Der neu berufene Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene rückt unerwünschten Mikroben zu Leibe.
Seit dem 1. Januar 2009 hat das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main einen neuen Direktor. Prof. Dr. Volkhard Kempf (39) leitet seit Jahresbeginn das Institut, das im Zentrum der Hygiene angesiedelt ist.
Infektionskrankheiten sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Auch in Deutschland sind sie weiter auf dem Vormarsch und stellen eine Herausforderung für das Gesundheitswesen dar. Zudem können viele Krankheitserreger Resistenzen entwickeln, was zu großen Schwierigkeiten in der Therapie führt. Dennoch verläuft die Behandlung vieler Infektionskrankheiten mit Antibiotika heute sehr erfolgreich - dank der modernen medizinisch-mikrobiologischen Diagnostik sowie Ärzten und Wissenschaftlern wie Prof. Kempf.
Das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Frankfurt ist in den Bereichen Krankenversorgung, Krankenhaushygiene sowie Forschung und Lehre mit etwa 50 Mitarbeitern tätig. Die ärztliche Versorgung der Patienten verläuft mittelbar, das heißt die Mitarbeiter haben meist keinen unmittelbaren Patientenkontakt, sondern diagnostizieren Infektionserkrankungen im Labor und beraten die klinisch tätigen Ärzte, zum Beispiel auf Visiten oder telefonisch zu Fragen der Diagnostik und Therapie. Ziel der Krankenhaushygiene ist es, im Krankenhaus erworbene Infektionen zu vermeiden. Neben den alltäglichen, aber nicht minder wichtigen Aufgaben in den Bereichen Patientenversorgung, Hygiene, Forschung und Lehre ist das Institut darüber hinaus Partner des Kompetenznetzwerkes für hochinfektiöse und lebensbedrohende Erkrankungen in Hessen und koordiniert im Verbund deutschlandweit Qualitätssicherungsmaßnahmen in der Infektionsserologie.
Mit dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene hebt sich das Frankfurter Uniklinikum von den meisten nicht universitären Krankenhäusern ab. "Als medizinischer Maximalversorger bieten wir mit einem solchen Institut einen erheblichen Qualitätsvorsprung in der Patientenbehandlung, denn es ermöglicht im Falle von Infektionsverdachten kurze Wege und schnelle Verfahren", erläutert der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Roland Kaufmann, die Medizinische Mikrobiologie. "Deshalb freuen wir uns über unseren neuen Kollegen und wissen, dass wir mit Prof. Kempf eine herausragend qualifizierte Spitzenkraft für das Uniklinikum gewinnen konnten", kommentiert Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität, die Berufung Prof. Kempfs.
"Eigentlich wollte ich Pilot werden"
Der neu berufene Professor war bis Ende 2008 am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Tübingen als leitender Oberarzt tätig. Seine Entscheidung für Frankfurt begründet der Direktor mit dem exzellenten Forschungsumfeld, das sich ihm dort bietet. Privat liebt Prof. Kempf die Atmosphäre an Flughäfen. "Als Kind wollte ich Pilot werden, was zu einem kleinen Teil meine Entscheidung für Frankfurt beeinflusst hat", gibt der Wissenschaftler schmunzelnd zu. Noch wohnt Prof. Kempf nicht in Frankfurt. Seine finnische Frau und seine drei Töchter leben in Tübingen, wohin der Mediziner am Wochenende pendelt.
Habilitation über katzenübertragene Erreger
2006 habilitierte sich Prof. Kempf mit einer Untersuchung von Krankheitserregern, die durch Katzen auf den Menschen übertragen werden und den dazugehörigen Krankheitsbildern. Die sogenannte Katzenkratzkrankheit ist eine vergleichsweise häufige Infektion des Menschen, die durch Kratzverletzungen von Katzen und das dadurch übertragene Bakterium Bartonella henselae ausgelöst wird. Die Folge sind Lymphknotenschwellungen am Hals oder in der Achsel, die in der Regel nicht behandelt werden müssen. Infiziert sich jedoch ein immungeschwächter Patient (z.B. ein AIDS-Patient) mit diesen Bakterien, können die Erreger das Wachstum von Blutgefäßen auslösen; dieser Vorgang ist einzigartig für alle krankheitsauslösenden Bakterien des Menschen.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt des neuen Direktors ist die molekulare Schnelldiagnostik von bakteriellen Infektionen, die beispielsweise bei einer Sepsis von großer Bedeutung ist. Eine Sepsis, besser bekannt als Blutvergiftung, ist eine außer Kontrolle geratene Infektion, deren Ursache sehr schnell erkannt werden muss, um sie richtig behandeln zu können. Da eine Blutvergiftung tödlich verlaufen kann, sind eine schnelle und zuverlässige Diagnostik und eine adäquate Therapie überlebenswichtig. Durch den Einsatz molekularer Schnelldiagnostik konnte Prof. Kempf die Zeit bis zur Erregeridentifizierung deutlich verkürzen und auch schnelle Aussagen zur Antibiotikaempfindlichkeit der Erreger erreichen.
Prof. Kempfs exzellente Qualitäten als Mediziner und Experte für Mikrobiologie zeigen sich nicht nur in seiner alltäglichen Arbeit, sondern in zahlreichen Preisen und mehreren Patenten. Der Wissenschaftler erhielt 1999 den Promotionspreis der Medizinischen Fakultät Würzburg. Weitere Preise folgten, u.a. 2005 der Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie sowie der Postdoktoranden-Preis der Robert-Koch Stiftung für Prof. Kempfs Arbeiten über Bartonella henselae. Für seine Entdeckungen über die "Modulation der Angiogenese durch B. henselae", also über die Beeinflussung des Wachstums kleiner Blutgefäße durch das Bakterium Bartonella henselae, sowie für andere Entdeckungen konnte Prof. Kempf in Deutschland, Europa und den USA mehrere Patente anmelden. Darüber hinaus ist der Mediziner als Gutachter in der Forschungsförderung und für eine Reihe wissenschaftlicher Zeitschriften tätig.
Zukunftspläne: Schnellere Diagnostik, bessere Kommunikation
In der Krankenversorgung diagnostiziert das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene Infektionserkrankungen, die durch Bakterien, Pilze und Parasiten verursacht werden und berät die klinisch tätigen Ärzte bei der Diagnostik und antimikrobiellen Therapie.
Als Institutsdirektor hat Prof. Kempf klare Vorstellungen von seinen zukünftigen Plänen. "In der Krankenversorgung und Krankenhaushygiene ist der Status quo ein sehr guter. Unsere technische Ausstattung im Institut ist modern, die molekularen Nachweisverfahren funktionieren schnell und die Krankenhaushygiene am Uniklinikum ist sehr gut", berichtet der Infektionsexperte. "Mein Ziel ist, auf dem derzeitigen hohen Niveau des Instituts aufzubauen und beispielsweise schnelle Nachweissysteme von Mikroorganismen in der Diagnostik fest zu verankern", erläutert Prof. Kempf weiter. Auch die Kommunikation der klinisch tätigen Ärzte mit den Ärzten der Medizinischen Mikrobiologie und Krankenhaushygiene möchte der neue Direktor reibungslos gestalten, indem er die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Unklinikum insgesamt ausbaut.
In der Lehre bietet das Institut zahlreiche Veranstaltungen für Medizin-, Zahnmedizin-, Biologie- und Pharmaziestudierende sowie für MTA-Schüler. Zusätzlich plant Prof. Kempf schon für das kommende Sommersemester eine neue Vorlesungsreihe: "Wir werden eine Reihe zu den Ursachen, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten von Infektionskrankheiten veranstalten. Unser Credo ist, dass wir keine Mikrobiologen, sondern infektiologisch geschulte Ärzte ausbilden".
Frankfurt am Main, 17. März 2009
Für weitere Informationen:
Prof. Dr. Volkhard Kempf
Direktor des Institutes für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon: (069) 6301 - 50 19
Fax: (069) 6301 - 8 34 31
E-Mail: volkhard.kempf@kgu.de
Internet: www.kgu.de/zhyg/microbio
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Fon: (0 69) 63 01 - 77 64
Fax: (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail: ricarda.wessinghage@kgu.de
Internet: www.kgu.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin
überregional
Personalia
Deutsch

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