionsbeiträgen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
    - Es bestand Konsens unter allen Referenten, dass die Energie- und Klimaproblematik als globales Problem auch eine globale Lösung erfordert. Die Perspektiven zukünftiger Energieversorgung müssen zumindest für den europäischen Raum entwickelt werden, da nationale oder gar auf Bundesländer bezogene Betrachtungen der Problematik nicht gerecht werden.
    - Die bisher formulierten Klimaschutzziele in Europa, bei denen die Versorgungssicherheit, Kosten und Akzeptanz berücksichtigt werden, sind nur durch Nutzung aller Optionen - der regenerative Energien, der Kernenergie, der effizienten Technologien für die klassischen Energieträger Kohle, Öl und Gas sowie der Steigerung der Anwendungseffizienz - erreichbar.
    - Auch in den nächsten zwei bis drei Dekaden ist ein ausgewogener Energiemix in Europa notwendig. Die Verteilung der Energieträger wird, bei einer größeren Pluralität des Kraftwerkparks und mit stärkerem Anteil der regenerativen Energien, ähnlich sein wie heute.
    - Durch die Nutzung von Biomasse kann in Deutschland kaum mehr als ca. 10% des Energieverbrauchs gedeckt werden. Unter den mikrobiellen Verfahren erscheint die Bildung von Methan im Hinblick auf die Produktausbeute und Umsetzbarkeit als das aussichtsreichste. Vergärungen zu Ethanol, Aceton, Butanol etc. nutzen nur einen geringen Anteil (max. 50%) der Pflanzenmasse und erfordern die Abtrennung der Produkte durch eine energieaufwendige Destillation.
    - Für mobile Anwendungen ist es aufgrund der hohen Umwandlungsverluste von insgesamt 75-80% bei der Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Wasserstoff sinnvoll, "elektrisch zu bleiben" und Batterien als Speicher zu verwenden. Damit erscheinen allerdings Reichweiten, wie sie heute mit Dieselmotoren erzielt werden, nicht möglich. Hierfür sind derzeit nur mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellenfahrzeuge als langfristig tragfähige Option in Sicht.
    - Die Nutzung der Kernenergie in Europa ist kurz- und mittelfristig notwendig. Lebenszeitverlängernde Maßnahmen der laufenden Kraftwerke sowie der Neubau von Kraftwerken sind in vielen europäischen Ländern vorgesehen. Der deutsche Sonderweg mit einer frühen Abschaltung der - auch im internationalen Vergleich auf hohem Sicherheitsniveau betriebenen - Kraftwerke gefährdet und beeinträchtigt nicht nur die deutschen, sondern auch die europäischen Energie- und Umweltziele.
    - Die verstärkte Nutzung der Solarenergie ist eine zentrale Option der Zukunft. Langfristig erscheint der Bau von Solarkraftwerken, basierend auf Solarthermieverfahren, in der Wüste Sahara eine attraktive Alternative zur verstärkten Nutzung des Erdgases. Eine notwendige Voraussetzung dafür sind Hoch­spannungs-Gleichstromleitungen mit reduzierten Übertragungsverlusten.

    Die Perspektiven zukünftiger Energieversorgung werden die Gesellschaft in den nächsten Jahren noch stärker beschäftigen, daher plant die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur weitere Symposien zu diesem Thema, die auch andere Aspekte der Gesamtproblematik beleuchten.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Energie
    regional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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