Vor tausend Jahren entwickelte sich in China mit der Song-Dynastie die fortschrittlichste Zivilisation der damaligen Welt. Innerhalb zweier Jahrhunderte wurde der geographische Raum China zur Heimat der Hälfte der Menschheit. In seinem neu erschienenen Buch The Age of Confucian Rule: The Song Transformation of China erklärt der Würzburger Sinologe Professor Dieter Kuhn, warum der Erfindungsreichtum dieser Epoche mindestens ebenso bedeutsam war wie jener der europäischen Renaissance, in vielerlei Hinsicht sogar die Basis für diese bildete.
Damit legte die Song-Dynastie auch - wie Dieter Kuhn vom Lehrstuhl für Sinologie darlegt - die politischen, philosophischen, künstlerischen und kulturellen Grundlagen für das Verständnis und Vermächtnis eines Chinesentums, das für Jahrhunderte die moralischen und kulturellen Maßstäbe für China lieferte.
Die Song-Dynastie war aus einer neuen Klasse von Beamten-Gelehrten hervorgegangen, die ein strenges leistungsbezogenes Prüfungssystem durchlaufen hatten. Nach dem langsamen Zerfall der Tang-Dynastie im neunten Jahrhundert und dem Aufstieg der Militärdiktatoren in der ersten Hälfte des zehnten Jahrhunderts, lösten sie die alten aristokratischen Familien und mit ihnen die überlieferten Vorstellungen von Regierungskunst ab. Ihre konfuzianische Ideologie gestaltete einerseits die chinesische Tradition und gab der chinesischen Geschichte und Philosophie eine neue Dimension des Verständnisses, glich sich andererseits aber an eine sich rapide wandelnde Welt an.
So liberalisierte die neue Elite nach Kuhns Erkenntnissen zum Beispiel die Wirtschaft, führte eine große Steuerreform durch, reduzierte die Steuerlast für den Einzelnen und revolutionierte das Geldwesen durch die Einführung von Papiergeld. Das Bildungssystem erlaubte nun den Aufstieg talentierter Männer auch aus bescheidenen Verhältnissen. Die neugestalteten Städte wurden zu Metropolen des Handels und Verkehrs bei Tag und Nacht.
Die rationalen Ansätze der Beamten-Gelehrten in der Regierung, Verwaltung und Erziehung führten zu Neuerungen im Buchdruck, in den verschiedensten technischen Bereichen wie bei der Herstellung von Feuerwaffen sowie im Schiffbau, in der Textilmanufaktur, der Keramikmanufaktur, der Landwirtschaft und im Bergbau. Die Beamten-Gelehrten widmeten sich nun dem Studium der Natur und hielten ihre Beobachtungen sowohl malerisch als auch in naturwissenschaftlichen Schriften fest.
Obgleich die Song-Dynastie während ihrer ganzen Herrschaftszeit in ihrer Existenz von Fremddynastien im Norden bedroht war, gaben die meisten ihrer Kaiser einer friedlichen Koexistenz den Vorzug, wie Dieter Kuhn zeigt. Dieses Miteinander wurde durch bilaterale Friedensvereinbarungen gesichert. Auch wenn die chinesische Song-Dynastie militärisch unterlegen war, so nahm sie doch für sich in Anspruch, kulturell überlegen zu sein.
Dieter Kuhn: The Age of Confucian Rule: The Song Transformation of China; Harvard University Press 2009. ISBN: 0674031466/0-674-03146-6; Preis: US $ 35.
Kontakt: Prof. Dieter Kuhn, T (0931) 888-5570, E-Mail: Dieter.Kuhn@mail.uni-wuerzburg.de
Titelbild des Buches von Dieter Kuhn
Quelle: Bild: Harvard University Press
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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