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21.04.2009 11:07

Bertelsmann Stiftung investiert stärker in Bildung

Ute Friedrich Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

    Thielen: Sparen bei der Bildung führt zu hohen gesellschaftlichen Folgekosten

    Die Bertelsmann Stiftung wird sich in den kommenden Jahren noch stärker als bisher auf das Thema Bildung konzentrieren. Das gab der Vorstandsvorsitzende Dr. Gunter Thielen bei der Vorstellung des aktuellen Jahresberichtes bekannt. Die größte Herausfor­derung für das Bildungssystem der Zukunft sieht Thielen in der wachsenden Heterogenität der Bevölkerung und den Veränderungen durch den demographischen Wandel. "Die Bildungspolitik hat auf die steigende Anzahl von Menschen mit Migrationshintergrund und die wachsenden sozia­len Unterschiede in der Gesellschaft bislang nur unzureichend reagiert. Immer mehr Kinder und Jugendliche haben keinen adäquaten Zugang zu Bildung und werden so von der gesellschaftli­chen Entwicklung abgekoppelt", sagte Thielen.

    Um diese Probleme stärker ins Blickfeld zu rücken und Transparenz herzustellen, will die Bertels­mann Stiftung in den kommenden Monaten unterschiedliche Studien zu den Folgekosten unzurei­chender Bildung veröffentlichen. "Wir wollen mit Fakten belegen, wie teuer es ist, bei der Bildung zu sparen", sagte Thielen. Bereits vor einigen Monaten hatte die Bertelsmann Stiftung nachgewie­sen, dass mit gezielten Reformen des teuren Übergangssystems zwischen Schule und Beruf bis zum Jahr 2015 rund 50 Milliarden Euro eingespart werden könnten. In einem weiteren Schwer­punkt "Heterogenität und Bildung" will die Stiftung zeigen, wie Kinder durch individuelle Förderung unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft ihre Potenziale ausschöpfen können. In ihre Bildungsprogramme wird die Bertelsmann Stiftung im Jahr 2009 rund 12,5 Millionen Euro in­vestieren.

    "Für die Bertelsmann Stiftung ist Leistung und Gerechtigkeit im Bildungssystem kein Widerspruch. Unser Bildungssystem muss sowohl die Wettbewerbsfähigkeit unserer Gesellschaft als auch die faire Teilhabe an guter Bildung sichern", sagte Thielen. Die Grundlagen für erfolgreiches Lernen würden bereits vor der Schule gelegt. Daher müsse die Gesellschaft noch gezielter in die frühkind­liche Bildung investieren. Zusätzliche finanzielle Mittel müssten im Bildungssystem künftig dort eingesetzt werden, wo die Herausforderungen am größten sind. Als Beispiel nannte Thielen sozi­ale Brennpunkte und die gezielte Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund.

    Um Lösungsmodelle in diesem Bereich aufzuzeigen, führt die Bertelsmann Stiftung derzeit zwei Wettbewerbe durch. In Zusammenarbeit mit der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer, und der Deutschen UNESCO-Kommission hat sie den Jakob-Muth-Preis ausgeschrieben. Bewerben können sich Schulen, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder vorbildlich zusammen unterrichtet werden. "Integration braucht faire Bildungs­chancen" ist die Zielsetzung des Schulwettbewerbs "Alle Kids sind VIPs". Schüler der Klassenstu­fen 5 bis 12 waren eingeladen, Projekte und Ideen einzureichen, mit denen die Integration von Ju­gendlichen mit Migrationshintergrund an der eigenen Schule besser funktioniert.

    Das stärkere Engagement in den Bereich Bildung ist für die Bertelsmann Stiftung auch eine logi­sche Folge der Weltwirtschaftskrise. Für ein rohstoffarmes und exportorientiertes Land wie die Bundesrepublik seien zusätzliche Investitionen in Bildung und Wissenschaft überlebenswichtig, sagte Thielen. Um die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zu analysieren, hatte die Bertels­mann Stiftung Ende 2008 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe (Task force) eingerichtet. Die Task Force beschäftigt sich vor allem mit den mittel- und langfristigen Auswirkungen des gesellschaftli­chen Zusammenlebens. Dazu gehören Fragen des sozialen Zusammenhalts und die Suche nach gemeinsamen Werten. Die Stiftung will Wege für eine nachhaltigere ökonomische Entwicklung aufzeigen und den Menschen wieder stärker in den Mittelpunkt stellen.

    "Wir gehen davon aus, dass auch Konjunkturprogramme und weitere Zinssenkungen nicht zu einer raschen Erholung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland führen werden", sagte Thielen. Die größte Gefahr liege darin, dass das Misstrauen weiter zunehme und sich die protektionistischen Tendenzen verschärften.

    Um die Bürgerinnen und Bürger stärker in den politischen Diskurs einzubeziehen, erprobt die Ber­telsmann Stiftung seit einiger Zeit neue Formen der Beteiligung. Unter Mitwirkung von Bundes­kanzlerin Angela Merkel fand im Januar 2009 die Auftaktkonferenz des Bürgerforums Europa statt, das gemeinsam mit der Heinz-Nixdorf-Stiftung ausgerichtet wird. 350 zufällig ausgewählte Bürger aus ganz Deutschland erarbeiten in Konferenzen und in einem Online-Forum www.buergerforum2009.de ein Programm für die Zukunft Europas. Die Abschlusskonferenz findet am 25./26. April im ehemaligen Bundestag in Bonn statt. Anschließend werden in verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens lokale Bürgerforen ausgerichtet - eine dieser Konferenzen wird am 26. Mai in Gütersloh veranstaltet.

    Über die Bertelsmann Stiftung:

    Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für das Gemeinwohl ein. Sie engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verständigung und fördert das friedliche Miteinander der Kulturen. Durch ihr gesellschaftliches Engagement will sie alle Bürgerin­nen und Bürger ermutigen, sich ebenfalls für das Gemeinwohl einzusetzen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. Die Bertelsmann Stiftung ist unabhängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral. Im laufenden Geschäftsjahr verfügt die Bertelsmann Stiftung mit ihren 300 Mitarbeitern über einen Etat von rund 70 Millionen Euro. Seit ihrer Gründung hat sie insgesamt 805 Millionen Euro in ihre gemeinnützigen Initiativen investiert.

    Rückfragen an:
    Karin Schlautmann, Telefon: 0 52 41 / 81-81 182; E-Mail: karin.schlautmann@bertelsmann-stiftung.de

    Andreas Henke, Telefon: 0 52 41 / 81-81 129; E-Mail: andreas.henke@bertelsmann-stiftung.de


    Weitere Informationen:

    http://www.bertelsmann-stiftung.de.


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Pädagogik / Bildung
    überregional
    Forschungsergebnisse, Schule und Wissenschaft
    Deutsch


     

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