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05.03.2009 09:59

Heizen mit Stollenwasser: Bundesumweltminister Gabriel informiert sich in Herdorf

Petra Giegerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Wieber untersucht das geothermische Potential in Herdorf/Sieg als Energiequelle zum Heizen

    (Mainz, 5. März 2009, lei) Energie wird teurer - das Klima ändert sich: Weltweit werden verstärkt Anstrengungen unternommen, um die Nutzung klimaschädigender Energierohstoffe durch regenerative Energie zu ersetzen. Dies hat auch die Stadt Herdorf zum Anlass genommen, in einem Forschungsprojekt das geothermische Potential der gefluteten Erzgruben in der Stadt zu ermitteln und Nutzungsmöglichkeiten zu prüfen. Das Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz (MUFV), dem Institut für geothermisches Ressourcenmanagement (IGEM) sowie dem Institut für Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Untersuchungen werden unter Federführung von Prof. Dr. Georg Wieber (IGEM/Universität Mainz) durchgeführt. Am kommenden Dienstag, 10. März wird sich Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf Einladung von Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung mit Wohnsitz im rheinland-pfälzischen Altenkirchen, vor Ort über die Nutzung von Stollenwasser als umweltfreundliche und kostengünstige Energiealternative informieren.

    Grubenwasser entsteht in stillgelegten Bergwerken, wenn die Pumpen abgestellt sind und das Grundwasser in der Grube ansteigt. "Je tiefer die Bergwerke sind, desto wärmer ist das Wasser, sodass wir in einer Tiefe von 1000 Metern eine Wassertemperatur von etwas 40 Grad vorfinden", erklärt Wieber. Das Grundwasser steigt bis auf das Niveau des Tiefen Stollens und fließt am Stollenmundloch ab. Befindet sich der Wasseraustritt in der Nähe potentieller Wärmeabnehmer wie Industrie-, Verwaltungs- oder Wohngebäuden, ist eine wirtschaftliche Nutzung der Energie möglich.

    Vor allem dort, wo neue Siedlungen in der Nähe von austretendem Stollenwasser entstehen, ist es nach Einschätzung von Wieber ein unbedingtes Muss, die geothermische Nutzung zu prüfen. "Die Wärme des Stollenwassers kann mittels Wärmetauscher entnommen und über eine Wärmepumpe dem Verbraucher zur Verfügung gestellt werden. Selbst gering temperierte Wässer können in Niedertemperatur-Heizanlagen, wie sie in modernen Häusern üblich sind, Heizungsvorlauftemperaturen von 40 bis 45 Grad erreichen." Die Nutzung ist hoch effizient: Nur die Wärmepumpe muss betrieben werden. Dies erfordert etwa ein Fünftel der Heizenergie, die aus dem Stollenwasser gewonnen wird.

    Genau diese Voraussetzungen sind in Herdorf an mehreren Stellen erfüllt. Geplant ist die Erschließung eines Neubaugebietes auf dem sogenannten Ermertgelände. Eine Projektstudie hatte ergeben, dass über 100 Einfamilienhäuser versorgt werden könnten. Hier werden gleich mehrere umweltpolitische Ziele miteinander verknüpft: die Wiedernutzbarmachung eines Altstandortgeländes und damit Schonung der Ressource "Boden" und die Bereitstellung von klimaschonender regenerativer Energie zur Heizung der Gebäude. Außerdem befinden sich weitere wasserführende, geothermisch nutzbare Stollen in der Nähe am Ufer der Heller.

    Studien zu Möglichkeiten der geothermischen Nutzung von Grubenwässern werden zurzeit auch an anderen Standorten im nördlichen Rheinland-Pfalz durchgeführt. "Mit unseren Untersuchungen der Grubenwässer sind wir auf einem jungen Forschungsgebiet im Bereich der angewandten Geologie ganz vorn mit dabei und zeigen damit auch neue Wege zur Energieversorgung der Zukunft auf", so Wieber.

    Kontakt und Informationen:
    Prof. Dr. Georg Wieber
    Angewandte Geologie
    Institut für Geowissenschaften
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    Tel. 06131 39-22858 oder 0261 120-2549
    Mail: wieber@uni-mainz.de


    Weitere Informationen:

    http://www.angewandte.geo.uni-mainz.de
    http://www.igem-energie.de/


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Energie, Geowissenschaften, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

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