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10.03.2009 10:04

Frühjahrskongress 2009 der GfA: Arbeit im 21. Jahrhundert menschengerecht gestalten

Jörg Feldmann Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

    Gemeinsame Pressemitteilung der BAuA und des IfADo

    Menschengerecht gestaltete Arbeit braucht gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse. Mit rund 200 Vorträgen und Präsentationen aktueller Ergebnisse arbeitswissenschaftlicher Forschung zeigte der 55. Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft e. V. (GfA) Trends, Handlungsfelder und Herausforderungen im Spannungsbogen von Mensch, Arbeit und Technik auf.

    Rund 300 Wissenschaftler und Experten nahmen am Kongress unter dem Titel "Arbeit, Beschäftigungsfähigkeit und Produktivität im 21. Jahrhundert" teil, der vom Mittwoch, 4. März 2009, bis Freitag, 6. März 2009, an der TU Dortmund stattfand. Den Frühjahrskongress 2009 der GfA richteten das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo), die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und der Lehrstuhl für Arbeits- und Produktionssysteme (APS) der TU Dortmund gemeinsam aus.

    In seiner Begrüßung machte GfA-Präsident Prof. Dr. Helmut Strasser deutlich, dass die GfA sich nicht nur auf die Grundlagenforschung beschränke, sondern auch die Umsetzung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis vorantreibe. Insbesondere der Wandel der Arbeitswelt stelle die Arbeitswissenschaft vor neue Herausforderungen bei der Arbeitsgestaltung. Isabel Rothe, Präsidentin der BAuA, betonte dementsprechend auch, dass Forschung und Entwicklung zu den vorrangigen Aufgaben der Ressortforschungseinrichtung gehöre. In Plenarveranstaltungen, sieben parallelen Vortragsblöcken und Postersessions präsentierten Wissenschaftler fast 200 Arbeiten. Dabei reichte das Spektrum von klassischen Themen wie Ergonomie, Arbeitszeitgestaltung, Belastungen und Beanspruchungen durch Arbeit oder Personalentwicklung bis hin zu Innovationsmanagement und Entgeltsystemen. Angesichts einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung in Deutschland und ihres steigenden Altersdurchschnitts bei gleichzeitig steigendem Bedarf an Fach- und Führungskräften legte der Kongress einen Schwerpunkt auf die Gestaltung von Arbeit und Technik im demografischen Wandel. Die gute Nachricht: ältere Beschäftigte sind lange kein altes Eisen. Darauf wies Prof. Dr. Edmund Wascher, Fachvertreter für Ergonomie am IfADo, hin. Vielmehr sei es möglich, die spezifischen Stärken Älterer wie beispielsweise Erfahrungswissen, Zuverlässigkeit und Ausdauer durch eine altersgerechte Gestaltung der Arbeit zu erhalten und zu stärken.

    Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Lage bildeten die Plenarvorträge zum Thema "Humane Arbeit unter gesellschaftspolitischer, betrieblicher und ethischer Perspektive" einen besonderen Höhepunkt. Klaus Brandner, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, wies darauf hin, dass der demografische Wandel alle europäischen Länder treffe. Gute und humane Arbeit sei deshalb ein Anliegen deutscher und europäischer Politik. Darum sei es wichtig, dass die vorhandenen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse in ein umfassendes Innovationsverständnis münden. Hier böten sich in der Krise Chancen zur Innovation an, wenn zum Beispiel Zeiten der Kurzarbeit zur Weiterbildung genutzt würden. Investition in gute Arbeit lohne sich. So hätten Unternehmen, die eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur pflegten, auch einen größeren wirtschaftlichen Erfolg als andere. In diesem Zusammenhang wies er auf die Initiative neue Kultur der Arbeit des BMAS hin, deren Startschuss am 23. März 2009 in Berlin fällt.

    Die Rolle einer integrativen Unternehmenskultur als zentralen Erfolgsfaktor unterstrich auch Dr. Jürgen Pfister, Leiter des Konzernbereichs "Personal & Soziales" der METRO Group Düsseldorf. So beeinflussten Makrotrends - wie der demografische Wandel - die Mikrostrukturen im Betrieb, was zu Fragen führe, auf die die Arbeitswissenschaft Antwort geben müsse. Häufig scheiterten gute Ansätze an Umsetzungsproblemen in der Praxis. Hier wünsche er sich eine Harmonisierung von Arbeits- und Betriebswissenschaft. Auf die Ethik der Erwerbsarbeit ging Prof. Dr. Bernhard Emunds, Leiter des Nell-Breuning-Instituts der philosophisch-theologischen Hochschule Sankt Georgen, ein. Über Einkommen und soziale Sicherheit habe Erwerbsarbeit die Aufgabe, soziale Integrität und persönliche Identität sicherzustellen. Jedoch seien die Einflussmöglichkeiten von Arbeitgebern und Beschäftigten asymmetrisch verteilt. Der Sozialstaat habe deshalb einen Rahmen zu schaffen, der gerechte Arbeit definiert. Dies ließe sich nicht unter dem Druck kurzfristiger Unternehmensziele erreichen. Vielmehr gelte es, längerfristige Perspektiven für die Politik in Unternehmen zu entwickeln.

    Insgesamt zog die GfA eine positive Bilanz des 55. Frühjahrskongresses in Dortmund. Alle Beiträge des Kongresses befinden sich in einem Tagungsband, der über den Buchshop auf der Homepage der GfA unter der Adresse http://www.gfa-online.de bezogen werden kann. Die diesjährige Herbstkonferenz der GfA findet vom 23. bis zum 25. September 2009 am Millstätter See in Österreich unter dem Titel "Arbeitswissenschaft und Produktivität - eine Standortbestimmung" statt.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Psychologie
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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