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13.03.2009 13:10

30 Jahre Nierentransplantationsprogramm am UKM

Simone Hoffmann Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Münster

    1979 wurde das Transplantationszentrum Münster gegründet / Symposium am 14. März

    Münster (ukm/dre). Bis Anfang März 2009 wurden am Universitätsklinikum Münster (UKM) insgesamt über 2750 Nieren transplantiert. 1979 startete das Nierentransplantationsprogramm am UKM, im gleichen Jahr wurde auch das Transplantationszentrum gegründet. Zu den ersten Patienten, denen am UKM eine Niere transplantiert wurde, gehören Hubert Teigel aus Ascheberg und Anton Berghoff aus Hamm. Seit nun fast 30 Jahren leben diese beiden Männer mit den damals transplantierten Nieren.

    "Meine Werte sind in Ordnung, mir geht es gut", sagt Hubert Teigel. Am Abend des 5. Mai 1980, während er seine Heimdialyse durchführte, erhielt er den Anruf vom UKM, dass eine Nierentransplantation durchgeführt werden kann. "Ich habe dann meine Heimdialyse zu Ende gebracht und bin in das Klinikum gefahren. Am 6. Mai erfolgte dann die Transplantation." Die Transplantation war ein Erfolg, nach einigen Wochen konnte Hubert Teigel, Jahrgang 1935, das UKM verlassen, noch im Sommer des gleichen Jahres kehrte er in seinen Beruf zurück. Heute geht er alle sechs Wochen zum Nephrologen, um seine Werte prüfen zu lassen. Nach der Transplantation musste er nicht mehr zuhause die Dialyse durchführen. Teigel: "Eine enorme Erleichterung und Steigerung der Lebensqualität, denn zunächst lag die Dialysedauer bei acht Stunden, später bei vier Stunden. Jeweils direkt nach der Arbeit."

    Anton Berghoff bekam seine neue Niere am 15. Januar 1980. Auch er hatte vor der Transplantation drei Mal in der Woche mehrere Stunden an der Heimdialyse verbracht. Der 65-jährige betont: "Umgerechnet wurden mir durch die neue Niere über 24.000 Stunden an der Dialyse erspart. Das sind fast drei volle Jahre, die mir somit geschenkt wurden. Durch die Transplantation konnte ich diese Zeit anders nutzen." Auch Anton Berghoff konnte nach dem Klinikaufenthalt schnell wieder arbeiten.

    Für Privat-Dozentin Dr. Barbara Suwelack, Oberärztin der Medizinischen Klink D (Allg. Innere Medizin sowie Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Direktor: Prof. Dr. Hermann Pavenstädt) und Leiterin der Nierentransplantationsambulanz und der Organisationszentrale des Transplantationszentrums am UKM steht, auch wegen Patienten wie Hubert Teigel und Anton Berghoff, ein Punkt besonders im Blickpunkt: "Speziell die Nachsorge der Transplantationspatienten wurde in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert."

    Gerade die Immunsuppression verdeutlicht die erreichten Fortschritte: Ab dem Tag der Transplantation muss der Organempfänger täglich Medikamente einnehmen, die verhindern, dass der Körper das neue Organ als fremd erkennt und abstößt. Diese Medikamente nennt man Immunsuppressiva. Suwelack: "Früher wurden die Patienten nach einem relativ einheitlichen Schema behandelt, heute stehen individualisierte Konzepte im Vordergrund, die auf die Patientengruppe abgestimmt sind, z.B. bei Frauen, die sich noch eine Schwangerschaft wünschen oder bei Älteren und Hochrisikopatienten. Besonders durch Fortschritte in der Medikamentenentwicklung konnte im Nierenbereich die Abstoßungsrate verringert werden. 1980 lag die Abstoßungsrate innerhalb des ersten Jahres noch bei ca. 50 Prozent, heute liegt sie bei unter 20 Prozent." Gewandelt hat sich auch das Durchschnittsalter der Patienten, denen eine Niere transplantiert wird: 1982 lag das Durchschnittsalter am UKM bei 40 Jahren, 2008 liegt es bei 53 Jahren.

    Die verbesserte Nachsorge ist ein Aspekt, wichtig ist allerdings die Bereitschaft zur Organspende, betont Privat-Dozent Dr. Heiner Wolters, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Allgemein- u. Viszeralchirurgie des UKM (Direktor: Prof. Dr. Norbert Senninger) und dort Leiter der Sektion Transplantationschirurgie: "Die Wartezeit auf eine neue Niere beträgt in Münster aktuell 5,4 Jahre. Der Anteil der Lebendspende liegt in Deutschland bei rund 20 Prozent, in Schweden liegt der Anteil bei 50 Prozent. Aktuell warten in Deutschland über 13.000 Patienten auf eine Nierentransplantation." Im vergangenen Jahr wurden am UKM 102 Nieren transplantiert, auf der Warteliste stehen aktuell 482 Namen.

    Auch darum wird es am Samstag, 14. März, gehen. Dann findet, ein weiteres Jubiläum, zum 20. Mal ein Symposium zum Thema Nierentransplantation am UKM statt. Die Veranstaltung steht unter dem Leitthema "Innovative Diagnostik und Therapiekonzepte nach Nierentransplantation".


    Bilder

    Hubert Teigel (2.v.l.) und Anton Berghoff leben seit fast 30 Jahren mit ihren transplantierten Nieren. Speziell im Bereich der Nachsorge habe sich für die Patienten in den letzten Jahrzehnten enorm viel verbessert, betonen Privat-Dozentin Dr. Barbara Suwelack (links) und Privat-Dozent Dr. Heiner Wolters (rechts).
    Hubert Teigel (2.v.l.) und Anton Berghoff leben seit fast 30 Jahren mit ihren transplantierten Niere ...
    Quelle: UKM


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

    Hubert Teigel (2.v.l.) und Anton Berghoff leben seit fast 30 Jahren mit ihren transplantierten Nieren. Speziell im Bereich der Nachsorge habe sich für die Patienten in den letzten Jahrzehnten enorm viel verbessert, betonen Privat-Dozentin Dr. Barbara Suwelack (links) und Privat-Dozent Dr. Heiner Wolters (rechts).


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