Knapp 80 Prozent der Frauen in mitbestimmten Aufsichtsräten sind Arbeitnehmervertreterinnen
Arbeitnehmermitbestimmung führt zu einem deutlich höheren Frauenanteil in Aufsichtsräten. In mitbestimmten Kontrollgremien sind insgesamt 11,7 Prozent der Mitglieder weiblich. Knapp 80 Prozent davon sind Arbeitnehmervertreterinnen. In Aufsichtsräten ohne Mitbestimmung sind weibliche Mitglieder mit einem Anteil von 2,6 Prozent nach wie vor extrem selten. Das ergibt eine aktuelle Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung.
Die Ökonomin Marion Weckes analysiert darin die quantitativen Geschlechterverhältnisse in Kontrollgremien und Chefetagen jener 160 Unternehmen, die in den Börsensegmenten Dax, MDax, SDax und TecDax notiert sind. Von diesen sind 103 mitbestimmt, 57 haben keine Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat. Insgesamt saß Anfang 2009 auf jedem zehnten Aufsichtsratssitz in den börsennotierten Unternehmen eine Frau. Gegenüber 2008 ist die Quote geringfügig angestiegen - von 9,3 auf 10,2 Prozent. Im Vergleich zu skandinavischen Ländern, aber auch zu den USA, ist das wenig.
Ohne Mitbestimmung wäre der Frauenanteil noch weit geringer, zeigt Weckes´ Untersuchung. Denn in den 103 mitbestimmten Aufsichtsräten, in denen je nach Unternehmensgröße ein Drittel oder die Hälfte der Mitglieder von den Arbeitnehmern gestellt werden, unterscheiden sich Arbeitnehmer- und Kapitaleignerbänke deutlich: Auf Beschäftigtenseite liegt der Frauenanteil bei 19,3 Prozent. Bei den Anteilseignern sind es lediglich 4,8 Prozent. Insgesamt ergibt das einen Frauenanteil von 11,7 Prozent. Immerhin: Die Tendenz ist auch auf der Kapitaleignerseite leicht steigend. "Offenbar trägt die Mitbestimmung dazu bei, dass auch auf Anteilseignerseite mehr Frauen gewählt werden. Sie scheint dort einen disziplinierenden Effekt zu haben", beobachtet Expertin Weckes. Für diese These spricht der Frauenanteil in Aufsichtsräten ohne Arbeitnehmerbeteiligung: Er ist zwischen 2008 und Anfang 2009 auf niedrigstem Niveau leicht gesunken - von 2,9 auf 2,6 Prozent.
In den Vorständen der börsennotierten Unternehmen sind Frauen ähnlich selten anzutreffen. Lediglich drei Prozent Frauen arbeiten in der obersten Führungsetage. Nur 16 der untersuchten 160 börsennotierten Unternehmen haben mindestens eine Frau im Vorstand. Insgesamt sind von 708 Spitzenpositionen gerade einmal 21 von Frauen besetzt. Dabei zeigt sich ein klarer Größeneffekt: Je höher die Platzierung im Börsenindex, desto niedriger der Frauenanteil. Während im TecDax noch 5,8 Prozent Frauen im Vorstand vertreten sind, schrumpft der Anteil kontinuierlich auf 0,6 Prozent im Dax 30. Im DAX 30 arbeitete zum Untersuchungszeitpunkt in nur einem Unternehmen überhaupt eine Frau im Vorstand. "In großen Unternehmen werden die Führungskräfte meist extern rekrutiert, sie kommen selten aus dem eigenen Haus", erklärt Expertin Weckes. "Als viel versprechender Kandidat für einen Vorstandsposten gilt, wer schon in einem anderen Unternehmen eine Führungsposition hatte. Das reduziert die Chancen von Frauen noch einmal."
Mehr Informationen und Infografiken zum Download im Böckler Impuls 7/2009:
http://www.boeckler.de/32006_95294.html
Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung
Marion Weckes
Abteilung Mitbestimmungsförderung
Tel.: 0211-7778-166
E-Mail: Marion-Weckes@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Politik, Wirtschaft
regional
Forschungsergebnisse
Deutsch

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